-
25.04.2026
- → Inland
Herzkammer kurz vor Infarkt
NRW: SPD bricht in Umfrage dramatisch ein. Auch CDU lässt Federn. Derweil AfD im Aufwind
Nordrhein-Westfalen galt lange als Stammland, gar als Herzkammer der Sozialdemokratie in der BRD. Geht es nach dem neuesten »NRW-Check«, einer Forsa-Umfrage im Auftrag von 38 Tageszeitungen im mit rund 17 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesland, dann erleidet die SPD derzeit einen schlimmen Infarkt. Schlappe 14 Prozent der Wählerinnen und Wähler würden zufolge der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage noch ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten machen. Im Vergleich zum Ergebnis bei der letzten Landtagswahl 2022, als die SPD 26,7 Prozent holte, ist das nahezu eine Halbierung ausgerechnet in jenem Bundesland, in dem die SPD von 1966 bis 2005 ununterbrochen die Regierungen anführte.
2012, beim letzten Wahlsieg an Rhein und Ruhr, hatte die spätere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft noch 39,1 Prozent erreicht. Auch im Vergleich zur Kommunalwahl im September vergangenen Jahres, als die SPD landesweit nur noch schlappe 21,1 Prozent holte, zeichnet sich mit den Ergebnissen der Umfrage eine steile Abwärtstendenz ab. Von der Lage alarmiert, berief Frederick Cordes, Generalsekretär der Landes-SPD, das Präsidium der NRW-SPD noch für Donnerstag zu einer Sondersitzung ein, von der bis jW-Redaktionsschluss jedoch kein Wort nach außen drang. An diesem Sonntag soll laut dpa auch der Landesvorstand zu einer Krisensitzung zusammenkommen.
Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Jochen Ott, der auch Spitzenkandidat bei der nächsten Landtagswahl in genau einem Jahr ist, und dessen Plan, den amtierenden Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) abzulösen, sind das trübe Aussichten. Den Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei machte Ott laut einem Interview mit der Neue Ruhr-/Neue Rhein-Zeitung (NRZ) vom Donnerstag den schlechten Bundestrend der »Sozen« aus und forderte eine Kurskorrektur seiner Partei auch im Bund. »Wir sind die Partei von Busfahrern, Pflegekräften, aber auch von Selbständigen und Geschäftsführern und decken viele Milieus ab«, erklärte Ott. Den Anspruch der SPD, sogenannte Volkspartei zu sein, will er nicht aufgeben. Entscheidend sei »nicht wie, sondern für wen wir Wahlen gewinnen: für berufstätige Familien« – mit beitragsfreien Kitas, guten Schulen, bezahlbarer Pflege und durch die Sicherung von Arbeitsplätzen. »Wenn wir das glaubwürdig vermitteln, gewinnen wir wieder Boden und bleiben langfristig Volkspartei«, hofft der unverdrossene Ott, von dessen Kandidatur bei der nächsten Wahl bislang aber lediglich acht Prozent der Befragten wussten. Die NRW-SPD habe aber bewusst früh für personelle Klarheit gesorgt, »damit wir Zeit haben, unsere Ideen bekannter zu machen – und damit auch mich«, so Ott gegenüber NRZ.
Auch für Wüst und seine CDU ist der »NRW-Check« alles andere als erfreulich. Zwar lag die CDU mit 32 Prozent Zustimmung an der Spitze. Im Vergleich zur Landtagswahl 2022 (35,7 Prozent) büßten die Christdemokraten jedoch 3,7 Prozentpunkte ein. Auch der Zufriedenheitswert mit der Landesregierung aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen ist seit dem letzten »NRW-Check« im Juli 2025 von 49 Prozent auf 42 Prozent eingebrochen. Erstmals seit mehr als zwei Jahren ist der Anteil der Unzufriedenen mit 51 Prozent höher als der der Zufriedenen.
Während die SPD von diesem Negativtrend nicht profitieren kann, sind die Zugewinne der AfD geradezu dramatisch. Die Rechtsaußenpartei, die es 2022 mit 5,4 Prozent nur knapp ins Landesparlament geschafft hatte, sitzt Wüst im Nacken – mit einer nahezu vervierfachten Zustimmung von 20 Prozent. Der grüne Regierungsjuniorpartner liegt derweil stabil bei 17 Prozent; 2022 war die Partei auf 18,2 Prozent gekommen. Die FDP hingegen, die 2022 mit 5,9 Prozent in den Düsseldorfer Landtag eingezogen war, wäre mit drei Prozent raus. Die Linke hat hingegen mit sechs Prozent erstmals seit 2010 reelle Chancen, wieder in den Landtag einzuziehen.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,8
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
