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Westsahara-Konflikt

Alarm in Smara

Polisario-Front beschießt marokkanische Truppen

Foto: NurPhoto/IMAGO
Die sahrauische Nationalgarde marschiert zum 50. Jahrestag der Gründung der Polisario-Front (Tindouf, 20.5.2023)

Die Westsahara-Befreiungsfront Polisario hat die marokkanische Besatzungsmacht anscheinend kalt erwischt. Am Dienstag nachmittag wurde die Stadt Smara in der besetzten Westsahara laut Medienberichten von drei Raketen getroffen. Die Luftabwehr habe versagt. Es war von »schweren Explosionen in der Nähe militärischer Anlagen« die Rede. Ein Kommuniqué der Polisario-Militärführung sprach von einem »konzentrierten Bombardement feindlicher Stützpunkte«. Die marokkanische Infoseite Yabiladi spielte den Angriff jedoch herunter und gab an, die fraglichen Geschosse seien »verstreut« eingeschlagen, ohne Schaden anzurichten. Allerdings sei eine Frau verletzt und Smara in »höchste Alarmbereitschaft versetzt« worden. Ein Team der UN-»Blauhelmtruppe« Minurso sei vor Ort, um den Vorfall zu untersuchen.

Nach dem Beschuss tauchten in sozialen Netzwerken Aufnahmen von Überresten der eingesetzten Waffen auf. Sie scheinen von Raketen sowjetischer Bauart zu stammen, die weltweit verbreitet sind. Das passt nicht zu den marokkanischen Behauptungen, dass die Polisario mit Iran zusammenarbeite und von dort Raketen und Drohnen erhalte. Sie werden lanciert, um die Befreiungsbewegung zu diskreditieren, zumal gegenwärtig unter Vermittlung der USA und der UNO Gespräche zu einer Beilegung des Westsahara-Konflikts stattfinden. Rabat will dabei seine guten Beziehungen zu Washington nutzen, um seine Ansprüche auf die zu zwei Dritteln besetzte Westsahara durchzusetzen und das einst von Spanien kolonisierte Land dauerhaft zu annektieren.

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Überhaupt fand der Angriff auf ­Smara im Kontext verschärfter Spannungen statt. Um die Polisario in Verruf zu bringen, hatten marokkanische Quellen in der vergangenen Woche Spekulationen verbreitet, die Befreiungsfront habe dem malischen Bündnis aus Tuareg und Al-Qaida bei seiner jüngsten Offensive in dem Sahelstaat geholfen. Allerdings geht die Regierung in Bamako selbst davon aus, dass Frankreich und die Ukraine die Koalition aus Dschihadisten und Separatisten unterstützen. Am Dienstag gab auch das russische »Afrikakorps« über die Botschaft der Russischen Föderation in Kenia auf X bekannt, über ein entsprechendes Geständnis eines gefangenen Al-Qaida-Kämpfers zu verfügen. Paris ist aber traditionell der engste Verbündete Rabats.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2026, Seite 6, Ausland

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