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Marktmanipulationen

Foto: jW

Es würde niemanden wundern, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten oder seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen einige Male auf steigende oder fallende Ölpreise gesetzt und nach entsprechenden Aussagen auf »Truth Social« kurz danach die entsprechenden Insidergewinne eingestrichen hätten. Der weltweite Markt für Rohöl findet reguliert und ziemlich transparent hauptsächlich an den zwei Terminbörsen Nymex in New York und ICE in London statt. Donald Trumps Aussagen bewegten diese Märkte. Wenn er behauptete, sein netter Ausflug gegen den Iran sei schon so gut wie gewonnen, fiel der Preis, wenn er wüste Drohungen aussprach, stieg er.

Der komische Effekt entstand, weil den Spekulanten und seriösen Händlern der Ölkontrakte nichts übrig blieb, als dem (größen-)wahnsinnigen, mächtigen Mann im Weißen Haus zu glauben. Auch der inzwischen ikonische Leitspruch »TACO« (Trump always chickens out, Donald kneift immer) half nicht weiter. Denn Donald fand keinen Ausweg aus seinem Katastrophenkurs. Erst am Mittwoch, um zwei Uhr nachts, schien es endlich so weit: Rückzug auf ganzer Linie, keine Angriffe mehr, zudem Verhandlungen mit dem Iran auf Basis von dessen zehn Punkten. Sofort sackte der Ölpreis ab, stiegen die Aktien, sanken die Bondrenditen.

Aber die Straße von Hormus öffnet sich nicht von selbst. Und Israels Premier Benjamin Netanjahu setzt den Eroberungskrieg im Libanon unbeeindruckt fort. Trump macht mittlerweile eine Kommunikationspause. Vielleicht ein seltener Moment der Besinnung, bei dem sogar ihm dämmert, dass ihm die größte Niederlage der USA seit Vietnam gelungen ist. Auch der Ölmarkt legt eine Besinnungspause ein. Dass ein Deal tatsächlich in 14 Tagen beschlossen sein könnte (Futur 2 und Potentialis), ist unwahrscheinlich. Wenn aber doch plötzlich die Öltanker der Welt wieder durch die Wasserstraße von Hormus fahren dürfen und wenn der Iran plötzlich Öl und Gas ohne Sanktionen verkaufen darf, könnte der Erdölpreis – wie einst während der Coronaepidemie – sogar auf null US-Dollar je Fass sinken.

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Am Ende der Öllieferkette moderiert Kanzler Friedrich Merz eindrucksvoll eine Kakophonie von Vorschlägen, wie die satt gestiegenen Spritpreise etwas gesenkt oder wenigstens besser erträglich gemacht werden könnten. Nach der albernen, vom Bundestag eigens beschlossenen Regel, nur einmal am Tag um zwölf Uhr mittags den Preis anheben zu dürfen, werden in Berlin eine Geschwindigkeitsbegrenzung, eine Erhöhung der Pendlerpauschale, die Streichung der Stromsteuer auch für einfache Bürger und die Befreiung der Lebensmittel von der Mehrwertsteuer diskutiert sowie ein verordneter Preisdeckel, kombiniert mit einer Übergewinnsteuer für die Tankstellenbetreiber. Es bedürfe »kluger Strategien«, findet der Kanzler, warnt schon mal vor »Eingriffen in den Markt« und schließt eine Pressekonferenz zum Thema mit der Bemerkung: »Rechnen Sie nicht mit kurzfristigen Entscheidungen.«

Zwei Fußnoten dazu: Erstens sind all diese Maßnahmen Eingriffe in den Markt. Ob sie albern oder strategisch klug wären, ist eine andere Frage. Zweitens hat Merz am Freitag angekündigt, direkte Gespräche mit Teheran wieder aufzunehmen. Vielleicht ein erster Ansatz für klügere Politik.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.04.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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