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Aus: Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 1 / Titel
Solidarität mit Kuba

Tanker trotzt US-Blockade

Hilfslieferung aus Russland erreicht Kuba, »Anatoli Kolodkin« liefert dringend benötigten Treibstoff. Trump droht weiter mit Überfall
Von Volker Hermsdorf
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Nächste Hilfe unterwegs: Die »Sea Horse« transportiert 200.000 Barrel russischen Treibstoff (28.3.2026 vor Venezuela)

Der russische Tanker »Anatoli Kolodkin« hat die Seeblockade der USA um Kuba durchbrochen. Das mit Rohöl beladene Schiff erreichte die Insel am Montag und wartet im Hafen von Matanzas auf seine Entladung. Es ist die erste Lieferung, seit die US-Regierung Venezuela und Mexiko vor drei Monaten gezwungen hatte, ihre Treibstofftransporte nach Kuba komplett einzustellen.

Wie das Verkehrsministerium in Moskau am Montag mitteilte, transportiert die »Anatoli ­Kolodkin« etwa 730.000 Barrel Öl, das als humanitäre Hilfe deklariert ist. Die Ladung war Anfang März vom russischen Ostseehafen Primorsk aus verschifft worden. Während der Durchfahrt durch den Ärmelkanal wurde der Tanker von einem Kriegsschiff der Russischen Föderation eskortiert, bevor er eigenständig seine Route über den Atlantik in die Karibik fortsetzte. Ob ein zweiter Transport mit rund 190.000 Barrel Diesel aus Russland die Insel ebenfalls erreichen wird, ist derzeit unklar. Die »Sea Horse«, ein unter Hongkonger Flagge fahrender Tanker, hatte in der vergangenen Woche zunächst Trinidad und Tobago angesteuert und schließlich Kurs auf Venezuela genommen.

Am Wochenende hatte ein US-Beamter gegenüber der New York Times versichert, die US-Küstenwache werde der unter russischer Flagge fahrenden »Anatoli Kolodkin« die Durchfahrt trotz der von Washington angeordneten Seeblockade nicht verwehren. Trump selbst spielte den Vorgang an Bord der Air Force One gegenüber Journalisten herunter. »Es ist uns egal, ob jemand eine Ladung erhält, denn sie brauchen sie, sie müssen überleben«, sagte er. Gleichzeitig erklärte Trump, die Ankunft des Tankers werde »keinerlei Auswirkungen haben«, da Kuba so oder so »am Ende« sei. Am Freitag hatte er während einer Rede bei einem Treffen der Saudi Arabischen »Future Investment Initiative« in Miami noch gedroht, dass Kuba nach den Militäroperationen in Venezuela und im Iran das nächste Land sei, das sich die USA vornehmen würden.

Für die kubanische Bevölkerung kommt die Lieferung zu einem kritischen Zeitpunkt. Das Land hat seit dem 9. Januar kein Öl mehr erhalten. Seitdem legen inselweite Stromausfälle das öffentliche Leben lahm, der Verkehr ist stark eingeschränkt und selbst grundlegende Dienstleistungen sind immer begrenzter. Krankenhäuser müssen den Betrieb reduzieren, medizinische Geräte stehen zeitweise still. Besonders schwer trifft Trumps Blockade chronisch Kranke und Kinder, auch die Versorgung von Krebspatienten ist ernsthaft gefährdet.

Experten zufolge könnte die jetzt eingetroffene Lieferung des russischen Rohöls in etwa 250.000 Barrel Diesel umgewandelt werden – mit Einschränkungen reicht das gerade, um den täglichen Bedarf für knapp zwei Wochen zu decken. Doch in einer Situation, in der jeder Liter Treibstoff über das Funktionieren von Krankenhäusern, Schulen und lebenswichtiger Infrastruktur entscheidet, ist selbst diese zeitlich begrenzte Entlastung von großer Bedeutung. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hatte Kuba in der vergangene Woche deshalb weitere Solidarität zugesichert. Auch der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, bekräftigte, dass Russland bereit sei, »jede nur mögliche Hilfe« zu leisten.

Dabei stehen Russlands Ölhäfen selbst unter Beschuss. Der Hafen Primorsk, von dem das Rohöl für Kuba verschifft wurde, war wenige Tage nach dem Auslaufen des Tankers Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs. Am vergangenen Freitag setzte Kiew die Angriffe fort. Ukrainische Militärs erklärten, ihr Ziel sei es, Russlands Exportmöglichkeiten von Treibstoff und Erdölprodukten zu schwächen. Das könnte sich auch auf die Möglichkeiten auswirken, Kubas Bevölkerung weiter zu unterstützen.

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