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23.05.20261 Leserbrief
- → Kapital & Arbeit
Die Zinsen, sie steigen
Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind die Zinsen weltweit gestiegen – in Deutschland ähnlich wie in den anderen Ländern der Euro-Zone, in Großbritannien, Japan und den USA. Die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen erreichte Anfang der Woche 3,2 Prozent, die Rendite für ebenfalls zehnjährige Staatspapiere der USA stieg auf 4,6 Prozent. Beide haben seit Kriegsanfang einen Anstieg von einem halben Prozentpunkt hinter sich. Der Grund für diese nicht allzu spektakuläre parallele Entwicklung ist offensichtlich: Die kräftig anziehenden Öl- und allgemeinen Energiepreise üben überall eine ähnliche Wirkung aus. Die Inflation zieht an. Die Daten für März und April liegen vor: In den USA erreicht der jährliche Anstieg des allgemeinen Preisniveaus fast vier Prozent, in Euro-Europa etwa drei Prozent und damit etwa einen Prozentpunkt mehr als vor Kriegsbeginn.
Mit der Politik der Zentralbanken hat all dies nichts zu tun. Weder die US-Notenbank noch die Europäische Zentralbank haben ihre Leitzinsen in dieser Zeit verändert. In Euroland wird Tagesgeld unter Banken seit Monaten unverändert zu 1,97 bis 2,0 Prozent gehandelt. Wer einen länger laufenden Kredit vergibt – sei es eine Bank an die Kundschaft oder der Käufer einer mehrere Jahre laufenden Anleihe – kalkuliert aber die durch die Inflation geringere Kaufkraft des Geldes, das er am Ende zurückerhält, mit ein, was sich beim Kauf in der gebotenen Zinshöhe niederschlagen muss. Beides, die steigenden Güterpreise selbst, aber auch die in der Folge höheren Zinsen, bremsen den Absatz von Waren des täglichen Bedarfs und bremsen auch die realen Investitionen der Unternehmen: Die Konjunktur schwächt sich (weiter) ab. Normalerweise geht das mit sinkenden Gewinnen oder zumindest mäßigeren Gewinnerwartungen der börsennotierten Konzerne einher, und die Aktienkurse schwächeln.
Letzteres ist auch eingetreten. Die Aktienkurse gingen weltweit in der ersten Phase des Angriffskrieges gegen den Iran zurück. Die Verluste wurden stärker, als sich zeigte, dass Israel und die USA ihre Kriegsziele nicht schnell erreichen würden, dass die Straße von Hormus auf nicht absehbare Zeit weitgehend geschlossen, dass die Versorgung der Welt mit fossiler Energie auf nicht absehbare Zeit vermindert sein und dass steigende Güterpreise das Wachstum nicht nur dämpfen, sondern auch die nächste Krise der Weltwirtschaft verursachen würden.
Verblüffend war dann aber, dass die Aktienkurse in den USA sich wieder erholten und sogar (gemessen an den Indizes) neue Rekordhöhen erreichten. An den europäischen sowie auch den japanischen und chinesischen Börsen blieb die Erholung der Kurse allerdings verhalten. Das entsprach auch dem – bisher noch relativ mäßigen – Anstieg des Zinsniveaus.
Der unentwegte Aufschwung des Aktienmarktes in den USA angesichts der miserablen Lage der Weltwirtschaft ist das eigentlich Sonderbare. Er wird in den Vereinigten Staaten selbst mit dem irrationalen Überschwang des Booms um die künstliche Intelligenz erklärt. Das ist plausibel. Je länger der Krieg aber noch dauert, desto sicherer wird auch diesem Boom die Puste ausgehen und der Aktienmarkt bei noch weiter steigenden Zinsen einen kräftigen Rückschlag erleben.
Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen
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Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 23. Mai 2026 um 18:54 UhrDer Aktienmarkt, das zeigt auch diese Entwicklung in den USA, spiegelt längst nicht mehr vorwiegend wirtschaftliche Realitäten wider. Wie könnte sonst der Dax ständig steigen, obwohl die deutsche Wirtschaft faktisch seit 2019 nicht mehr wächst? Die Börse ist zum Casino geworden, in dem Hoffnungen und Spekulationen gehandelt werden, blödsinnigste Träume befeuert und Blasen produziert werden. Mit Verstand hat das meiste dort überhaupt nichts mehr zu tun, nur noch mit grenzenloser Gier. Und ja, der nächste Krach ist eingeplant. Das Traurige: Dort verlieren nicht die bisherigen Absahner. Die lassen nämlich die Allgemeinheit bluten, wenn sie Wirtschaft und Gesellschaft an den Rand des Abgrunds manövriert haben. In Zukunft werden sie dann auch mit den Geldern der Rentenversicherung gerettet. Sind das nicht prima Aussichten?
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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