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Damals
Gras
Bis 2002 kaufte ich mir das Kicker-WM-Sonderheft, recht viel anderes war nicht im Angebot. Durch die technisch bedingte Spärlichkeit der Informationen stieg die Vorfreude auf eine Weltmeisterschaft ins Zölestische. Da alle Redensarten stimmen, denn sie sind Emanationen des »Volksvermögens« (Bachtin/Rühmkorf), war ebenjene die schönste Freude. Der Mensch ist ein Erwartungswesen. Mönche und etwelche Gelassenheitsartisten, gereinigt von Sehnsüchten, seien ausgeklammert.
Mediatheken? Fehlanzeige. Das Internet? Eine dahinzuckelnde, ruckelnde Apparatur, gleich den Autos, die ich überwiegend selber reparierte. Einen Anlasser beim R 4 oder beim »Golf« auszutauschen – no problem.
Ein Residuum in meinem Seelenhaushalt verlangt nach wie vor nach geschichtlichen Exkursionen, lebensgeschichtlichen Vergewisserungen, Auffrischungen. Mit eminentem Wohlgefühl schaute ich in den Tagen vor dem Eröffnungsspiel beispielsweise die »WM-Geschichten« auf Phoenix, gute, solide Dokumentationen ohne penetrante politische Aufladung: »Schwarz, Rot, Gold und Fußballfieber – Der WM-Triumph im Sommer der Einheit« (SWR 2015), »Vom Nazi zum englischen Fußballidol – Die Torwartlegende Bert Trautmann« (RB 2021), »Kicker, Zocker und Rebellen – Die WM-Helden von ’74« (SWR 2014).
Aktuelle Hervorbringungen dagegen sind, sobald sie »kritisch« zu sein beabsichtigen, ungenießbar. Bei der ARD zeichnen dafür Esther Sedlaczek und Thomas Hitzlsperger verantwortlich. »WM-Wahnsinn und Titelträume – Deutschland bei der Mega-WM« ist ein Mäkel- und Gemoserauflauf, in dem der Moderkopf Oke Göttlich von St. Pauli nicht fehlen darf. Da wurden unfassbare Summen an Zwangsgebühren für exquisite Reisen der beiden Protagonisten rund um den Globus verbraten, und bei der üblichen kinoästhetischen Outriertheit (Close-ups, extreme Slomos, gewagte Winkel, Schnittbildimpressionismus) fällt lediglich enervierendes Feuilletongeschwätz ab. Es geht aber ja ohnehin nur um ein Big Reel von oder für Esther: »Esther be the one, she’s the only one« (ZZ Top).
Empfehlen will ich trotzdem: »Inside Fußball – Wer kauft das Spiel?« Analytisch ernüchtert demonstrieren die drei Serienteile: Geld schießt Tore, und es muss fließen, die Premier League ist ökonomisch nicht einzuholen und die Bundesliga eine »Verkaufsliga«, der Terror der Verdatung nicht reversibel, die »Multi Club Ownership« (»Internationalisierung« und »Branding«) das Modell einer Scheißzukunft, Menschenhandel heißt »Entwicklung von Vermögenswerten«, die Walze rollt, und die Sportgroßmacht wird Saudi-Arabien sein.
Und wo überwintert der Widerstand? Im Traditionalismus.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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