Zum Inhalt der Seite
Doping

Alles ausprobieren

Am Sonntag werden in Las Vegas die Enhanced Games ausgetragen

Foto: Eibner/IMAGO
Will in Las Vegas an den Start gehen: Schwimmer Marius Kusch

Ohne Hilfsmittel ist lange niemand so schnell gelaufen wie Ben Johnson am 24. September 1988, einschließlich ihm selbst, denn er war ja bekanntlich gedopt. Das Testosteron bescherte ihm nicht nur Muskeln und für drei Tage den Titel »schnellster Mensch der Welt«, sondern in der unzuverlässigen Erinnerung auch die picklige Haut eines typischen Heranwachsenden.

Jetzt finden am 24. Mai in Las Vegas die sogenannten Enhanced Games statt (»enhanced« bedeutet in etwa »verbessert«, »gesteigert«, »verstärkt«), ein von Sympathen wie Peter Thiel und Donald Trump Jr. unterstützter internationaler Wettkampf, in dem Doping ausdrücklich erlaubt ist. Für einen Weltrekord gibt es eine Million US-Dollar. Das Argument, sauberen Spitzensport gebe es sowieso nicht, als könne man auch offen dopen, ist so lange einleuchtend, bis man es zu Ende denkt: Man kann nicht jeden Autofahrer immer ins Röhrchen blasen lassen, also erlauben wir das Fahren im Vollrausch.

Anzeige

Die Frage ist doch viel eher, warum man überhaupt noch so schnell laufen, so weit werfen, so hoch springen muss, wo der Erfolg im Krieg, um den es früher ging, seit Jahrhunderten nicht mehr von körperlicher Fitness, sondern von den eingesetzten Hilfsmitteln abhängt. Militärisch sinnvoll ist allein noch Motor- und Ballersport, gut für Seelenheil und körperliches Wohl ist jede nichtextreme Bewegung ohne Prothesen und Substanzen. Damit ist das Doping aber noch nicht vom Tisch, dopen wir uns doch täglich ohne Aussicht auf Medaillen mit Koffein, Nikotin, Alkohol, Zucker und manch Halb- und Illegalem, und wenn wir uns gerade nichts einfahren, bringen wir unser Hirn mit dem Handy zum Ausschütten von Serotonin und, genau, Dopamin. Wäre es nicht möglich, sich mit Hormonen für einen begrenzten Zeitraum wieder zurück in ein »Pubertier« zu verwandeln? Tiefe Gespräche führen, alles in Frage stellen, sich bis über die Ohren verknallen statt nur zwischen den Ohren oder bis zur Gürtellinie, impulsiv sein, voll drin, voll drauf, sich ausprobieren … Und so lange »enhanced« Partys feiern, bis sie auch das verbieten oder kommerzialisieren.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2026, Seite 16, Sport

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!