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Baseball

Der Fisch stinkt vom Kopf her

An der Ostküste bebt die Erde: Eine Zwischenbilanz der neuen Saison in der Major League Baseball

Foto: IMAGO/Newscom World
Neuerdings ein glücklicher Arbeitsloser: Trainerlegende Alex Cora

Normalerweise wird erst am »Memorial Day«, dem letzten Sonntag im Mai, in der Major League Baseball (MLB) eine fundierte Zwischenbilanz gezogen. Dann sind zirka 50 von 162 Saisonspielen absolviert und die Statistiken gewinnen an Aussagekraft. Doch bei zwei traditionsreichen Klubs lagen schon im April die Nerven komplett blank, was an der Ostküste für ein Trainerbeben sorgte.

Zunächst trennten sich die Boston Red Sox von ihrem langjährigen Teammanager Alex Cora. Nach zehn Siegen und 17 Niederlagen zogen »Chief Baseball Officer« Craig Breslow und Klubeigentümer John W. Henry – dessen Fenway Sports Group neben weiteren Sportfranchises auch den Liverpool FC zu ihrem Portfolio zählt – am 25. April die Reißleine und setzten Cora sowie fünf Assistenzcoaches vor die Tür. Ausgerechnet nach einem dominanten 17:1-Sieg bei den American-League-East-Konkurrenten von den Baltimore Orioles. Stellt sich die Frage, ob die Entlassung den Richtigen getroffen hat. Cora, dessen Qualitäten als Teammanager außer Frage stehen, musste sich mit einem Kader (Payroll knapp 194 Millionen US-Dollar; Platz zwölf von 30 Teams) herumschlagen, der den Eindruck erweckte, als habe Breslow ihn mit allzu heißer Nadel zusammengestrickt: zu viele Outfielder, nicht genug Power Hitter und eine schlichtweg miese Defensive.

Wie so gut wie überall gilt wohl auch bei den Red Sox: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Das haben inzwischen auch die Fans begriffen, die Henry mittlerweile in Sprechchören dazu aufrufen, die Red Sox endlich zu verkaufen. Cora hätte gleich seinen nächsten Job antreten können, als drei Tage später auch der Teammanager der Philadelphia Phillies, Rob Thomson, gefeuert wurde. Zu jenem Zeitpunkt standen die Phillies bei 10:19 in der National League East. Mit einer Payroll von 264 Millionen US-Dollar (Platz sechs) blieben die Phillies klar hinter den Erwartungen zurück. Noch bevor die Kündigung gegen Thomson ausgesprochen war, hatte der President of Baseball Operations bei den Phillies, Dan Dombrowski, schon seine Fühler nach Cora ausgestreckt, mit dem zusammen er als General Manager der Red Sox 2018 einen World-Series-Titel nach Boston geholt hatte. Cora lehnte aber aus guten Gründen ab. Nach Jahren im »Dug out« der Red Sox, entschied er sich für einen Sommerurlaub mit der Familie in seiner puertoricanischen Heimat.

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Noch schlechter als die Phillies stehen derzeit nur noch die Divisionsrivalen von den New York Mets da. Das Team aus Queens startete mit einer desaströsen Bilanz von 10:21 (Stand 1. Mai) in die Saison und musste dabei zwischen dem 8. und 22. April sogar zwölf Niederlagen in Folge hinnehmen. Die Mets stellen derzeit übrigens mit rund 335 Millionen US-Dollar den mit Abstand teuersten Kader in der MLB. Teammanager Carlos Mendoza gilt als angezählt.

Geschwindigkeitsrekorde brechen derweil zwei Pitcher in der National League: Starter Jacob »The Miz« Misiorowski von den Milwaukee Brewers und Closing Pitcher Mason Miller von den San Diego Padres bringen die Radarpistolen in den Ballparks mit Fastballs zum Glühen, die regelmäßig mit 100 Meilen pro Stunde (rund 161 km/h) und mehr auf die Schlagmänner zuschießen. Entsprechend überirdisch erscheinen die Strikeoutraten der beiden Werfer. »The Miz« hat in sechs Spielen mit 32 2/3 Innings für einen Starting Pitcher unfassbare 51 Strikeouts geworfen. Miller hingegen, der als »Closer« meist nur bei einer knappen Führung im neunten Inning zum Zug kommt, brachte es in dieser Saison in 15 1/3 Innings bereits auf 29 Strikeouts. Erst bei seinem 13. Saisoneinsatz am 27. April gegen die Chicago Cubs ließ Miller die ersten beiden Runs in diesem Jahr zu.

In der American League sorgte im April Rookie Kevin McGonigle für ligaweite Aufmerksamkeit. Der 21jährige, der im MLB-Draft 2023 als Nummer 37 von den Detroit Tigers gezogen wurde, debütierte gegen die San Diego Padres mit »back to back« Doubles, zwei Singles und zwei Runs. Nur in 12,5 Prozent seiner Besuche am Schlagmal kassiert ­McGonigle Strikeouts. Sein Schlagschnitt von 32,8 Prozent liegt deutlich jenseits der Exzellenzschwelle von 30. Die erste Base erreicht McGonigle gar mit einer sagenhaften Quote von 42,6 Prozent, wobei bereits 39 Prozent als exzellente Quote gelten. Ob McGonigle dies die gesamte Saison über durchhält, muss sich erweisen. Das Zeug hat er jedenfalls. Ausgezahlt hat sich die Leistung für den Shortstop und Third Baseman aber so oder so: Die Tigers verlängerten den Vertrag mit dem 21jährigen im April für 150 Millionen US-Dollar bis ins Jahr 2034.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2026, Seite 16, Sport

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