- → Sport
Falken in Atlanta
Einen wunderschönen guten Morgen! Sie haben es wieder gemacht. Jedenfalls fast. Der Rio de la Plata liegt den Grünen Falken einfach. Bei der Katar-WM besiegte Saudi-Arabien im Auftaktmatch Argentinien, das bis dato fast vierzig Matches lang unbesiegt war, gar nicht mal unverdient mit 2:1. Es folgten jedoch Niederlagen gegen Polen und Mexiko. Immerhin, der Anschlusstreffer zum 1:2 gegen die Mariachis in Minute 95 eliminierte das Team von Tata Martino aus dem Turnier der Bademäntel. Ohne den Treffer hätte eine weitere gelbe Karte für Polen zum Losentscheid geführt. Das war schon unverdient.
Nun also Uruguay. Das Spiel im Hard Rock Stadium von Miami avancierte zum bislang besten der WM. Die Trump-Festspiele nehmen Fahrt auf. Ins Tor der Charrúas hatte Fußballgott Marcelo Bielsa Galatasaray-Idol Fernando Muslera zurückbeordert. Der Uru feierte in der Nacht des Matches seinen 40. Geburtstag. Aktuell arbeitet er für den argentinischen Klub Estudiantes La Plata. Bielsa ist erst der zweite ausländische Trainer der Celeste in deren Geschichte. Er ist umstritten. Etwa die Hälfte des Kaders kann nicht mit ihm. Dabei hat er Historisches im uruguayischen Balltreten erreicht. In den sogenannten Eliminatorias, der WM-Quali der Conmebol, gewann sein Team auswärts völlig überlegen bei Weltmeister Argentinien und zu Hause nach über 22 Jahren ein Länderspiel gegen Brasilien. Auch Kolumbien wurde auswärts besiegt. Bei der Copa América 2024 eliminierten die Charrúas Brasilien, Uruguay erreichte den dritten Platz. Einige werteten das als Misserfolg.
Die Buchmacher hatten die Saudis kurzerhand zum Favoriten erklärt, am meisten Bakschisch versprach ein Remis. Bielsa fehlten die noch verletzten Schlüsselspieler Ronald Araújo (Barça) und Giorgian de Arrascaeta (Flamengo). Uruguay begann stark, doch Tormann Mohammed al-Owais klärte zunächst gegen Maximiliano Araújo (Sporting Lissabon, bester Mann auf dem Platz), dann bei einem Flugkopfball gegen Federico Viñas (Club América). Kurz vor dem Pausenmate spitzte sich die Chose zu. Muslera lenkte nach einem Eckball eine tausendprozentige von Abdulelah al-Amri bravourös über die Latte. Jetzt schwammen die Urus. Diego Forlán und Roberto Baggio auf der Tribüne trauten ihren Augen nicht. Ich auch nicht. Erneute Ecke. Muslera wehrt einen Kopfball vom Sanktionspunkt von Hassan al-Tambakti gerade noch so eben ab, doch al-Amri staubt eiskalt zur Führung für die Falken ab.
Nach dem Wechsel bringt Bielsa Agustín Canobbio (Fluminense) für Darwin Núñez, stellt wieder auf ein 4-3-3 um. Uruguay erarbeitet sich Chancen fast im Minutentakt. Ich sehe das Déjà-vu von Marcelo Bielsa. Asien-Mundial 2002. Letztes Gruppenspiel gegen Schweden. Es ist die Todesgruppe. In sechs Matches fallen neun Tore. In allen Spielen war Argentinien klar überlegen, Sieg gegen Nigeria, dann Niederlage gegen England, und gegen Schweden liegt die Albiceleste nach einer Stunde zurück. Der Titelfavorit erarbeitet sich locker dreißig Torchancen, aber die Pille will nicht rein. Zwei Minuten vor Schluss verschießen die Silberländer einen Strafstoß, Hernán Crespo staubt im Nachschuss zum Ausgleich ab. Doch der zweite Treffer fällt nicht mehr, Argentinien eliminiert vom großen Außenseiter. Die Urus machen es besser, es ist auch erst der erste Spieltag. Zehn Minuten vor Schluss kratzt al-Owais wagemutig einen Ball von Viñas von der Linie, doch der Nachschuss von Araújo sitzt. Das Feuerwerk der Urus geht immer weiter, Mohammed al-Owais erweist sich als unbezwingbar. Sensationelle Leistung Saudi-Arabiens. Kap Verde hatte bereits mit einem großartigen Spiel gegen Europameister Spanien (0:0) vorgelegt. In Atlanta war Tormann Vozinha der MVP gewesen. Der 40jährige spielt für den portugiesischen Zweitligisten GD Chaves (Grenze zu Galicien). Ebenfalls überragend: Mahmud Abunada im Kasten von Katar (1:1 gegen die Eidgenossen).
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
