Reumütige des Tages: Celeste Amarilla de Boccia
Was Fußballspieler und Fußballfan unterscheidet? Der eine zeigt im Spiel, was an ihm dran, der andere am Spiel, was in ihm drin ist. Und also nicht immer nur Gutes. Für den waschechten Fan sind grob geschätzte 15 von 10 Spielen zu Unrecht verlorengegangen, hat der Gegner stets schlechter gespielt, entweder dauernd gefoult oder ständig Schwalben produziert, und was als Handspiel gilt, hängt simpel davon ab, wer da gerade die Patschen am Ball hatte. In dieser Art Wallung kommt dann verlässlich auch außersportlicher Seelenunrat mit hoch.
Dem französischen Fußballverband ist jetzt der Kragen geplatzt. Er reichte am Mittwoch eine Anzeige gegen die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia ein, nachdem sie sich infolge der Niederlage ihrer Mannschaft gegen Frankreich rassistisch über Kylian Mbappé geäußert hatte. Einging die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Paris. Ein herber Schlag für die Senatorin vom fernen Kontinent, sie wird ihren Sommerurlaub in der Ardèche umbuchen und sich mit der Toskana begnügen müssen. Nach diesem Ballverlust ging Amarilla sofort ins Gegenpressing. Schon bald habe ihr leidgetan, Mbappé »mit denselben Beleidigungen beschimpft« zu haben, die auch sie immer zu hören bekomme, doch eine Entschuldigung schulde er ihr nicht weniger – wegen sexualisierter Gewalt in Verbalform. Mbappé hatte die Senatorin auf ihre Invektiven hin als »verachtenswerte Frau« bezeichnet, er hätte sie wohl einen verachtenswerten Mann nennen sollen.
Man darf also festhalten. Amarilla ist auch Opfer und außerdem nur von der Maus abgerutscht. Ihr bedauerlicher Fehler las sich konkret übrigens so: Mbappé sei ein »kolonisierter Kameruner«, mit »Minderwertigkeitskomplexen, neureich, arrogant und hässlich«, statt Muttermilch habe er »Kokosnüsse gesaugt«, und »das Klügste, was er je gehört« habe, seien »Schimpansen« gewesen.
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