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Migrationsmuseum Selma Köln

Welche Bedeutung hätte der Standort Kalk?

Das Migrationsmuseum Selma wäre ein »Leuchtturmprojekt« für das alte Arbeiterviertel, sagt Jan Schlangenhauf

Foto: CHROMORANGE/imago

Seit zehn Jahren wird geplant, das Migrationsmuseum Selma in der Halle 70 des ehemaligen Klöckner-Humboldt-Deutz-Geländes im migrantisch geprägten Kölner Arbeiterstadtteil Kalk unterzubringen. Doch jetzt macht die Stadt einen Rückzieher. Was ist da los?

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Baukosten sind drastisch gestiegen. Es mag sein, dass die Kostenschätzung bei der Anmeldung des Projekts, die auch maßgeblich für den Fördermittelantrag war, ein bisschen zu niedrig war.

Von welcher Größenordnung reden wir?

Es wurden Mittel in Höhe von 44 Millionen Euro vom Bund und dem Land NRW bereitgestellt und jetzt fehlen 33 Millionen. Die neue Kostenschätzung für die planmäßige Errichtung des Museums Selma in der Halle 70, einer großen alten Industriehalle, liegt jetzt bei 77 Millionen Euro. Das »Dokumentationszentrum und Museum über die Migrationsgeschichte in Deutschland«, das die bundesweit größte Sammlung von sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlichen Zeugnissen der bundesdeutschen Migrationsgeschichte umfasst und die Ausstellung des Selma kuratieren würde, führt die Inflation an. Wir befürchten aber auch, dass der Zustand der Halle 70 aus vielen Gründen nicht hinreichend überprüft werden konnte. Die Stadt Köln als Eigentümerin des Objektes trägt hier eine Mitverantwortung.

Die Stadt hat vor kurzem eine Alternative ins Spiel gebracht und will das Selma zu einem Teil des Kulturquartiers am innerstädtischen und linksrheinisch gelegenen Neumarkt machen, wo aber auch schon das Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde untergebracht ist.

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Ursprünglich waren 10.000 Quadratmeter für Selma geplant, im Kulturquartier blieben vermutlich noch 2.000 Quadratmeter übrig, also gerade mal ein Fünftel der geplanten Ausstellungsfläche. Insgesamt macht das den unguten Eindruck von: Neben Völkerkunde ist noch Platz für Migrationsgeschichte – zumal die nun anvisierte Fläche vermutlich nicht exklusiv dem Selma zur Verfügung stünde.

Welche Bedeutung hätte der Museumsstandort in der Halle 70 für Kalk?

Kalk ist einer der ärmsten Stadtteile von Köln und ist von der Sozialstruktur her mit einer alten Industriestadt wie Duisburg zu vergleichen, nur kleiner. Kalk ist de facto der benachteiligte Stadtteil, der aus stadt- und kulturpolitischer Sicht komplett verloren hat. Das Selma wäre ein Leuchtturmprojekt für die Entwicklung des strukturschwachen Kalk. Den Menschen hier wurde immer schon viel versprochen, aber es wurde nichts gehalten, und jetzt klaut man den Menschen auch noch ihr Museum.

Welches Signal sendet die Stadt damit in ein Land, das immer noch große Schwierigkeiten hat, sich als Einwanderungsland zu begreifen, und in dem eine Partei wie die AfD zunehmend den gesellschaftlichen und politischen Diskurs bestimmt?

Das ist verheerend. Die Entscheidung fügt sich letztlich ein in eine gesellschaftspolitische Entwicklung, in der Fremdenfeindlichkeit mehrheitsfähig ist. Trotz Kostensteigerung muss dieses Museum her, um Zuwanderung – in Deutschland leben rund 25 Millionen Menschen mit eigener oder familiärer Zuwanderungsgeschichte – als die Bereicherung zu erzählen und zu begreifen, die sie ist.

Sie haben mit weiteren Mitstreitern jetzt die Initiative »Museum Selma bleibt!« gegründet. Wer hat sich da mit welchem Ziel zusammengeschlossen?

Einige Aktive aus Kalk haben die Initiative angestoßen. Bei einem ersten Treffen kamen knapp 100 Leute. Oberste Priorität hat für uns, dass am ursprünglichen Plan, das Selma in der Halle 70 unterzubringen, festgehalten wird – trotz Kostensteigerung. Immerhin ist das Museum schon bis zur letzten Steckdose geplant, und der Architektenentwurf hat den Deutschen Designpreis 2026 gewonnen. Wenn das so nicht geht, weil es nicht mehr Geld gibt, dann könnte man überlegen, was mit den jetzt noch verfügbaren 40 Millionen gemacht werden kann, denn so viel kann eine Unterbringung im Kulturquartier nicht kosten. Mit dem Betrag ließe sich eine etwas kleinere und sparsamere Realisierung des Konzepts in der Halle 70 oder einer anderen alten Industriehalle ermöglichen.

Jan Schlagenhauf ist Mitbegründer der Initiative »Museum Selma bleibt!« und sitzt für die Partei Die Linke in der Bezirksvertretung von Köln-Kalk

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.04.2026, Seite 3, Inland

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