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Rechte Gewalt in Italien

Schüsse am Tag der Befreiung

Italien: Schütze für Angriff auf Demo zum 25. April zu Hausarrest verurteilt

Von Fabio Nacci
Foto: Andrea Staccioli/Insidefoto/imago

Mit den roten Tüchern der Nationalen Vereinigung der Partisanen Italiens um den Hals nahmen Nicola F. und seine Frau Rossana G. an der diesjährigen Demonstration zum Nationalfeiertag teil. Der 25. April steht für die Befreiung Italiens vom Hitlerfaschismus im Jahre 1945. Plötzlich näherte sich dem Paar ein Mann in Militärjacke auf einem Motorroller. Er schoss mit einer Luftdruckpistole. Der 65jährige wurde am Hals, die 62jährige an der Schulter verletzt. Für die Tat muss sich der 21jährige Eitan B. verantworten, der am 29. April wegen versuchten Mordes und illegalen Waffenbesitzes festgenommen wurde.

B. gestand, geschossen zu haben. In seiner Wohnung wurden Messer, Munition, zwei Pistolen und israelische Flaggen gefunden. Medienberichten zufolge verkehrte er während seiner Zeit am Gymnasium der jüdischen Gemeinde in Kreisen, die die israelische extreme Rechte unterstützen und den Genozid an den Palästinensern befürworten. Unmittelbar nach der Festnahme erklärte B. der Polizei, er gehöre zur »Jüdischen Brigade« von Rom. Diese nimmt Bezug auf den militärischen Verband jüdischer Freiwilliger, der 1945 in den Reihen der Westalliierten für die Befreiung Italiens kämpfte, und sich am Aufbau des Staates Israel beteiligte.

Die »Brigade« dementierte jedoch kategorisch, dass der Angeklagte bei ihr Mitglied sei. Vor Gericht widerrief B. seine Aussage. Er gehöre keiner Gruppe an und schäme sich für seine Tat, sagte er. Der Ermittlungsrichter stufte die Anklage auf versuchte schwere Körperverletzung herab und ordnete Hausarrest an.

In Rom häuften sich zuletzt die Angriffe durch zionistische Gruppen. So wurden mit Palästina solidarische Demonstranten eingekesselt und geschlagen. Es gab Übergriffe an Universitäten und Schulen. Beispielhaft dafür ist der Fall der »Brigade Dario Vitali«, die sich zu einem Angriff am Manara-Gymnasium in Rom bekannte. Das gewählte Symbol: ein Davidstern über einem Totenkopf mit einer Rose zwischen den Zähnen. Es lehnt sich an die Symbolik faschistischer Einheiten wie der Decima MAS und der Arditi an. Das Ziel war ein an der Schule aktives linkes Kollektiv. Der Präsident der Mailänder jüdischen Gemeinde, Walker Meghnagi, hatte vor wenigen Monaten erklärt, dass der »Hass auf Juden« von links komme, aber niemand dies bemerke. Am 25. April wurde in Mailand übrigens eine Gruppe, die an die »Jüdische Brigade« erinnerte, vom Demozug mit rund 100.000 Teilnehmern ausgeschlossen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Über die Teilnahme der »Jüdischen Brigade« an den Umzügen zum 25. April ist eine hitzige Debatte entbrannt. Ausgelöst wurde diese durch die mitgeführten israelischen Flaggen und die geäußerte Unterstützung für die israelische Regierung. Es gibt allerdings auch antifaschistisch orientierte jüdische Zusammenschlüsse. Gruppen wie »Mai Indifferenti« und das »Laboratorio Ebraico Antirazzista« demonstrierten am Nationalfeiertag mit dem Banner »Jüdinnen und Juden gegen den Faschismus zu jeder Zeit und an jedem Ort«. Sie betonen, dass das Gedenken an die Schoah nicht zur Rechtfertigung von Besatzung und Menschenrechtsverletzungen dienen darf. Über 220 jüdische Persönlichkeiten unterzeichneten einen Appell gegen die ethnische »Säuberung« des von Israel besetzten Gazastreifens. Als Reaktion wurden einige von ihnen bedroht und als »keine echten Juden« beschimpft.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.05.2026, Seite 15, Antifaschismus

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