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Den Atlantik übersetzen

Stellenabbau bei Deepl – BR-Wahlen behindert – neuer Standort in den USA geplant

Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Deepl-Gründer Jaroslaw Kutylowski auf der Re:publica in Berlin (27.5.2025)

Mit künstlicher Intelligenz (KI) will das KI-Unternehmen DeepL in nächster Zeit rund 250 Stellen in Deutschland ersetzen. Das Management begründet diesen Einschnitt mit der ökonomischen Entwicklung und überhaupt den schwierigen Bedingungen hierzulande. Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) geht hingegen davon aus, dass der Konzern auf diesem Weg auch die bevorstehende erste Betriebsratswahl seit seiner Gründung 2017 behindern will.

Vor knapp zehn Jahren ging Deepl – das steht für »deep learning«, zu deutsch gründliches Lernen – als Übersetzungsdienst aus dem Umfeld des Onlinewörterbuchs »Linguee« hervor. Mittlerweile nutzen Millionen Menschen weltweit die KI-basierten Übersetzungen. Insgesamt arbeiten für das Unternehmen mit Hauptsitz in Köln über 1.000 Beschäftigte, davon rund 620 in Deutschland. Längst habe das einstige Startup, das stets als Gegenmodell zu Google, Microsoft und Co. begriffen werden wollte, auch US-amerikanische Geldgeber im Boot, berichtete die Frankfurter Rundschau (FR) am 15. Mai. Nun plane es, seine Aktivitäten in den Staaten auszuweiten, etwa mit einer neun Niederlassung in San Diego, die zu Lasten deutscher Standorte gehen dürfte. Hier sei die Entwicklung aufgrund höherer Lohnkosten und strengerer KI-Regulierung schlicht unattraktiv, erklärte ein Insider gegenüber der FR.

Die IG Metall sieht beim angekündigten Stellenabbau einen klaren Zusammenhang zum neuerlichen Versuch von Beschäftigten, einen Betriebsrat zu wählen. 2024 sei die geplante Wahl wegen des erheblichen Drucks der Geschäftsleitung nicht zustande gekommen. Auch dieses Jahr behindert Deepl das Wahlverfahren nach Kräften. Ein Vorstand für die Betriebsratswahlen wurde schon am 3. März mit Unterstützung der Gewerkschaft gewählt. Doch habe die Geschäftsleitung sich mehrfach bei der Herausgabe erforderlicher Beschäftigtendaten quergestellt. Fristen wurden nicht eingehalten, so dass die eigentliche Betriebsratswahl bisher nicht stattfinden konnte.

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Die Ankündigung des Unternehmens vom 7. Mai, etwa 250 Stellen in Deutschland abzubauen, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Bestrafung der in Sachen Mitbestimmung aktiven Beschäftigten, auch wenn die Geschäftsleitung den massiven Abbau mit dem verstärkten Einsatz von KI begründet. Zugleich sollen aber, darauf weist die IG Metall hin, an anderen europäischen Standorten neue Stellen entstehen.

»Deepl tritt hier die Mitbestimmung mit den Füßen«, erklärte Jan Brauburger von der IG Metall Berlin zum Vorgehen des Unternehmens. »Dass ausgerechnet unmittelbar vor der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats ein erheblicher Teil der deutschen Belegschaft entlassen werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter*innen, die das Unternehmen erst zu dem gemacht haben, was es ist.« Statt so viele Menschen zu entlassen, solle die Geschäftsführung ihren Beschäftigten mit Wertschätzung begegnen und ihr Recht auf einen Betriebsrat respektieren. »Und vor allem: Schluss mit dem Druck auf die Mitarbeiter*innen, die hier für ihre Rechte eintreten.« Der Konzern wies die Vorwürfe in der vergangenen Woche gegenüber dem WDR zurück.

Der Geschäftsführer von Verdi Köln-Bonn-Leverkusen, Tjark Sauer, erinnerte an das gesetzlich geschützte Beschäftigtenrecht auf Mitbestimmung. »Wer gleichzeitig Hunderte Kündigungen ausspricht und die Betriebsratswahl verzögert, sendet ein eindeutiges Signal«, stellte er fest. Statt dessen benötigten die Kolleginnen und Kollegen gerade jetzt »Schutz, Transparenz und eine starke Interessenvertretung«. Die aktuelle Lage mit dem angekündigten Stellenabbau werde als stark belastend empfunden. Ein gewählter Betriebsrat wäre um so wichtiger, weil er die Interessen der Beschäftigten insgesamt vertreten könnte, betonten gewählte Mitglieder aus dem Wahlvorstand.

Deepl-Ceo Jaroslaw Kutylowski treibt unterdessen offenbar vor allem die Expansion um, gilt das Unternehmen – das 2024 mit rund zwei Milliarden US-Dollar bewertet wurde – laut FR doch als aussichtsreicher Kandidat für einen Börsengang, eventuell in den USA. Der Stellenabbau hierzulande gehöre für ihn dabei zu einem »tiefgreifenden Umbau«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.05.2026, Seite 5, Inland

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