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Aus: Ausgabe vom 23.03.2026, Seite 6 / Ausland
Unblock Cuba!

Einige Dutzend für Millionen

Hilfsflottille »Nuestra América« erreicht Kuba – Aktivisten prangern US-Blockade an und bauen auf weltweite Solidarität mit Havanna
Von Volker Hermsdorf
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Konvoi für Kuba: Der Flotille wird am Sonnabend in Havanna ein herzlicher Empfang bereitet

Ein Lichtstrahl in der Dunkelheit: Während am Sonnabend vielerorts Straßen und Wohnungen auf Kuba ohne Strom blieben, erreichte die internationale Solidaritätsflottille »Nuestra América« den Hafen von Havanna. Ein erneuter landesweiter Stromausfall hatte die Insel abermals lahmgelegt. Am Nachmittag musste das nationale Elektrizitätssystem vollständig abgeschaltet werden – bereits das dritte Mal in diesem Monat. Es war die siebte Abschaltung seit der von den USA verhängten totalen Treibstoffblockade, deren verheerende Folgen vor allem Kinder, Ältere und Kranke belasten und ihr Leben unmittelbar gefährden.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel begrüßte die Teilnehmer der Flottille offiziell in der Hauptstadt und lobte ihren Einsatz als praktischen Ausdruck internationaler Solidarität. Die Konvois sind zum Symbol des Widerstands geworden: gegen Donald Trumps Ankündigung, das Land wirtschaftlich und energetisch strangulieren zu wollen. Mehr als 600 Aktivisten aus 38 Ländern brachten über 20 Tonnen Lebensmittel, Medikamente, medizinische Ausrüstung und Hygieneartikel ins Land – Güter, die helfen sollen, die anhaltende Versorgungskrise zu lindern. Zugleich bezeichneten die Organisatoren ihre Aktion als politisches Signal. Sie sei der Auftakt zu einer weltweiten Mobilisierung gegen die US-Blockadepolitik und für das Recht Kubas auf Entwicklung und Selbstbestimmung.

Auf einer Pressekonferenz in Havanna forderten Flottillenteilnehmer, darunter die irische Rapgruppe Kneecap, die sich schon aktiv in der Palästina-Solidarität eingebracht hat, und mehrere EU-Abgeordnete, zum verstärkten Widerstand gegen Washingtons mörderische Politik auf. Die italienische Abgeordnete Ilaria Salis berichtete von der Annullierung ihrer US-Visa und von Drohungen, um ihre Teilnahme am Konvoi zu verhindern. Ihr belgischer Kollege in Brüssel, Marc Botenga, warnte, die US-Blockade erschüttere die Grundfeste der Weltordnung: »Kuba hat uns gezeigt, dass durch politische Entscheidungen eine andere Gesellschaft geschaffen werden kann«, sagte er. Die Abgeordnete Emma Fourreau aus Frankreich erklärte: »Unsere Alternative zum Imperialismus lautet Freundschaft und Solidarität.«

Kritik an den Regierungen vieler EU-Länder äußerte der britische Abgeordnete Jeremy Corbyn. Deren Reaktion auf die ständige Verletzung des Völkerrechts durch die USA sei »ziemlich verstörend«. Dabei gebe es »keine rechtlichen Hürden«, die die EU daran hinderten, ein Schiff oder mehrere Tanker nach Kuba zu schicken, so der frühere Chef der Labour-Partei. Donald Trump wolle »den gesamten Planeten erneut kolonisieren und dabei einen jahrhundertelangen oder längeren antikolonialen Kampf für Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Autonomie auslöschen«, warnten die Aktivisten. »Kuba jetzt zu verteidigen bedeutet, die gesamte Menschheit zu verteidigen.« David Adler von der linken Organisation Progressive International fügte hinzu: »Wir sind einige Dutzend Delegierte, aber in diesem Konvoi vertreten wir Millionen von Menschen.«

Während die weltweite Solidarität an diesem Wochenende ein kleines Zeichen der Ermutigung setzte, sorgt ein anderer Vorgang für Empörung. Die US-Regierung wollte zwei Container Diesel für ihre Botschaft einführen – Treibstoff, der den Kubanern verweigert wird. Doch Havann a wies den Versuch als »schamlos« zurück und stoppte den Weitertransport im Hafen von Mariel.

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