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Aus: Ausgabe vom 14.04.2026, Seite 2 / Ansichten

From dusk till dawn

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Der Mann war längste Zeit ein Paria, jedenfalls innerhalb Brüsseler Institutionen. Dort freut man sich ungewöhnlich offen darüber, dass er nun seine politische Macht verloren hat. Viktor Orbán ist geschlagen, an seine Stelle tritt mit Péter Magyar einer, der aus demselben Stall wie der bisherige Premier kommt, sich aber in einer maßgeblichen Frage von Orbán unterscheidet, die letztlich Melodie und Lautstärke der Kommentare zum Ausgang der Parlamentswahl in Ungarn bestimmt: Magyar ist EU-, nicht russlandfreundlich. Es ist selbstverständlich die außenpolitische Orientierung eines Landes, die darüber entscheidet, ob in hiesigen Leitmedien über einer politischen Figur der Daumen gehoben oder gesenkt wird. Dieses Mal hob man ihn also.

Der Schriftsteller Gábor Schein, der die Süddeutsche Zeitung mit einem Gastbeitrag beglückt, erweckt den Eindruck, Ungarn sei aus schwärzester Nacht einer Diktatur erwacht: »Der als christlich und nationalistisch getarnte Zynismus, die Arroganz, die maßlose und schlichte Gewalttätigkeit feudaler Verachtung und neofaschistischer Machtübung herrschten 16 Jahre lang.« Damit nicht genug, Orbán und seine Leute haben Verrat an der Nation begangen, als »sie das Land in jeder Hinsicht Putin auslieferten«. Dabei wussten die Ungarn »schon immer genau, was aus Russland kommt. Von dort kommen byzantinische Lügen, Kolonialherrschaft und der Tod, doch Orbán hat es geschafft, dass sie das vergessen haben«.

Und haben sich nun wieder erinnert. »Magyar hat es auf die einfache Formel gebracht: ›West statt Ost‹ – Europa statt Russland«, schreibt das Handelsblatt und findet: »Der Wahlsonntag in Ungarn war ein guter Tag für die liberale Demokratie in Europa. Péter Magyar hat etwas geschafft, was vor zwei Jahren noch undenkbar war. Er hat den Autokraten Viktor Orbán, der sich mit allen fairen und unfairen Mitteln an die Macht klammerte, entthront.« Dabei fällt dem Kommentator der Widerspruch, der zwischen »Autokratie« und Machtverlust per Parlamentswahl besteht, schon gar nicht mehr auf. Sehr wohl aber der FAZ, die konstatiert: Deutlich werde, »dass die Demokratie in Ungarn unter Orbán, bei aller Kritik an Machtmissbrauch und Korruption, nicht beseitigt worden ist«. Und nun? Der Spiegel gibt politikwissenschaftlichen Rat und klärt auf: »War Orbán überhaupt ein Autokrat, wenn er sich abwählen ließ und die Niederlage einräumte? Ja. Sein System gilt in der Politikwissenschaft als ›kompetitiver Autoritarismus‹.«

Wo Autokraten fallen, feiern Technokraten. Linke sind dabei mal wieder bloß Zuschauer. (brat)

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