Sieger und Verlierer
Eine erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und der Islamischen Republik im Rahmen einer vom US-Präsidenten Donald Trump verkündeten Waffenruhe am Golf ist am Wochenende gescheitert. Doch für deutsche Wochenendzeitungen steht der Gewinner des Krieges bereits fest:
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sieht Teheran im »Siegestaumel«. Im Vergleich zum Februar habe sich Irans Verhandlungsposition stark verbessert. »Trump hat seine militärische Trumpfkarte mit dem Krieg schon ausgespielt. Das Regime hat dagegen mit der Kontrolle über die Straße von Hormus ein Druckmittel in der Hand, das in gewisser Weise sogar wirksamer ist als eine Atombombe, weil es sich flexibel kalibrieren lässt«, schreibt Friederike Böge. So sieht das auch Sven Hansen in der Taz: Trump habe sich mit dem Angriff auf Iran, der sich nicht wie Venezuela nach dem Enthauptungsschlag seinem Diktat fügte, verkalkuliert. Denn nur mit Luftangriffen sei die Islamische Republik nicht zu besiegen, ein für die USA verlustreicher Einsatz von Bodentruppen aber der US-Bevölkerung nicht zu vermitteln. »Trump hat Teherans Widerstandsfähigkeit und asymmetrische Kriegführung unterschätzt«, so die Taz, »die Sperrung der Straße von Hormus ist jetzt Irans ›Atombombe‹.«
»Der Sieger heißt Iran«, titelt die Welt am Sonntag. »Die hässliche Wahrheit: Diese Runde im Iran-Krieg geht an die Mullahkratie«, muss das Springer-Blatt, das seit langem als Sprachrohr der Regime-Change-Fraktion agiert, eingestehen. Der Iran habe sich seit Jahrzehnten auf einen asymmetrischen Krieg vorbereitet und sich nun als Meister in diesem Fach erwiesen. Da Trump »aus Eigennutz« die NATO-Verbündeten weder konsultiert habe noch respektiere, profitierten jetzt »die Falschen«, nämlich China und Russland, äußert Transatlantiker Josef Joffe sein Bedauern darüber, dass der US-Präsident den Feinden des Westens in die Hände spielt.
NZZ-Chefredakteur Eric Gujer schiebt lieber den europäischen NATO-Partnern, die er als Verlierer wähnt, den Schwarzen Peter zu. Mit ihrem brüsken Ausschlagen von Trumps Ersuchen um militärische Hilfe hätten diese gezeigt, dass sie im Nahen Osten keine Rolle spielen können und Europa »keine global denkende Macht« sei, bedauert Gujer, der sich diese Reaktion »mit dem Kotau der Politik vor einem Antiamerikanismus« erklärt, »der seit Trump gänzlich irrationale Ausmaße angenommen hat«. Hier gilt es, mit dem langjährigen jW-Chefkommentator, dem 2014 verstorbenen Werner Pirker, daran zu erinnern, dass es rationale, weil dem Frieden dienende Gründe für Antiamerikanismus gibt, während der Irrationalismus gerade in der blinden Gefolgschaft Washingtons besteht. (jW)
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