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Nachschlag: Organisiertes Aussitzen

→ Why the Epstein Files Didn’t Start a Revolution. Youtube

Foto: U.S. Justice Department/Handout via REUTERS

Trotz mehrerer Millionen veröffentlichter Dokumente bleiben viele Fragen und Konsequenzen rund um Jeffrey Epstein offen. Oder gerade deswegen? Und wo bleibt die Revolution, wenn schwarz auf weiß bewiesen ist, dass etliche der Mächtigsten dieser Welt Kinderschänder sind? Damit beschäftigt sich das aus Katar stammende Team von Uncivilized Media. Sie analysieren die Auswirkungen der Files auf das sogenannte Overton-Fenster. Jenes beschreibt den Rahmen an Dingen, die für eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt als akzeptabel gelten. Ideen außerhalb dieses »Fensters« werden als extrem bewertet. Die herrschende Klasse hat gelernt, das Fenster selbst zu verschieben. Wo früher moralischer Bankrott den politischen Sturz bedeutete, regiert heute das organisierte Aussitzen. Der Skandal wird nicht mehr geleugnet, sondern im medialen Grundrauschen neutralisiert. Das System schützt das Kapital, die Ohnmacht schlägt in Zynismus um. So wird das Ungeheuerliche normalisiert. Eine Revolution nährt sich eben nicht aus moralischer Empörung, sondern aus Klassenbewusstsein. (tve)

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.06.2026, Seite 14, Feuilleton

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