Zum Inhalt der Seite
Bolivien

Marsch auf La Paz

Bolivien: Zehntausende fordern Paz’ Rücktritt

Foto: Claudia Morales/Reuters
Die Proteste weiten sich zu einem Volksaufstand aus (La Paz, 18.5.2026)

Die Straßen in Bolivien erinnern an ein Schlachtfeld, und die Regierung des rechten Präsidenten Rodrigo Paz gießt Öl ins Feuer. Mit einem Haftbefehl gegen Mario Argollo, den Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes COB, machte Paz am Montag deutlich, dass er in der tiefen Wirtschaftskrise auf Repression statt Dialog setzt. Während die Staatsanwaltschaft dem Arbeiterführer Terrorismus und Anstiftung zu Straftaten vorwirft, sehen Gewerkschafter darin den Versuch, die Demonstranten einzuschüchtern.

Besonders brisant sind Vorwürfe, wonach aus Argentinien Material zur Aufstandsbekämpfung geliefert worden sein soll. Oppositionelle Abgeordnete in Buenos Aires verlangen von der Regierung des rechten Staatschefs Javier Milei Aufklärung über »Hercules«-Militärflüge nach Bolivien. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro warnte vor einem »Massaker«, sollte die Repression weiter zunehmen, und erklärte öffentlich seine Solidarität mit den Demonstranten in Bolivien.

Seit Wochen erlebt das Andenland heftige Proteste. Lehrer, Bergarbeiter, Bauern, Kleinhändler und Transportarbeiter blockieren Straßen und marschieren in Richtung Regierungssitz in La Paz. Laut örtlichen Medien beteiligten sich allein am Montag Zehntausende aus El Alto und anderen Regionen an Kundgebungen mit der zentralen Forderung: Paz soll zurücktreten. Mehr als 70 Straßenblockaden legen inzwischen große Teile des Landes lahm.

Anzeige

Die Regierung reagiert mit Härte. Einsatzkräfte gingen unterstützt durch das Militär mit Tränengas und Massenfestnahmen gegen Demonstrierende vor. Bilder aus der Hauptstadt zeigen Straßenschlachten, brennende Fahrzeuge und schwer bewaffnete Polizeieinheiten. Gleichzeitig wurden auch Angriffe auf öffentliche Gebäude, Geschäfte und Verkehrseinrichtungen registriert. Die Eskalation auf beiden Seiten verdeutlicht, wie tief die gesellschaftliche Spaltung inzwischen reicht.

Zugleich wächst die Sorge um Grundrechte. Die Ombudsstelle für Menschenrechte registrierte zahlreiche Angriffe auf Journalisten und Medien. Die Kirche, Menschenrechtsorganisationen und Universitäten fordern die Regierung auf, mit der Opposition zu verhandeln. Der erst seit sechs Monaten amtierende Paz lehnt bislang jedoch sozialpolitische Zugeständnisse ab und setzt statt dessen auf staatliche Gewalt.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 20.05.2026, Seite 6, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!