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11.04.20262 Leserbriefe
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Biologist des Tages: Science
Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt. Das saublöde Kinderlied scheint nun doch ein wenig Recht zu erhalten. Seit 1995 haben Forscher im Kibale-Nationalpark von Uganda eine mit 200 Tieren ungewöhnlich große Gruppe von Schimpansen beobachtet. Bis 2015 registrierte man wechselnde Allianzen, dann verstetigten sich zwei Gruppen, die sich zunehmend kriegerisch begegneten. Zwei Reviere wurden markiert, und vor allem die kleinere Gruppe ging aggressiv vor. Immer wieder starben Schimpansen bei Angriffen aus der jeweils anderen Gruppe.
Das Wissenschaftsjournal Science berichtet schwungvoll. Möglicherweise sei mit der Größe der Gruppe »die Kapazität zur Aufrechterhaltung von Beziehungen« überschritten worden. »Bei zunehmender Anonymisierung der Mitglieder sind andere Strukturen erforderlich, die es bei Schimpansen nicht gibt.« Plausibel so weit, doch wie die von ihnen beobachteten Tiere begeben die Primatenforscher sich in ein fremdes Gebiet, dort nach Leibeskräften zu hausen. Tatsächlich behauptet die Studie, mittels animalischer Gruppendynamik auch das gesellschaftliche Phänomen des Krieges erklären zu können. Kulturelle Faktoren wie Sprache, Religion, ethnische oder politische Zugehörigkeit seien überbetont, während die Bedeutung unmittelbar sozialen Verhaltens unterschätzt werde.
Neu ist das alles nicht. Man denkt an die Mitscherlichs, denkt an Konrad Lorenz. Letzterer schlug dann noch vor, mehr Sport zu treiben zur Abführung von Aggressionen. Was irgendwie zu mehr Frieden auf der Welt führen sollte. Dem Gänsepapa gesellen sich nun ein paar Affenflüsterer hinzu. Von Herodot und Thukydides bis Clausewitz und Lenin hat man gestritten über die Ursachen von Kriegen. Liegt das Primat bei der Politik oder bei der Ökonomie? Wir wissen jetzt, dass es bei den Primaten liegt.
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Peter Maaßen aus Frankfurt/M. 12. Apr. 2026 um 16:10 UhrEs geht um »die« Ursachen von Kriegen. »Liegt das Primat bei der Politik oder bei der Ökonomie?« Als ob Politik nicht immer auch ökonomische Wirkungen und Zusammenhänge berücksichtigen müsste und umgekehrt. Das sind doch wieder mal keine Entweder-Oder-Gegensätze, die sich ausschlössen. Dass regionale, nationale oder globale Überbevölkerungen aggressions- und damit mental kriegsbefördernd wirken könnten (abgesehen von anderweitig existenzbeeinträchtigenden oder -bedrohenden Auswirkungen), halte ich für überhaupt nicht unplausibel, im Gegenteil. Natürlich ist das dann meist nicht »die« Kriegsursache, die Welt, in der wir leben, Mutter Erde, ist vielschichtig, multifaktoriell und so gut wie nirgends monokausal. Das wird viel zu selten bedacht. Peter Maaßen, Frankfurt/M.
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Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 10. Apr. 2026 um 21:36 UhrWie sieht die Sache bei den Bonobos aus? Das kann frau in der Wikipedia lesen: »Sowohl die Weibchen als auch die Männchen in einer Gruppe etablieren ihre Rangordnung. Dabei kommt es auch zu aggressiven Interaktionen, die zwar nicht seltener, aber von deutlich geringerer Intensität als bei Gemeinen Schimpansen sind. Bei der Aggressionskontrolle kommt sexuellen Interaktionen eine wichtige Rolle zu (siehe unten). Innerhalb der Großgruppe bilden die Weibchen den Kern und übernehmen auch die Führungsrolle. Die weniger starken Weibchen laufen den Männchen den Rang ab, indem sie sich zusammenschließen. In den meisten von Forschern in freier Wildbahn beobachteten Koalitionen (85 %) greifen Weibchen Männchen kollektiv an und formen so die Dominanzhierarchie ihrer Gruppe. Eine Dominanz der Männchen über die Weibchen ist kaum zu sehen, es gibt sogar Berichte über ein ausgesprochen aggressives Verhalten der Weibchen gegenüber den Männchen.«
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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