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Lateinamerika

Honduras als rechtes Einfallstor

Recherche: USA und Israel wollen mit Hilfe der Drogenmafia die Linke zurückdrängen

Foto: Moises Castillo/AP/dpa
Protest gegen die Freilassung des verurteilten Drogenhändlers Hernández durch die USA (Tegucigalpa, 4.12.2025)

Seit Ende vergangener Woche veröffentlicht das spanische Onlinemagazin Canal Red seine erste große exklusive Recherche. Es geht um das sogenannte Honduras-Gate und darum, wie die USA und Israel gemeinsam ihre Einflusssphäre in Lateinamerika ausweiten. Im Zentrum einer verdeckten Desinformationskampagne, die darauf abzielen soll, Wahlen in mehreren lateinamerikanischen Ländern zu beeinflussen, steht offenbar der ursprünglich in den USA wegen Drogenhandels verurteilte Expräsident von Honduras, Juan Orlando Hernández.

Laut Canal Red ist Hernández zusammen mit weiteren honduranischen Politikern in ein weitgespanntes Korruptionsnetzwerk verwickelt. Dafür soll er Geld aus den USA und Israel bekommen haben – mit konkreten Plänen: Er soll erneut ins höchste Staatsamt gebracht werden, eine US-Militärbasis durchsetzen und günstigere Konditionen für israelische und US-Firmen gesetzlich festschreiben. Von Honduras aus soll auch der Einfluss Chinas in Lateinamerika eingedämmt werden. Nicht zuletzt soll die Linke bei Wahlen etwa in Mexiko, Kolumbien oder Argentinien durch Propaganda zurückgedrängt werden.

In einem der vielen Audioleaks, die Canal Red dazu veröffentlicht hat, behauptet Hernández etwa, dass »Leute, die Israel unterstützen«, hinter seiner Begnadigung als verurteilter Straftäter standen. Hernández versichert zwar, die Anschuldigungen seien erlogen. Der Direktor von Canal Red, Ex-Podemos-Chef Pablo Iglesias, antwortete allerdings mit einer Nachricht auf X, in der er schrieb, die vorliegenden Audios seien echt. Das zu leugnen würde vor Gericht alles nur noch schlimmer für Hernández machen.

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An Hernández’ geplanter Rückkehr auf die politische Bühne sind Canal Red zufolge nicht nur US-Republikaner beteiligt – namentlich genannt wird der extrem rechte Einflüsterer Roger Stone. Auch Mitglieder der israelischen Regierung sollen dabei mitmischen. So sagt der Expräsident in einem anderen Leak: »Der Premierminister Israels wird uns unterstützen. Wir sind ihm sehr dankbar. Tatsächlich hatten sie alles mit meiner Freilassung zu tun.« Mehrere hochrangige honduranische Politiker werden in den Mitschnitten genannt. Sie sollen gemeinsam daran gearbeitet haben, die Kontrolle über staatliche Institutionen zu erlangen. Im Raum stehen zudem Stimmenkauf, politische Erpressung sowie Drohungen bis hin zu Gewalt und Mord. Marlon Ochoa, der mittlerweile geschasste Chef der Wahlbehörde, wird als Hauptziel der Angriffe beschrieben, da er Betrug und Manipulationen im Wahlprozess 2025 kritisiert hatte.

Angeblich soll auch Argentiniens Präsident Javier Milei an der rechten Kampagne beteiligt sein und bereits Gelder an Hernández für die Errichtung einer Internetplattform gezahlt haben, die die linksgerichteten Regierungen von Mexiko und Kolumbien sowie den ehemaligen honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya diffamieren soll.

Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Herbst 2025 in Honduras hatte US-Präsident Donald Trump für Nasry Asfura plädiert, den Kandidaten von Hernández’ Nationaler Partei. Ähnlich wie bei Mileis Wahl in Argentinien drohte er, Hilfen zu kürzen, wenn dieser nicht als Sieger aus dem Urnengang hervorgehe. Die gescheiterte Linkskandidatin Rixi Moncada meldete Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen an. Die USA verhängten jedoch Visasanktionen gegen Richter, die eine Neuauszählung unterstützten. Tatsächlich ging Asfura aus der Wahl als Sieger hervor und wurde von Trump kurz darauf in dessen Villa in Mar-a-Lago empfangen.

Hernández war seit 2024 wegen Drogenhandels in den USA inhaftiert und wurde 2025 – nur wenige Stunden vor den Wahlen in Honduras – von dem sonst angeblich an Drogenbekämpfung interessierten Trump amnestiert. Im Dezember 2025 wurde er aus der Haft entlassen. Er saß also nur ein Jahr, obwohl er zu einer 45jährigen Haftstrafe und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden war. Er hatte 2013 Spenden vom Drogendealer Joaquín »El Chapo« Guzmán für seinen Wahlkampf erhalten. Aus der Familie des von Januar 2014 bis Januar 2022 autoritär regierenden Präsidenten Hernández war bereits sein Bruder »Tony« 2019 ebenfalls in den USA wegen Drogenhandels zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.05.2026, Seite 6, Ausland

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