Gleichstellung nicht mit Südkoreas Männern
Von Martin Weiser, Soeul
Diese Woche machte die Meldung Schlagzeilen, ein Teil von Südkoreas Frauenfußballnationalmannschaft habe vor vier Monaten mit Boykott gedroht, sollten die Nationalspielerinnen keine Businessflüge wie ihre männlichen Kollegen bekommen. Dabei ist das eigentlich eine Falschmeldung vom Herbst, die der rechte Medienkonzern Chosun Media lanciert hatte, und die offenbar dazu gedacht war, Kritik an der Behandlung der Frauenmannschaft vom Tisch zu fegen. Als Quellen dienten anscheinend ausschließlich Funktionäre aus dem Fußballverband. Die Sportlerinnen selbst wurden nicht befragt. Ihre Forderungen, die sie im September in einem Brief an den Verband stellten, waren nämlich äußerst bescheiden. Die Sportlerinnen sahen sich genötigt, sie jetzt öffentlich zu machen. Denn wie sie betonten, ist es nie zu der geforderten Zusammenarbeit mit dem Fußballverband gekommen, um die Probleme anzugehen. Schon im März sollen sie an der Asienmeisterschaft in Australien teilnehmen, und die Hoffnung ist klar erkennbar, damit noch einmal Druck auf den Verband aufzubauen.
Im Kern geht es ihnen um mehr finanzielle Unterstützung. Das fängt für Südkoreas Nationalelf schon damit an, dass sie für grundlegende Sportausrüstung nicht mehr selbst zur Kasse gebeten werden wollen. Die Spielerinnen hätten am liebsten auch einen eigenen festen Trainingsplatz, doch bisher haben sie nur allgemein Verbesserungen in diesem Bereich gefordert. Bei Auslandsspielen möchten sie die Dinge lediglich etwas »rationaler« organisieren und etwa nicht mehr weitab von den Spielstätten untergebracht werden. Auch gebe es schwere Kommunikationsprobleme, wenn es um die Flugtickets geht. Einer Sportlerin, die ihre Knie schonen wollte, wurde sogar verweigert, selbst für das Upgrade in die Business-Class zu zahlen. Wie der Chosun-Ilbo-Medienkonzern im vergangenen Jahr eingestehen musste, geht es darum, die Verbandsrichtlinien zu ändern. Darin wird explizit festgelegt, dass die Männer die teureren Tickets bekommen und die Frauen nicht. Kurz gesagt, möchten die Sportlerinnen lediglich gleichbehandelt werden.
Eine offensichtliche Möglichkeit zur Lösung des Problems wäre die faire Umverteilung der vergleichsweise riesigen Einnahmen des Männerfußballs. Aber angesichts des geringen Interesses an diesem Teil des Frauensports scheint das unwahrscheinlich. Das zeigte sich schon an dem Medienecho. Während die Falschmeldung im vergangenen Jahr nur von kleinen rechten Medien zitiert wurde, berichteten auch diese Woche nur ein paar kleine Medien – spezialisiert auf Sport und Frauen – über die Richtigstellung der Nationalmannschaft. Da bleibt eigentlich nur die Flucht nach von: In Australien den Titel holen und zurück zu Hause alles neu verhandeln.
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