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20.05.2026
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Man sieht den Wald ohne Bäume nicht
BMLEH beschönigt neue Waldzustandserhebung; Die Linke und Umweltverbände kritisieren
Da noch nicht alles in Flammen steht, ist man im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) vorsichtig optimistisch: »Weiterhin ist jeder fünfte Baum gesund«, leitete es am Dienstag seine Pressemitteilung zur Veröffentlichung der »Waldzustandserhebung 2025« ein. »Ungünstiger« als im Vorjahr seien die Wetterbedingungen gewesen und trotzdem seien weniger Bäume gestorben. Nur habe sich der deutsche Wald »bis heute nicht von den Dürrejahren 2018 bis 2020 erholt«. Ein Blick in den Bericht indes entlarvt die Kernbotschaft »Waldzustand hat sich stabilisiert«, so der Titel der Mitteilung, als Schönfärberei.
Letzterer machte sich auch BMLEH-Chef Alois Rainer (CSU) schuldig. Der gab zu bedenken: »Unser Wald ist ein Stück Heimat« und stehe für »Wertschöpfung im ländlichen Raum«. Das lässt seiner Ansicht nach nur folgenden zweckrationalen Schluss zu: »Wald schützen heißt Wald nutzen.« Geboten sei ein »Umbau hin zu produktiven und artenreichen Mischwäldern«, in Kooperation mit »der gesamten Forst- und Holzwirtschaft« natürlich. Diese »Mammutaufgabe« erfordere Bürokratieabbau sowie Investitionen und sei, resümierte Rainer, ein »Generationenprojekt«, weshalb man »gerade junge Menschen wieder stärker für den Wald begeistern« müsse.
Der Bericht selbst ist gespickt mit fantastischen Naturaufnahmen. In eklatantem Kontrast stehen dazu die Befunde. »Auf einem sehr hohen Niveau« stagnierten »die sichtbaren Nadel- und Blattverluste der Baumkronen« vergangenes Jahr. Im Querschnitt aller Baumarten ist der Anteil der Bäume »ohne Verlichtung« seit Beginn der Erhebung Ende der 1980ern von rund 40 auf nunmehr 21 Prozent geschrumpft. Im Klartext: In weniger als einem halben Jahrhundert hat sich die Anzahl rundum gesunder Bäume halbiert. Seit 2019 attestiert die Waldzustandserhebung mehr als einem Drittel aller Bäume eine »deutliche Kronenverlichtung«.
»Dem Wald geht es so schlecht wie nie zuvor«, wertete Fabian Fahl, Sprecher für Klimapolitik der Bundestagsfraktion Die Linke, die Stellungnahme des BMLEH auf Anfrage als »besondere Form der Klimawandelleugnung«. Demnach zweifelten viele Forstwirte hierzulande am Fortbestand der natürlichen Grundlagen ihrer Branche. Während der Expertenrat für Klimafragen die Maßnahmen der Bundesregierung als »unzureichend« einordne, deute sich bereits an, dass das zugehörige Klimaschutzprogramm »erneut verfassungswidrig« ist. Zwar habe Rainer mit artenreichen Mischwäldern die richtige Lösung vor Augen, stelle dafür aber bei weitem nicht genug Mittel zur Verfügung. »Der Dringlichkeit der Probleme der Forstwirtschaft, die in Jahrzehnten denkt, wird der Minister nicht gerecht«, urteilte Fahl.
»Es braucht ökologische Leitplanken für Wirtschaftswälder«, widersprach der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt gleichentags dem Narrativ, Wälder schützen hieße sie nutzen. »15 Prozent Naturwälder ohne forstliche Nutzung« brauche es und bei alten Eichenwäldern einen »bundesweiten Einschlagstopp«. »Wer den Wald vor allem als Holzacker betrachtet, verkennt seine universelle Bedeutung«, kritisierte auch Peer Cyriacks vom WWF die Schwerpunktsetzung des BMLEH. Gerade die Bewirtschaftung habe die Wälder anfällig für die Klimakrise gemacht. Mit ihrer Blockade der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur betreibe die Union zudem »klare Klientelpolitik« zugunsten der Forstwirtschaft.
Bürokratieabbau werde das Klima jedenfalls nicht retten, kommentierte Michael Müller, Bundesvorsitzender der Naturfreunde, gegenüber jW. Eher müsse dieser als »Zerstörung der sozialen Aushandlungsprozesse, die jede Demokratie braucht«, begriffen werden. Das leiste Politiken wie jener der Bundesregierung Vorschub, die »Klimaschutz nur als Anhängsel« betreibe. Müller fasste zusammen: »Ohne einen industriepolitischen Klimaschutz wird der biologische Klimaschutz nicht funktionieren – und umgekehrt.«
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