Betriebsratswahl mit »Grauen Wölfen«?
Stehen türkische Faschisten auf der Gewerkschaftsliste der Betriebsratswahl bei Outokumpu? Über derartig schwere Vorwürfe gegen den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden des finnischen Stahlkonzerns und weitere BR-Kandidaten der IG-Metall-Liste berichtete die Westdeutsche Zeitung (WZ) Ende vergangener Woche. Im Krefelder Stahlwerk von Outokumpu starteten die Betriebsratswahlen am Montag und dauern bis zum 13. März. Die Outokumpu Nirosta GmbH (früher Thyssen-Krupp Nirosta) hat ihren Firmensitz in der Stadt und stellt Flacherzeugnisse aus rostfreiem Stahl her.
Die Zeitung hatte Bilder aus sozialen Medien zugespielt bekommen, wo der aktuelle GBR-und Betriebsratsvorsitzende Hasim Cantürk und weitere Kandidaten der Gewerkschaftsliste mit Symbolen der türkischen faschistischen »Grauen Wölfe« abgebildet sind. Ein anderer Kandidat sei auch in der Duisburger Kommunalpolitik aktiv, und trete immer wieder für die türkische Duisburger Alternative Liste (DAL) an. Gegenüber jW wies die Gewerkschaft die Verdächtigungen zurück. Ralf Claessen von der Krefelder IG Metall erklärte, ihm seien keine Äußerungen oder Aktivitäten von Grauen Wölfen bei der Nirosta oder anderen Krefelder Betrieben bekannt. »Wenn Mitglieder oder Funktionäre entgegen unserer demokratischen Beschlusslage, der Satzung oder der Richtlinien agieren, werden wir tätig«, so Claessen. Aus sozialen Medien, Zeitungsberichten oder anonymen Zuschriften leite er einen solchen Handlungsauftrag nicht ab.
Im Februar sorgte die fristlose Kündigung eines Betriebsratsmitglieds nach Vorwürfen rassistischer Beleidigungen für ein Berufungsverfahren. Während die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellte, rollte das Landesarbeitsgericht den Fall neu auf. Der Bedrohte war IG Metaller, der Gekündigte nicht. Aber selbst, wenn es andersherum gewesen wäre – IG-Metall-Sekretär Ralf Claessen verweist auf das gewerkschaftsinterne Verfahren.
Eine starke Beschäftigtenvertretung ist um so nötiger, da Outokumpu bis 2027 rund 50 Verwaltungsstellen in Krefeld streicht. Sozialpläne sichern den Standort und schließen Kündigungen bis 2032 aus. Weltweit beschäftigt der wegen starker Konkurrenz unter Druck stehende Konzern rund 8.700 Menschen, davon etwa 1.050 in Krefeld. (jW)
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