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Rugby Union

Perfekter Tag in Bilbao

Union Bordeaux Bègles verteidigt souverän seinen Titel im Rugby-Champions-Cup

Foto: REUTERS/Vincent West
Souveräne Sieger: Marko Gazzotti (mit Pokal) und das Team von Union Bordeaux Bègles

Als Kapitän Maxime Lucu am Sonnabend nachmittag den Rugby-Champions-Cup in den stahlblauen baskischen Himmel über Bilbao reckte, war dies der Schlusspunkt einer Europapokalkampagne von Union Bordeaux Bègles (UBB), die an Dominanz kaum zu überbieten war. Nach einer makellosen Vorrunde mit 20 von 20 möglichen Punkten, besiegte UBB in der K.o.-Phase nacheinander die Leicester Tigers (64:14), Stade Toulousain (30:15), und Bath Rugby (38:26), ehe im Finale Leinster Rugby aus Irland mit 41:19 an die Wand gespielt wurde.

Während UBB mit dem Sieg seinen Titel aus dem vergangenen Jahr verteidigen konnte, war es für die Mannen aus der irischen Provinz Leinster bereits die fünfte Finalniederlage in acht Jahren. Dabei erwischte Leinster im mit 52.327 Zuschauern vollbesetzten San Mamés, dem Heimstadion des spanischen Fußballerstligisten Athletic Bilbao, einen guten Start und ging nach einem schön herausgespielten Versuch von Wing Tommy O’Brian (8. Spielminute) und anschließender Erhöhung durch Fly-half Harry Byrne 7:0 in Führung. Doch nach dem Führungstreffer spielte in Halbzeit eins eigentlich nur noch UBB. Zwar wurde der Anschlussversuch von Flanker Cameron Woki, der den Ball spektakulär im Stile eines »Slam Dunks« in die äußerste Ecke des Malfelds stopfte, nach Videobeweis nicht gegeben — Wokis rechte Hand berührte die Auslinie den Bruchteil einer Sekunde eher als der Ball die Endzone —, doch schon zwei Minuten später war es Scrum-half Lucu (13.), der sich schlitzohrig zwischen zwei auf der Mallinie verteidigenden Iren ins Malfeld schmuggelte und anschließend auch noch selbst die Erhöhung zum 7:7-Ausgleich besorgte.

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Nachdem Wing Pablo Uberti (17., Erhöhung Lucu) UBB mit 14:7 in Führung brachte, lud der nach der Partie zum Spieler des Wettbewerbs gekürte Wing Louis Bielle-Biarrey drei Leinster-Verteidiger zum Tanz: Mit zwei explosiven Sidesteps verlud er die Gegner und erhöhte den Spielstand (24., Erhöhung Lucu) auf 21:7. Zehn Minuten später folgte Bielle-Biarreys zweiter Streich: Im Mittelfeld zeigte UBB-Centre Damien Penaud zunächst mit einem Kick seine fußballerischen Qualitäten, als er einen losen Ball durch die Verteidigungslinie Leinsters spitzelte. Eigentlich stand der irische Scrum-half Jamison Gibson-Park goldrichtig, den Ball zurückzuerobern. Doch der Ball sprang so launig auf, dass Gibson-Park vorbei- und der lauernde Bielle-Biarrey zugriff und zum 28:7 (35., Erhöhung Lucu) ins Malfeld sprintete. Die beiden Versuche waren übrigens Nummer 33 und 34 in 30 wettbewerbsübergreifenden Klubpartien für den 22jährigen — eine Spitzenbilanz.

Die Schlusspunkte zur 35:7-Halbzeitführung erzielte dann Centre Yoram Moefana (40 plus 1, Erhöhung Lucu), der an der Mittellinie einen Pass vom streckenweise unglücklich agierenden Byrne roch, diesen mit viel Risiko abfing und den anschließenden Konter alleine auslief. Eigentlich war die Messe für Leinster da schon gelesen, doch eine Minute nach Wiederanpfiff musste Lucu mit Gelb für ein unsportliches Ziehen an der Vokuhilafrisur von Zweite-Reihe-Stürmer Joe McCarthy für zehn Minuten auf die Sündenbank. Leinster schnupperte kurz Morgenluft, als besagter McCarthy mit einem Try (45., Erhöhung ­Cirián ­Frawley) auf 35:12 verkürzte. Doch UBB verwaltete fortan die Partie geschickt und routiniert mit zwei Straftritten (59. und 64.) von Lucu zur 41:12-Führung, wobei er den zweiten aus gut 52 Metern Entfernung traf. Der Anschluss-Try von Centre Garry Ringrose (71., Erhöhung Frawley) zum 41:19 war nur noch die berühmt-berüchtigte Ergebniskosmetik. Bereits am Freitag abend hatte ebenfalls in Bilbao Montpellier Hérault Rugby den European Challenge Cup — der kleine Bruder des Champions Cups — ähnlich dominant mit 59:26 gegen Ulster Rugby aus Irland gewonnen. Mit den beiden Europacuptiteln sowie dem Sieg der französischen Nationalmannschaft beim diesjährigen Sechs-Nationen-Turnier hat »le Rugby français« seine derzeit überragende Stellung in Europa einmal mehr eindrucksvoll unterstrichen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 16, Sport

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