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20.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Kopfzerbrechen über Dünger
EU stellt »Fertiliser Action Plan« vor. Vage Ankündigungen. Subventionen und Klimaschutzlockerungen möglich. Agrarlobby unzufrieden
Düngemittel braucht der Bauer, soll sein Feld so viel Ertrag bringen, dass da am Ende auch der entsprechende Gewinn bei herumkommt. Jedoch werden diese in Folge des Iran-Krieges knapp, ergo teuer, weswegen die EU-Kommission am Dienstag den »Fertiliser Action Plan« (Düngemittelaktionsplan) vorgestellt hat. Der sieht unter anderem vor, den Landwirten mittels des EU-Emissionszertifikatehandels (Emission Trading System, ETS) finanzielle Entlastungen zuzuspielen.
Zur Erinnerung: Die Bauern weltweit stehen vor einem Versorgungs- und damit Kostenproblem bei den für die moderne Landwirtschaft so unabdingbaren Stickstoffdüngern. Grund ist zum einen, dass im Zuge des Iran-Krieges die Straße von Hormus, durch die zuvor etwa ein Drittel des Welthandels mit Düngemitteln verschifft wurde, für die Handelsflottillen nicht mehr befahrbar wurde. Zum anderen wurde aber auch die Produktion selbst durch die weitläufigen Zerstörungen an den Erdgasförder- und Verarbeitungsanlagen rund um den Persischen Golf empfindlich gestört. Für die Herstellung der wichtigen Grundstoffe Harnstoff und Ammoniak ist man auf Erdgas essentiell angewiesen – die Bombardierung der katarischen Flüssigerdgasproduktionsstätte Ras Laffan beispielsweise traf die Lieferketten somit besonders hart.
Die EU selbst ist ebenso größtenteils von Düngemitteleinfuhren abhängig. »30 Prozent der Stickstoff- und 70 Prozent der Phosphatdünger, die in der EU verwendet werden, werden importiert«, schätzte das Europäische Parlament vergangene Woche die Lage ein. Innerhalb der EU sei man für die Düngerproduktion auf Erdgas angewiesen. Hier werden nach Angaben von Eurostat mit Stand 2024 mehr als 85 Prozent des Gesamtbedarfs aus Einfuhren gedeckt.
Kurzfristig sind im am Dienstag vorgestellten Aktionsplan zum einen »außerordentliche Unterstützungen« seitens der Kommission vorgesehen. Ein entsprechendes Finanzpaket soll noch vor dem Sommer vorgestellt werden. Zum anderen soll ein Gesetzespaket auf den Weg gebracht werden, das den Mitgliedstaaten erlaubt, weitere Möglichkeiten der CAP (Common Agricultural Policy) auszuschöpfen. Dies werde ein »Liquiditätsprogramm« umfassen, um beispielsweise Vorauszahlungen flexibler zu gestalten, aber auch die Schaffung von Anreizen zur Verwendung von innerhalb der EU hergestellten Düngemitteln sowie Effizienzsteigerungen sind vorgesehen. Ferner sollen innerhalb der CAP staatliche Beratungs- und Informationsdienstleistungen bezüglich des Umgangs mit Dünger ausgebaut werden.
Im Vorfeld war von verschiedenen Medien in den Raum gestellt worden, für Düngemittelhersteller könnten gratis ETS-Zertifikate erteilt werden, wenn diese sich im Gegenzug verpflichteten, künftig vermehrt auf nachhaltige Düngemittelproduktion zu setzen. Davon war bei der Vorstellung am Dienstag keine Rede. Im Rahmen der im Sommer turnusmäßig anstehenden ETS-Revision sollten jedoch Maßnahmen für »zusätzliche Flexibilität« geprüft werden. Diese sollten »mit der Verantwortung zur Sicherstellung der vermehrten Produktion organischer Dünger« und innerhalb des Staatenbundes hergestellten Düngemittel einhergehen.
»Europa muss bei den Nährstoffen, die unsere Landwirtschaft erhalten, mehr produzieren und weniger von anderen abhängig sein«, sagte EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen bei der Vorstellung der Pläne am Dienstag. »Dieser Aktionsplan liefert eine europäische Düngemittelpartnerschaft mit Investitionen und Maßnahmen auf allen Ebenen: europäisch, national und privat.«
Weniger positiv waren die Landwirte gestimmt. Die Lobbyorganisation Copa Cogeca hatte am Dienstag Mittag zum Protest vor dem Europäischen Parlament aufgerufen. Schon im Vorfeld hatte die Organisation geurteilt, der Plan würde »wahrscheinlich nicht die Erwartungen der europäischen Bauern« erfüllen. Insbesondere forderte die Branchenlobby die Aufhebung des »Carbon Border Adjustment Mechanism« (CBAM). Unter diesem werden auf Produkte, deren Herstellung als besonders CO2-intensiv gilt, gesonderte Einfuhrgebühren fällig – so auch auf Düngemittel.
Diesem Wunsch kam die Kommission nicht nach. In einem späteren Bericht solle lediglich geprüft werden, »wie sich die mit CBAM und ETS verbundenen Kosten auf die Düngemittelpreise bei den Bauern und schließlich auf die Lebensmittelpreise« auswirkten. Auch die mögliche Schaffung von strategischen Düngemittelreserven steht im Raum.
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