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30.04.2026
- → Kapital & Arbeit
OPEC vor der Krise
Vereinigte Arabische Emirate verlassen internationales Erdölkartell. Organisation verliert ein Achtel ihres wirtschaftlichen Gewichts. Hintergrund: Streit um Fördervorgaben
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ziehen sich aus dem Erdölkartell OPEC und dem ihm angegliederten Zusammenschluss »OPEC plus« zurück. Der Schritt, der am Dienstag offiziell bekanntgegeben wurde, soll bereits zum 1. Mai vollzogen werden. Es handelt sich nicht um den ersten Austritt eines OPEC-Mitglieds; Katar etwa hatte die Organisation schon zu Jahresbeginn 2019 inmitten eines heftigen Konflikts mit Saudi-Arabien und den Emiraten verlassen. Dem Schritt der VAE kommt allerdings eine deutlich größere Bedeutung zu, weil sie erheblich mehr Erdöl fördern als Katar, das eher für seine Flüssiggasproduktion bekannt ist, sowie andere zuvor ausgestiegene Länder. Die Ölproduktion der VAE wurde zuletzt auf zwölf Prozent des gesamten OPEC-Ausstoßes beziffert. Den Verlust von rund einem Achtel seiner ökonomischen Schlagkraft steckt wohl auch ein einflussreiches Bündnis wie die OPEC nicht ohne weiteres weg.
Die Unstimmigkeiten, vor allem zwischen den Emiraten und der OPEC-Hauptmacht Saudi-Arabien, schwelen schon lange – auf ökonomischer wie auf politischer Ebene. Ökonomisch liegt die Hauptursache darin, dass die Emirate ihre Fördermenge aufstocken wollen, um den Umbau ihrer Wirtschaft für das postfossile Zeitalter zu finanzieren. Dem standen bisher die OPEC-Förderquoten im Weg. Mit der Forderung, diese zu erhöhen, konnten die Emirate sich nicht wirklich gegen Saudi-Arabien durchsetzen. Letzteres ist nach Beobachtermeinung in viel höherem Maß von hohen Erdöleinnahmen abhängig, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren, als die deutlich kleineren VAE.
Erste Überlegungen, das Kartell zu verlassen, wurden in den Emiraten wohl schon Ende 2018 angestellt, als Katar seinen OPEC-Austritt ankündigte. Zu einem größeren Konflikt mit Riad kam es im Sommer 2021, als Abu Dhabi energisch darauf drang, die aufgrund der Coronapandemie beschlossene Förderreduzierung möglichst schnell wieder aufzuheben. Die Emirate zogen den kürzeren.
Den letzten Anstoß, einen harten Schnitt zu machen und die OPEC zu verlassen, hat nun der Iran-Krieg gegeben – zum einen wegen sich zuspitzender politischer Differenzen, zum anderen wegen der ökonomischen Folgen. Die Emirate haben schwere wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen, ihre Ölausfuhr ist wegen der weitgehenden Schließung der Straße von Hormus heftig eingebrochen. Darüber hinaus leiden die profitable Tourismusbranche und der Flugverkehr am Drehkreuz Dubai, bis Ende März mussten bereits mehr als 18.000 Flüge abgesagt werden. Der Immobilienmarkt verzeichnet ebenfalls schmerzliche Verluste. Allein die Einbußen beim Ölexport werden bereits auf um die 60 Milliarden US-Dollar geschätzt. Selbst im günstigsten Fall – dann, wenn es zu einer Einigung zwischen den USA und dem Iran kommt und die Straße von Hormus sich bald wieder frei befahren lässt – wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die teils schwer beschädigten Erdölanlagen repariert sind und die Ölförderung wieder auf ihr volles Volumen gesteigert werden kann.
Wie also weiter? Die Frage stellt sich um so dringlicher, als völlig unklar ist, ob nach dem Ende des Krieges wieder genügend Stabilität auf der Arabischen Halbinsel hergestellt werden kann, um Investoren nicht abzuschrecken. Geplant waren eigentlich Dutzende Milliarden US-Dollar schwere Investitionen, unter anderem in KI-Datenzentren. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Abu Dhabi mit Washington über einen Währungsswap verhandelt, der den Emiraten eine schnelle finanzielle Erleichterung verschaffen soll, um über den Schock hinwegzukommen.
Mittelfristig setzen die VAE nun offenkundig darauf, ihre Einbußen mit deutlicher Steigerung der Ölförderung auszugleichen. Für die OPEC wiederum stellt sich die Frage, wie sie mit ihrem um ein Achtel verringerten wirtschaftlichen, ergo politischen, Gewicht zurechtkommen wird. Zuletzt stand sie für rund 30 Prozent der globalen Ölförderung. Mit ihrem unter anderem um Russland erweiterten Format »OPEC plus« kam sie auf mehr als 40 Prozent. Ob das Kartell auch weiterhin als Kartell fungieren, de facto also den globalen Erdölpreis diktieren kann, muss sich zeigen.
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