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18.03.20262 Leserbriefe
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Wie beeinflusst der Iran-Krieg den Ölpreis?
Wenn der Konflikt andauert, ist ein Anstieg auf 150 US-Dollar pro Barrel zu erwarten, warnt Hassan Hafidh
In seiner ersten Erklärung kündigte der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Khamenei, an, dass die Straße von Hormus geschlossen bleiben werde. Welche Bedeutung hat das für den internationalen Ölmarkt?
Diese Ankündigung hat großen Einfluss auf die Erdölpreise und den globalen Ölmarkt. Die Straße von Hormus ist eine zentrale Passage für Öltanker, die Erdöl in die ganze Welt bringen, insbesondere in asiatische Länder. Rund 20 Millionen Barrel pro Tag werden normalerweise durch diese Meerenge geschippert. Das sind ziemlich genau 20 Prozent der 103 Millionen Barrel Öl, die weltweit täglich verbraucht werden.
Es gibt teilweise widersprüchliche Informationen darüber, ob die Straße von Hormus tatsächlich vollständig geschlossen ist. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Derzeit ist es nicht sicher, durch die Meerenge zu fahren. Das ist für die Versicherungsunternehmen, die die Öltanker, die die Meerenge passieren, versichern, von großer Bedeutung. Die Kampfhandlungen in der Straße von Hormus sind ausreichende Gründe, weshalb die Unternehmen ihren Tankern das Passieren der Meerenge nicht erlauben. Das bedeutet also, dass die Meerenge wirklich komplett geschlossen ist.
Wie hat der Krieg bisher die Ölpreise beeinflusst?
Sobald die Straße von Hormus geschlossen war, stiegen die Preise für ein Barrel Öl auf 120 US-Dollar – ein enormer Anstieg in kurzer Zeit. Wenn der Konflikt sich noch länger zieht, erwarten wir einen weiteren Preisanstieg auf 150 US-Dollar für ein Barrel Öl. Der Krieg hat auch die Ölförderung stark beeinträchtigt – nicht nur den Export über das Meer.
Nehmen wir das Beispiel Irak: Vor dem Krieg hat das Land 4,4 Millionen Barrel Öl pro Tag produziert. Derzeit kann es nur noch 1,4 Millionen pro Tag produzieren. Dieser Beitrag wird für den lokalen Markt benötigt. Es hat kaum noch Reserven, um Öl zu exportieren und am Weltmarkt zu verkaufen. Ähnliche Entwicklungen sehen wir in Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
US-Präsident Donald Trump hat Reserven freigegeben. Hat das konkrete Auswirkungen?
Der Markt hat darauf bereits reagiert, und diese Freigabe schlägt sich im aktuellen Ölpreis nieder. Auch die mit der OECD verbundene Internationale Energieagentur hat rund 400 Millionen Barrel aus ihrer strategischen Ölreserve freigegeben. Als die Ankündigung kam, ging der Ölpreis geringfügig zurück. Aber er blieb deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel.
Der Preis richtet sich nach dem Angebot am Markt, und wenn sich der Konflikt in die Länge zieht, wird auch das Angebot stetig zurückgehen. Kurzfristige Freigaben von Reserven haben daher kaum Auswirkungen auf den Ölpreis.
Wie hat die OPEC auf den Preisanstieg reagiert?
Anfang des Monats haben sich acht OPEC-Länder in Wien getroffen und beschlossen, die Rohölproduktion um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Anfang April findet das nächste Treffen statt, aber bis dahin müssen wir abwarten, wie sich der Krieg entwickelt. Die OPEC beobachtet den Markt sehr genau, und ich glaube, dass eine deutliche Produktionssteigerung der OPEC-Länder beschlossen wird, falls sich der Krieg bis dahin hinzieht.
Die Financial Times berichtete, dass der Iran seine Exporte durch die Straße von Hormus sogar steigern konnte.
Das ist richtig, denn iranische Tanker sind derzeit die einzigen, die die Meerenge durchfahren können. In den zwei Wochen des Kriegs hat der Iran laut Schiffahrtsdaten zwölf Millionen Barrel durch die Straße von Hormus exportiert. Das ist mehr als im ganzen Februar. Die Käufer dieses Öls sind China und Indien. Nahezu alles iranische Öl geht seit Kriegsbeginn dorthin, da beide Länder nicht mehr von den arabischen Ländern einkaufen können.
Wie werden sich die Preise entwickeln?
Es gibt derzeit noch ausreichend Ölreserven. China hat in den vergangenen Jahren große Reserven angelegt. Viele Reserven liegen auch auf der sogenannten russischen Schattenflotte und können jederzeit verkauft werden. Wenn jedoch der Krieg noch länger andauert, werden diese Reserven irgendwann knapp, und dann kommt es zu einem noch höheren Preisanstieg, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt haben.
Hassan Hafidh ist ein ehemaliger Pressesprecher der OPEC und lebt in Wien
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Istvan Hidy aus Stuttgart 18. März 2026 um 09:32 UhrGrundsätzlich profitieren OPEC-Staaten kurzfristig von steigenden Ölpreisen, auch wenn geopolitische Konflikte wie ein möglicher Iran-Krieg die Förderung und Logistik erschweren. Allerdings sind dauerhaft sehr hohe Preise nicht ausschließlich vorteilhaft, da sie die Nachfrage dämpfen und den Umstieg auf alternative Energien beschleunigen können. Innerhalb der Golfregion bestehen zudem erhebliche Unterschiede: Saudi-Arabien verfügt über Pipeline-Infrastruktur zum Roten Meer und kann einen Teil seiner Exporte unabhängig von der Straße von Hormus abwickeln. Andere Staaten wie Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate sind deutlich stärker auf diese Meerenge angewiesen. Die Straße von Hormus ist vermutlich weniger vollständig »geschlossen« als vielmehr militärisch kontrolliert und hochriskant. In der Praxis führt dies jedoch zu einer faktischen Blockade, da Versicherungen und Reedereien die Passage meiden. Gleichzeitig könnten einzelne Länder wie China und Indien weiterhin Öltransporte durchführen, sofern sie bereit sind, höhere Risiken einzugehen. Besonders stark betroffen von einer Eskalation wäre Japan, da es einen Großteil seines Ölbedarfs aus der Golfregion deckt und kaum kurzfristige Alternativen hat. Die gute Nachricht für die EU: Die USA die Nord-Stream-1-Pipeline übernehmen und russische Energie für Europa vermarkten wird, natürlich auf Dollarbasis!
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Lippmann 18. März 2026 um 06:19 UhrEs sind nicht nur die Ölpreise, sondern auch die Preise für den Stickstoffdünger gestiegen. In der Aktuellen Stunde des WDR, kommen Bauern zu Wort, die auf Grund der Preissteigerungen zum Schluss kommen, den Hof aufgeben zu müssen. Es könnte bald die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln gefährdet sein. Man müsste andere Düngerproduzenten finden. Russland?
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