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28.04.2026
- → Feuilleton
Wer macht die Kippen teurer?
Unterzeile
Im »Neuen Wörterbuch der deutschen Arbeiterbewegung« steht unter dem Stichwort 1. Mai: »Bundesweiter Feiertag, an dem sich renitente Rentner versammeln, die noch Gewerkschafter kannten, die für Arbeiterrechte und gegen den Krieg gekämpft haben, bevor sie mit Krawatten erdrosselt wurden.« Trotzdem geht der Autor dieser Kolumne auch in diesem Jahr zur Maifeier des DGB (»Selbsthilfeorganisation kassenbewusster Arbeiter, die die Haut ihrer Kollegen zu Markte tragen«), wo Biergläser und brave Reden gehalten und keine Rathäuser gestürmt werden. Wann ist eigentlich das Freibier unterm Maibaum abgeschafft worden? Und wer macht die Kippen teurer, damit der Chef billiger tanken kann?
An der schönen Adriaküste gab es einmal einen Staat, in dem sich die Arbeiter emanzipierten, bevor am Ende die »Freiheit« sie doch vor die Kanonen band. Davon erzählt das Feature →»Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien – Ein vergessenes Experiment und seine Folgen« (Di., 19.30 Uhr, DLF Kultur). Am Mittwoch könnten wir ein bisschen dazwischenreden in der »Agenda«-Hörerdiskussion zum Thema →»Wie wichtig ist Arbeitnehmervertretung heute?« (10.08 Uhr, DLF). Am Morgen des 1. Mai stimmt uns Bayern 2 arbeiterkampftüchtig mit einer Stunde →»Protestsongs« (Fr., 8.05 Uhr). Und »Die Reportage« über →»Rider in Berlin – Das Geschäft mit dem Fahrradkurier« verdirbt den Appetit auf Pappepizza (Fr., 12.30 Uhr, DLF Kultur). Aus den »Archivschätzen« wurden Geschichten herausgeholt über das Leben von drei →»Arbeiterinnen« in der BRD der Jahre 1953, 1960 und 1969 (Fr., 15.04 Uhr, HR 2 Kultur).
Sonst in dieser Woche im Radio: In seinem Feature →»Zwischen Werkbank und Wahlurne – Die Stadt Singen nach der Landtagswahl« wundert sich Charly Kowalczyk über die vielen AfD-Wähler in seiner Heimatstadt (DLF, SWF 2026, Ursendung, Di., 19.15 Uhr, DLF). In der »Klassikerlesung« ist Günther Dockerill zu hören mit →»Skizzen« (1/3) von Mark Twain (NDR 1960, Mi., 14.04 Uhr, MDR Kultur). Am Arbeiterkampftagmorgen gibt es beim Freien Radio in Hamburg eine Alternative zum Protestsongsmitsummen, den Mitschnitt eines Abends 2014 im »Golem«, wo Thomas Ebermann, Dietmar Dath und Hermann Gremliza über Herbert Marcuse und →»Die große Weigerung« abschweiften (Fr., 8 Uhr, FSK).
Goethe war auch gut. Rudi Carrell rühmte seine Kochkünste und Max Ophüls seine →»Novelle«, die er vor 75 Jahren in ein epochemachendes Hörspiel verwandelt hatte, erstklassig besetzt unter anderem mit Oskar Werner, Willy Birgel und Therese Giehse (BR, RB, SWF 1953, Fr., 14.05 Uhr, Ö 1). Für den Opernabend schlägt Gustav mit der Hupe →»Les Troyens« von Hector Berlioz vor, aufgenommen 1974 in der New Yorker Met (Sa., 19.30 Uhr, Ö 1). Alternativ bringt Bayern 2 einen Horrorklassiker von Charles Dickens, →»Der Bahnwärter« (BR 1951, Sa., 20.03 Uhr).
Am Sonntag in der Früh schnüffeln bei »Mikado« wieder die →»Orchesterdetektive« herum (7.05 Uhr, NDR Kultur), und später, in →»Unternehmen Arche Noah«, bereitet sich die Menschheit auf eine Zukunft im Weltraum nach dem Untergang der Erde vor; klingt wie eine Idee von Elon Musk und hat sich ausgedacht Marie Luise Kaschnitz, und dies begab sich etwa zu der Zeit, als einem Ochsen und einer Eselin das Elon-Kind geboren wurde (HR 1970, So., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Letzter Vorschlag ist ein Originalhörspiel von Rudi Strahl, →»Dort statt hier, hier statt dort« (Rundfunk der DDR 1985, Mo., 20.04 Uhr, MDR Kultur). Das Stück spielt ebenfalls in einer Herberge, aber einer sozialistischen: Ochs und Esel mussten draußen bleiben.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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