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Palästina-Solidarität

Haben Sie sich an das Verbot gehalten?

Die Uni Köln wollte einen Vortrag mit Fabian Goldmann verhindern, sagen Jule Convent und Christian Köhler Pinzón

Foto: Mouafak Mahmalji

Am vergangenen Mittwoch fand in Köln eine Veranstaltung mit dem Journalisten Fabian Goldmann statt. Warum haben Sie ihn eingeladen?

Jule Convent: Wir wollen uns als AStA dafür einsetzen, dass die Uni Köln einen aktiven Beitrag zu einer friedlichen Entwicklung der Menschheit leistet. Dazu gehören der Ausbau ziviler Wissenschaftskooperationen zur solidarischen Beantwortung der globalen Fragen von Armut, Ausbeutung und Krieg sowie die Stärkung kritischer Wissenschaften. Deshalb fördern wir auch die kritische Auseinandersetzung mit Kriegsberichterstattung, die Verbrechen ausblendet oder rechtfertigt.

Christian Köhler Pinzón: Fabian Goldmann leistet hierzu extrem wichtige Arbeit. Über Monate hinweg hat er dokumentiert, wie der Journalismus in Deutschland die Verbrechen der israelischen Armee im Genozid in Gaza durch seine Berichterstattung verharmlost und legitimiert hat. Er zeigt zudem, wie palästinensische und palästinasolidarische Stimmen an den Rand gedrängt wurden. Ähnliches beobachten wir an der Uni Köln, wo die Hochschulleitung sich bisher auf die Seite des Westens und seiner Kriege geschlagen hat – und das so offensiv, dass sie andere Perspektiven aktiv unterbindet. Auch die zahlreichen Kooperationen mit israelischen Universitäten, teilweise mit militärischem Bezug, werden nicht in Frage gestellt.

Der Vortrag konnte allerdings nicht wie geplant stattfinden.

C. K. P.: Genau, die Uni hatte ohne Absprache kurzfristig die gesamte Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen auch der Vortrag mit Fabian stattfinden sollte, an einen entlegenen Campus verlegt. Um weitere Probleme zu vermeiden, haben wir das zunächst akzeptiert. Eine Woche vor der Veranstaltung mit Fabian und nach breiter Bewerbung kam die Absage durch die Uni. Begründet wurde dies mit nicht weiter konkretisierten Sicherheitsbedenken bezüglich »des Mitveranstalters«, also der Gruppe »Camp for Palestine«. Auch auf Nachfrage hat die Uni sich geweigert, uns Genaueres zu sagen. Somit hatten wir keine Möglichkeit, diese Bedenken auszuräumen. Es ist klar, dass die Absage Teil einer größeren politischen Auseinandersetzung ist, nicht bloß ein Konflikt mit einer einzelnen Unileitung.

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Haben Sie sich an das Verbot gehalten?

J. C.: Wir haben zuerst versucht, ins Gebäude zu gelangen. Dort hat aber eine Unibeschäftigte mit Security den Weg versperrt und uns hinausgeworfen. Wir sind weitergezogen auf den Hof der Universität, wo wir einige Bänke und Tische aufbauen wollten. Erneut verhinderte die Uni das und drohte uns sogar mit der Polizei. Die kam schließlich auch, und wir haben mit ihnen verhandelt, um eine Versammlung im Hof anzumelden. Auch das wurde uns verwehrt. Wir haben statt dessen direkt vor dem Eingang provisorisch Zelte aufgebaut und konnten Fabians Vortrag doch noch hören. Es kamen an die 250 Menschen.

Schon zuvor hatte es Auseinandersetzungen gegeben, oder?

J. C.: Es hat zahlreiche Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit und studentische Organisation gegeben. Zum Beispiel Hausverbote gegen Studierende, die Protest gegen den Besuch des israelischen Botschafters angekündigt hatten, die Ausladung der US-amerikanischen Philosophin Nancy Fraser wegen ihrer Palästina-Solidarität und unzählige Schikanen bei der Raumbuchung. Nach einer symbolischen Blockade des Hauptgebäudes stellte die Uni mehrere Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und weigerte sich nicht nur, öffentlich über ihre Verantwortung für Frieden und Wissenschaftsfreiheit zu diskutieren, sondern verbreitete irreführenderweise auch die Erklärung, sie könne die Anzeigen gegen Studis nicht zurücknehmen. Es wird deutlich: Hier wird mit aller Macht die »Staatsräson« gegen die Wissenschaftsfreiheit durchgeboxt.

Wie sieht euer Widerstand gegen diese Politik der Hochschulleitung aus?

C. K. P.: Wir nutzen die Aufmerksamkeit, um die großen Fragen unserer Zeit aufzuwerfen: Für welche Zwecke wollen wir forschen, lehren und lernen? Für Frieden oder Krieg? Für internationale Verständigung oder Verrohung und Zerstörung? Gegen ihre Schikanen organisieren wir kollektiven Widerstand und streiten weiter für eine demokratische Hochschule, die ihren Beitrag zu Frieden und Abrüstung leistet.

Jule Convent (l.) ist im Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität Köln

Christian Köhler Pinzón ist aktiv bei »Camp for Palestine«

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.05.2026, Seite 3, Inland

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