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Comic

Halbgott ohne Arbeit

Beatles kaputt: Hervé Bourhis’ Comic über Paul McCartneys Krise und Auferstehung

Foto: bahoe books
Es geht ihm nicht gut, der Paul hat den Blues

Als Hervé Bourhis seinem Verleger vorschlug, nach der in seinen Augen ärgerlichen »Get Back«-Doku von Peter Jackson (2021), seinem eigenen Werk »Retour à Liverpool« aus demselben Jahr und der Veröffentlichung zahlreicher neuer Quellen ein Buch über Paul McCartneys Krise und Auferstehung zwischen 1969 und 1973 zu machen, sagte der, »Okay, wir können es veröffentlichen, aber wir werden es folgendermaßen ankündigen: Bourhis schreibt sein ultimatives Buch über die Beatles und revolutioniert seinen Zeichenstil.« Von da an, sagt Bourhis im Interview, habe er keine Wahl mehr gehabt: »Ich musste alles geben. Das ist der Vorteil von Ultimaten. Letztendlich habe ich anderthalb Jahre gebraucht, um es zu verwirklichen.«

Das war keine vertane Zeit. Das Buch ist in Bourhis’ Worten »semirealistisch«, also in wandelnden, aber immer niedrigen Graden karikatural verfremdend, ohne festen Seitenaufbau zwischen monochromen und farbig getuschten Nach- und Eigenzeichnungen wechselnd, herrlich, fast überwältigend poppig bunt, dabei durchweg spannend und empathisch.

»Paul« erzählt in der ersten Person, und doch kommen die bekannten Anklagen gegen ihn – Kontrollfreak, Raffke, Egomane, Zerstörer der Beatles – alle auf den Tisch und werden kaum durch Verteidigungen aufgewogen, wie zum Beispiel die doch naheliegende, dass Bandgründer und Langzeitchef John Lennon Ende der 60er auf LSD, Heroin und Yoko war und einer den Laden zusammenhalten musste, der bekanntlich kein kleiner war: »Wir waren die Avantgarde und der Mainstream, aber unser Erfolg verpflichtete uns. Indem man uns zu Gottheiten machte, hatte man den Beatles eine Mission auf Erden zugewiesen: alle Menschen zu vereinen. Und ich habe meine ganze Seele in diese Aufgabe gesteckt. Wir sollten nicht nur mit Leuten wie uns, den hippen Jugendlichen, sprechen, sondern auch mit alten Damen, Reaktionären, Kindern, Reichen und Armen. Die Botschaft des Friedens und der universellen Liebe verkörpern, verwirklichen.«

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Nach dem letzten gemeinsamen Fototermin in Tittenhurst Park trafen sich die Fab Four – bzw. Three, Ringo war krank – zur Planung ihrer Zukunft. Paul war gerade Vater geworden und euphorisch und bekifft, George beleidigt, weil Paul seine Songs sabotierte, John wollte nicht mehr mit Liedern wie »Ob-la-di Ob-la-da« in Verbindung gebracht werden. Eine Woche später, kurz vor der Veröffentlichung von Abbey Road, sagt Lennon, dass er die Band verlässt. Paul erwischt es eiskalt, er säuft, zerfällt vor den Augen seiner Frau Linda. »Ich war ein Halbgott, und auf einmal war ich arbeitslos.«

Sie fahren mit den Kindern auf ihren Hof in Schottland. So erreicht ihn erst Jahre später ein Telegramm aus New York: Jimi Hendrix, Miles Davis und Tony Williams wollten ihn für ein gemeinsames Projekt als Bassisten. Der Wisch wurde nicht weitergeleitet, weil just zu dieser Zeit bei Apple die Hölle los war: Die halbe Welt wollte wissen, was an den Gerüchten dran ist, dass Paul schon 1966 gestorben und seither durch einen Doppelgänger ersetzt worden sei. Die waren natürlich stark übertrieben, aber er fühlte sich wie tot, schob heftige Depressionen. Zwar begann er bald wieder mit Aufnahmen, aber die wurden von der Presse (und von John) verrissen, und über die Kollision des Veröffentlichungstermins mit dem des nachgereichten »Let It Be«-Albums wurde das Zerwürfnis der Band aus Liverpool nur noch größer.

In New York rekrutieren Linda und Paul Musiker für eine neue Gruppe und fangen als die Wings noch einmal ganz von vorne an, aber bald grummelt es auch hier: Paul will alles kontrollieren, setzt den Musikern seine unerfahrene Frau als Sängerin vor die Nase und verbietet ihnen, den Namen seiner vormaligen Band auszusprechen … Nach ein paar Jahren wird aber doch alles Mögliche gut. In Lagos nehmen sie ein Album auf, das besser angenommen wird, und lernen nebenher Fela Kuti kennen, später versöhnen Paul und John sich wieder und machen sogar noch einmal ziemlich zugedröhnt gemeinsam Musik. Am Ende spielen die Wings weltweit in ausverkauften Häusern viele eigene und manche Songs der Beatles.

→Hervé Bourhis: Paul. Aus dem Französischen von Katharina Kral. Bahoe Books, Wien 2026, 96 Seiten, 26 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.06.2026, Seite 11, Feuilleton

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