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Warum haben euch Antideutsche angegriffen?
Berlin-Hellersdorf: Das AJZ Kita wurde attackiert, um palästinasolidarische Stimmen zu verdrängen, erklärt Mika Huber
Im alternativen Jugendzentrum Kita, AJZ Kita, ist es am vergangenen Sonnabend zu Auseinandersetzungen gekommen. Was hat sich in dem auch »La Casa« genannten Objekt zugetragen?
Es wurden Falschinformationen verbreitet, gerade von der »Reclaim La Casa«-Gruppe. So nennt sich dieser Schlägertrupp von ungefähr 15 Personen selbst, den wir, Bewohnerinnen und Bewohner, am Morgen des Sonnabends vermummt und bewaffnet in unserem Haus angetroffen haben. Die hatten das offensichtlich von langer Hand geplant, hatten direkt eine Webseite, einen Instagram-Auftritt und ein Statement parat. Das sind Menschen, hauptsächlich Männer, die dem antideutschen (proisraelisch und antikommunistisch, jW) Spektrum zuzuordnen sind, die zum Teil auch im Haus bekannt sind, aber eben nicht hier wohnen. Sie haben gute Kontakte zu anderen antideutschen Personen im Haus, zu denen auch der Vorstand des Vereins gehört. Diese Minderheit wollte eine im Haus lebende Person räumen, angeblich, weil sie keinen Mietvertrag hat. Die Person war gar nicht da. Tatsächlich wollten sie palästinasolidarische Stimmen im Haus unterdrücken, verdrängen, einschüchtern. Sie nannten ihren Angriff eine »Besetzung«. Die waren schon im Haus, bevor wir überhaupt wach waren.
Der Angriff kam also von außen?
Da waren zum Teil Leute dabei, die sich auch im Haus organisiert haben. Wir sind ja ein Hausprojekt mit vielen unterschiedlichen Beteiligten. Aber diese Menschen wohnen nicht hier, und nicht alle, die eingebrochen sind, sind Teil von den Strukturen. Es war eine Gruppe von Menschen, die schon länger Macht- und Schlüsselpositionen einnehmen wollte, das teilweise auch geschafft hat. Auf diese Weise wurden junge, queere und migrantische Perspektiven immer wieder unterdrückt.
Und für wen sprechen Sie?
Wir sind die Mehrheit der Menschen, die im und um das Haus organisiert sind. Als Gruppe von insbesondere jungen, queeren und migrantischen Personen, die teilweise schon lange im Haus wohnen und organisiert sind, teilweise in den letzten Jahren dazugekommen sind, sowie von Menschen, die das Umfeld aufgrund von Anfeindungen verlassen mussten, haben wir angefangen, uns als emotionale Unterstützungsgruppe zu treffen. Inzwischen nennen wir uns »New Casa«. Wir wehren uns gegen die strategische Raumnahme durch die Antideutschen, denn nach der Eskalation des Genozids in Palästina im Oktober 2023 sind mehr Antideutsche zurück ins La Casa gekommen. Unser Ziel ist aber vor allem, antifaschistische Nachbarschafts- und Jugendarbeit zu machen, und darin migrantische und queere junge Perspektiven wieder sichtbar zu machen, etwa durch regelmäßige Community-Abende.
Was sind denn die Mehrheitsverhältnisse in Sachen Palästina bei den Beteiligten am Hausprojekt?
Wir haben keine einheitliche politische Perspektive. Unsere Bottomline ist, dass wir antifaschistische Arbeit in einem Kiez machen wollen, der ein großes Problem mit Faschismus hat. Es gibt eine lange Geschichte antideutscher Positionen hier im Haus, die in der Minderheit sind, aber bestimmte Schlüsselpositionen besetzen. Viele andere positionieren sich propalästinensisch, und viele sagen auch: Lass mich mit dem ganzen Kram in Ruhe.
Auf der Instagram-Seite »Reclaim La Casa« wurde am Mittwoch behauptet, dass Sie plötzlich angegriffen worden seien, sich ins Haus zurückgezogen hätten und dieses »reclaimten, aber auch gleichzeitig eingeschlossen« worden seien.
Das stimmt so nicht. Sie haben gleichzeitig die Zimmertüren zur anderen Hälfte des Hauses zugenagelt, um ungestört zu räumen. Und sie haben sich auch direkt als Besetzung ausgegeben. Sie mussten sich also nicht zum Schutz zurückziehen, sondern das war offensichtlich, was sie wollten. Als wir versucht haben, durch eine Tür unseres Wohnhauses reinzugehen, wurden wir angegriffen. Die waren da schon vermummt, mit Schlagstöcken bewaffnet und haben angefangen, uns zu treten, haben Pfefferspray benutzt und so weiter.
Gab es Verletzte?
Eine Person, die rausgetragen wurde, wurde gewürgt, weil sie schreien wollte. Sie hat zum Glück keine schwereren Verletzungen. Die anderen von uns haben sechs große Kannen Pfefferspray über sich entleert bekommen und Schmerzen davongetragen, eine Person musste ins Krankenhaus. Andere hatten eher leichte Verletzungen. Unsere Mitbewohner mit Fluchterfahrung wurden retraumatisiert. Sie wussten ja auch zunächst nicht, ob sie von Nazis angegriffen werden.
Ist die Besetzung jetzt beendet?
Die haben sich zurückgezogen. Auch wegen des solidarischen Protests vor dem Haus, der verhinderte, dass neue gewaltbereite Antideutsche die Besetzung unterstützen. Wir versuchen auf allen Ebenen, weitere Angriffe zu verhindern. Der Vorstand und wir sind uns einig, dass diese Gewalt nicht noch mal passieren darf. Ausschließen können wir das selbstverständlich nicht. Als Hausprojekt im Randbezirk sind wir immer darauf vorbereitet, von faschistischen Kräften angegriffen zu werden. Wir sehen, dass sich die Lage weiter entspannt und wir mit der Wiedereröffnung von Nachbarschafts-, Kultur- und Bildungsprojekten weitermachen können.
Mika Huber wohnt im Hausprojekt AJZ Kita/La Casa
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