Biologist des Tages: Science
Von Felix Bartels
Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt. Das saublöde Kinderlied scheint nun doch ein wenig Recht zu erhalten. Seit 1995 haben Forscher im Kibale-Nationalpark von Uganda eine mit 200 Tieren ungewöhnlich große Gruppe von Schimpansen beobachtet. Bis 2015 registrierte man wechselnde Allianzen, dann verstetigten sich zwei Gruppen, die sich zunehmend kriegerisch begegneten. Zwei Reviere wurden markiert, und vor allem die kleinere Gruppe ging aggressiv vor. Immer wieder starben Schimpansen bei Angriffen aus der jeweils anderen Gruppe.
Das Wissenschaftsjournal Science berichtet schwungvoll. Möglicherweise sei mit der Größe der Gruppe »die Kapazität zur Aufrechterhaltung von Beziehungen« überschritten worden. »Bei zunehmender Anonymisierung der Mitglieder sind andere Strukturen erforderlich, die es bei Schimpansen nicht gibt.« Plausibel so weit, doch wie die von ihnen beobachteten Tiere begeben die Primatenforscher sich in ein fremdes Gebiet, dort nach Leibeskräften zu hausen. Tatsächlich behauptet die Studie, mittels animalischer Gruppendynamik auch das gesellschaftliche Phänomen des Krieges erklären zu können. Kulturelle Faktoren wie Sprache, Religion, ethnische oder politische Zugehörigkeit seien überbetont, während die Bedeutung unmittelbar sozialen Verhaltens unterschätzt werde.
Neu ist das alles nicht. Man denkt an die Mitscherlichs, denkt an Konrad Lorenz. Letzterer schlug dann noch vor, mehr Sport zu treiben zur Abführung von Aggressionen. Was irgendwie zu mehr Frieden auf der Welt führen sollte. Dem Gänsepapa gesellen sich nun ein paar Affenflüsterer hinzu. Von Herodot und Thukydides bis Clausewitz und Lenin hat man gestritten über die Ursachen von Kriegen. Liegt das Primat bei der Politik oder bei der Ökonomie? Wir wissen jetzt, dass es bei den Primaten liegt.
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