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Piraten

Foto: Newscom/GDA/IMAGO
Belgrano de Córdoba bleibt River Plates Alptraum

Einen wunderschönen guten Morgen! Wer jemals das südliche Patagonien, die dortige Atlantikküste und die Insel Feuerland bereist hat, dem sollte der Schriftzug »Fuera, Piratas!« (Haut ab, Piraten!) aufgefallen sein, er steht auf Fels­blöcken, an Häuserwänden, so ziemlich überall. Gemeint sind die britischen Kolonialherren auf den Islas Malvinas.

Seit Sonntag ist Argentinien nun komplett in Piratenhand. Absolut historisch! Im Estadio Mario Alberto Kempes im Stadtviertel Chateau Carreras, weit draußen vor den Toren der Provinzhauptstadt Córdoba, trafen im Endspiel der argentinischen Meisterschaft (Torneo Apertura) Belgrano de Córdoba und Rekordmeister River Plate aufeinander. In diesem legendären Stadion verlor 1978 der noch amtierende Weltmeister BRD gegen Österreich mit 2:3 (»die Schmach von Córdoba«). Als es vor 15 Jahren den Namen des Matadors erhielt, hatte ich das Glück, Mario im VIP-Bereich draußen hinter dem Stadion zu treffen. Wir unterhielten uns etwa eine Viertelstunde, bis jemand daherkam und ihn wegzog, vermutlich die PR-Chefin des Klubs, sie hatte wohl bemerkt, dass ich kein Interview machte, sondern nur schnackte. Passte nicht in ihr Konzept. In der Halbzeit verlief ich mich damals auf der Suche nach den Klos in eine klandestine Feier des damaligen Vizegouverneurs, wo es exquisite Kanapees und Luxus aller Art gab. Nachdem nichts mehr reinpasste, griff ich mir so viele Bierbüchsen wie transportierbar und kehrte in den Presseblock zurück. Dort stellte ich verdutzt fest, dass alle alkoholfrei waren, was mich vor allem deshalb irritierte, weil auf dem lauschigen Kaffeekränzchen von Bonzen und Escorts massiv gekokst worden war – vielleicht Ökostoff.

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Die jüngste Vergangenheit von River Plate war von schlechten Resultaten, miesem Spiel, kurz der guten alten Krise geprägt. Dann ersetzte Chacho Coudet Erfolgstrainer Marcelo Gallardo, bleute der Truppe wieder Selbstbewusstsein ein. Eine Siegesserie begann, auch spielerisch wurde der Millonario besser. Mit einem Heimsieg am Donnerstag gegen den noch sieglosen bolivianischen Club Blooming (Santa Cruz de la Sierra) wäre River Plate in den Achtelfinals der Copa Sudamericana (die Playoffs sind gesichert). Nun sollte der 39. Titel her. Von den letzten 36 Meisterschaften hatten die Riverplatenses gerade mal vier gewonnen. Der Plan: Reinfeiern in das 125jährige Vereinsjubiläum (gleichzeitig Nationalfeiertag Argentiniens)!

Belgrano de Córdoba ist jener Klub, der 2011 in der Relegation das mächtige River Plate erstmals in die »B«, die Primera Nacional, schickte. Beide Matches konnten wegen schwerer Ausschreitungen der River-Fanatiker nicht komplett zu Ende gespielt werden. Als der Abstieg besiegelt war, demolierten sie das River-Stadion, legten Feuer. Trainer der Piraten, wie Belgrano im Volksmund genannt wird, war Ricardo »Ruso« Zielinski. Seit Februar letzten Jahres ist der 66jährige wieder an Bord. Einen Titel hatte der Klub noch nie gewonnen. Bis Mitte Dezember, da gewannen die vier Jahre zuvor noch drittklassigen Frauen, die Piratinnen, sensationell die Meisterschaft. Nun taten es ihnen die Herren gleich. Ein Novum auch deshalb, weil der Verein nicht direkt dem Verband AFA angeschlossen ist. River Plate lag zweimal vorne, doch mit einem epischen Doppelpack in den letzten Minuten des gerade eingewechselten Nicolás »Träubchen« Fernández drehte der krasse Außenseiter den Spieß um. Belgrano de Córdoba bleibt River Plates Alptraum. Das violette (Milei) Argentinien ist in hellblauer Piratenhand.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 16, Sport

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