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»Grund« für Kuba-Krieg

Foto: Evelyn Hockstein/Reuters

Gründe lassen sich für alles finden, besonders für imperialistischen Krieg. Ein wirklicher Grund – Gier nach Land, Rohstoffen und kolonialer Ausbeutung – findet sich in Medien selten. Das war schon Ende 1897 so, als der US-Zeitungsmogul Randolph Hearst einen Kriegszeichner nach Kuba schickte, weil es dort demnächst »Ärger« gebe. Der Zeichner fand alles ruhig und wollte zurück, worauf Hearst kabelte: »Sie liefern die Bilder, ich den Krieg.« Am 15. Februar 1898 explodierte der US-Kreuzer »Maine« im Hafen von Havanna, 260 Marines kamen ums Leben. Heute helfen Medien wieder gern beim Gründesuchen.

Das schönste Märchen dazu tischte am Dienstag Donald Trumps Lieblingssender Fox News auf: »Am 20. Mai 1902 wehte die kubanische Flagge zum ersten Mal über einem unabhängigen Land. Einhundertvierundzwanzig Jahre später ist das kubanische Volk noch immer nicht frei. Jeder Präsident vor Donald Trump hat in bezug auf Kuba entweder gar nichts unternommen, zuwenig getan oder zuviel für das Regime getan. Trump ist der erste, der erkennt, dass das Regime eine Bedrohung für Amerika selbst darstellt, und der entschlossen ist, ihm ein für alle Mal entgegenzutreten.« Anmerkung: Die in Washington geschriebene Verfassung Kubas von 1902 machte die Insel zu einem Protektorat der USA, die sich das heutige Folterquartier Guantanamo Bay sicherten, und schloss Frauen direkt, Schwarze indirekt von Wahlen aus. Selbstkritisch schiebt Fox News immerhin nach: »Wie konnte es geschehen, dass ein kleiner Inselstaat – 66 Jahre lang regiert von Kommunisten, die nicht einmal ihr eigenes Stromnetz am Laufen halten konnten – dem mächtigsten Land der Erde so viel Ärger bereiten durfte? Weil die Vereinigten Staaten es zuließen.« Alles ist immer eine Frage des Willens.

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Der deutsche Spiegel benötigt keine Philosophie. Er posaunt am Montagabend: »China und Russland betreiben offenbar Abhörstationen auf Kuba. Von Havanna bis zu den Keys ist es nicht weit – ideale Bedingungen für Spione und jede Militäraufklärung. Die Strategen in Beijing und Moskau haben aktuell wohl vor allem zwei Kommandozentralen der US-Armee im Visier.« Das ist doch »wohl« ein »Grund« zum Bombardieren. Gleichzeitig drücken die Hamburger auf die Tränendüsen: »Um zu essen, muss die Kubanerin Yordana Hernández jeden Tag improvisieren. Die Läden sind leer, Gas zum Kochen gibt es nicht, Verlass ist höchstens auf Stromausfälle. Nicht nur Trump und seine Ölblockade sind schuld an der Misere«. Dreimal raten, wer das ist. Frau Hernández bereitet übrigens »Moros y Cristianos« – Schweinefleisch mit Bohnen und Reis – zu. Der Spiegel liefert Reportagen für den Krieg. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 2, Ansichten

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