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Dort sterben, hier kassieren
Geschäft mit dem Tod. Diehl feiert vor allem dank Rüstungsboom Jahresergebnis 2025; Heckler & Koch zahlt Strafe für Verbrechen und macht weiter wie vorher
Nie herrschte seit 1945 so viel Krieg wie heute. Die Wirkung ist dieselbe wie ehedem. Mit Luxemburg: »Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen.« Noch fallen sie in weiter Entfernung, so dass das Geschäft brummt und allenfalls mal eine Strafzahlung für die eingepreisten Verbrechen fällig wird.
Bilanz zog am Dienstag das Unternehmen Diehl. Dessen Rüstungstochter Diehl Defence bezeichnet sich als »führendes Systemhaus für Lenkflugkörper und Luftverteidigungssysteme«. Unter anderem lässt es das Waffensystem »IRIS-T SLM« fertigen, dessen vermehrter Einsatz in Brasilien während der »Delegationsreise von Wirtschaftsvertretern unter der Führung von Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul durch Südamerika« vereinbart worden sei, teilte der Mutterkonzern am Montag mit. »Die Diehl-Gruppe konnte sich trotz der gesamtwirtschaftlich herausfordernden Situation in 2025 erneut gut behaupten und das Wachstum fortsetzen«, wurde am Dienstag der Anstieg des Jahresumsatzes 2025 um satte 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,4 Milliarden Euro gefeiert. Im laufenden Jahr peilt der Konzern sechs Milliarden Euro an.
Der operative Gewinn sei von 460 auf 703 Millionen Euro gestiegen, womit »die Prognosen für 2025 vollständig erfüllt werden« konnten, ist dem Geschäftsbericht 2025 zu entnehmen. Dort werden die Konzernsparten gesondert gewürdigt: bei Diehl Metall gab es aufgrund von »Marktvolatilitäten und anspruchsvollen Rahmenbedingungen« nur ein »leichtes Wachstumsplus«; bei Diehl Controls wegen »anhaltender Schwäche in den Hauptmärkten der Weißen Ware« Stagnation; bei Diehl Metering wurden »neue Rekordmarken« erreicht, weil »Wasserversorgung immer mehr als essentieller Teil der kritischen Infrastruktur verstanden« werde; bei Diehl Aviation sah man trotz »politischer Unsicherheiten« eine »erneute deutliche Umsatzsteigerung«; und bei Diehl Defence wurde »durch die anhaltend hohe Nachfrage nach Wirkung und Schutz« die Fortsetzung der »positiven Entwicklung« konstatiert.
Vor allem das, was im Krieg zerstören oder unbedingt vor Zerstörung bewahrt werden soll, verspricht gegenwärtig Profit. Deutlich spiegelt die Personalpolitik des Konzerns diesen Umstand wider: »Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich im Stichtagsvergleich um 769 Personen« – »insbesondere in den Teilkonzernen Defence (818) und Aviation (241)«. Wer ein bisschen Algebra beherrscht, kann ableiten, dass in den anderen Sparten Stellen vernichtet wurden. Nur zweifelhaften Trost spendet da der Umstand, dass Diehl dem Trend der Industrie entgegen mehr ausbildet: »Gegenüber den Vorjahren ist die Zahl der derzeit beschäftigten Nachwuchskräfte mit 581 Auszubildenden – davon 510 in Deutschland – erheblich gestiegen.« Kurzum: Der Rüstungsbranche geht es blendend.
Da können sogar Schäden, die man fahrlässig mitverantwortet hat, kompensiert werden. So brüstete sich Heckler & Koch (HK) am Rande seiner Hauptversammlung am Dienstag damit, seine illegalen Waffendeals mit Mexiko per Überweisung von 3,7 Millionen Euro an die deutsche Staatskasse beglichen zu haben. 2021 bestätigte der Bundesgerichtshof die zwei Jahre vom Landgericht Stuttgart festgestellte Rechtswidrigkeit der Lieferung von 4.200 Sturmgewehren vom Typ »HK G36« samt Zubehör nach Mexiko. Zwischen 2006 und 2009 hatte die Waffenschmiede entgegen der Evidenz als Lieferziele nur »unkritische« Provinzen angegeben, um Exportgenehmigungen deutscher Behörden zu erwirken. Überwiesen habe man allerdings erst, so HK, als alle Rechtsmittel zur Minderung des Betrags ausgeschöpft worden seien.
Diese Verzögerungstaktik sei »lächerlich und beschämend für ein Unternehmen, das jedes Jahr dreistellige Millionenumsätze macht und hochprofitabel ist«, kritisierte Jürgen Grässlin, der die Deutsche Friedensgesellschaft auf der Hauptversammlung als kritischer Aktionär vertrat, laut dpa. Dass der Konzern »um jeden Euro« feilsche, widerspreche seinem Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Den Kritischen Aktionären zufolge müsste HK weitaus mehr Geld für die Kompensation seiner Verbrechen aufwenden. Zu hoch sei »der Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat«, heißt es in einem ihrer Anträge: »Der überwiegende Teil des Bilanzgewinns sollte für Maßnahmen zur Wiedergutmachung und Prävention von Schäden durch den Einsatz von Heckler-&-Koch-Waffen in Konfliktregionen verwendet werden.« Letztere seien bestens dokumentiert, zumal Kleinwaffen – als Exportschlager wäre hier »HK SFP9« zu nennen – »weltweit zu den tödlichsten Waffensystemen für die Zivilbevölkerung« zählen, »da sie leicht weitergegeben, illegal gehandelt und über Jahrzehnte genutzt werden können«. Vielfach kämen sie beispielsweise im Sudan zum Einsatz.
Ferner habe, moniert ein weiterer Antrag gegen die Entlastung des Vorstands, der Konzern auf dem zivilen Schusswaffenmarkt der USA rund 100 Millionen Euro, durch Verträge mit Behörden nur fünf Millionen verdient. Dabei bediene das Marketing von HK »weiterhin den gefährlichen Mythos, Schusswaffen würden ihre Besitzer sicherer machen und dienten ausschließlich der persönlichen Selbstverteidigung«. Bewiesener Fakt sei das genaue Gegenteil, nämlich ein erhöhtes »Risiko von Tötungsdelikten, Selbstmorden oder unbeabsichtigten Verletzungen« durch das Mitführen: »Neunmal so viele Menschen geben an, Opfer einer Person mit einer Schusswaffe geworden zu sein, als durch eine Schusswaffe geschützt worden zu sein.« Die Rüstungsindustrie ist und bleibt ein Geschäft mit dem Tod und hat mit Sicherheit nichts zu tun. Die unkritischen Aktionäre werden entsprechend abstimmen.
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