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Aus: Ausgabe vom 04.04.2026, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Rückkehr zur Atomkraft?

»Wir sind im Zeitalter der Atomenergie«

Über die Zukunft der Atomenergie 40 Jahre nach dem Tschernobyl-Unglück und die Gefahr für die nukleare Sicherheit durch die aktuellen Kriege. Ein Gespräch mit Yousri Abushady
Interview: Dieter Reinisch, Wien
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Ein russischer Soldat bewacht den Zugang zum Atomkraftwerk ­Saporischschja (8.3.2022)

Wir lesen und hören viel von einem »Comeback der Atomkraft«. Neue Kraftwerke werden weltweit gebaut: in Burkina Faso, Belarus, Ägypten, Bangladesch und vielen weiteren Ländern. Selbst die deutsche Bundesregierung spricht mittlerweile von einem »Fehler«, dass sie Atomkraft auslaufen ließ. Wie erklären Sie sich das 40 Jahre nach Tschernobyl und 15 Jahre nach Fukushima?

Der Fehler begann am Beginn dieses Jahrtausends, als behauptet wurde, dass Atomkraft keine grüne Energiequelle ist, dass sie der Grund für Umweltverschmutzung ist und dass sie sehr gefährlich ist. Das ging damals von der sozialdemokratisch-grünen Koalition aus, die das sehr ambitionierte Atomprogramm Deutschlands beendete. Das Land hatte zu dieser Zeit 45 Kernreaktoren. Das war eines der größten Atomenergieprogramme der Welt, und viele deutsche Konzerne haben davon profitiert. Sie haben begonnen, in anderen Ländern ebenfalls Reaktoren zu bauen. So wurde der Buschehr-Reaktor im Iran ursprünglich von Siemens gebaut.

Was die Grünen aber nicht verstanden haben, war, dass die Alternative zur Atomkraft nichts anderes als Öl und Kohle ist. Das verschmutzt die Welt mehr als alles andere. Daher hat Deutschland gesagt, dass es auf erneuerbare Energien umstellt: Wind und Solar. Dabei wurden sehr große Fortschritte erzielt. Aber die Kostenfrage wurde nicht berücksichtigt. Deshalb muss nun die Förderung für Haushalte, die auf erneuerbare Energien umstellen, in Deutschland und Österreich auslaufen, weil die Kosten einfach zu hoch sind und nicht finanziert werden können. Solarenergie kann Atomkraft nie ersetzen. Windenergie kann im globalen Energiemix sehr hilfreich sein. Aber 45 Atomreaktoren, alle mit einer Leistung von 1.000 Megawatt, können durch erneuerbare Energien nicht ersetzt werden.

Frankreich hatte über 70 Reaktoren, die bis zu 80 Prozent des Stroms lieferten. Sie sind schrittweise vom Bau neuer Atomreaktoren abgegangen, da nicht mehr Atomstrom benötigt wurde. Als ich in den 1980er Jahren hier zur IAEA kam, habe ich damals die deutschen Kraftwerke kontrolliert. Da waren einige sehr moderne, sehr sichere Reaktoren dabei. Die wurden daraufhin ans Netz gebracht, doch wurde ihre normale Lebensspanne nicht ausgenutzt.

Wie viele Jahre umfasst diese normale Spanne?

Die normale Lebensdauer eines Kernreaktors beträgt mindestens 40 Jahre. Mit ein paar Modifizierungen und Wartungen lässt sich diese leicht auf 60 oder 70 Jahre verlängern. Doch lange zuvor wurden mehrere neue Reaktoren stillgelegt. Es gibt nun Gespräche, um einige davon wieder ans Netz zu bringen. Denn sie sind immer noch in einem sehr guten technischen Zustand. Es würde nicht viel kosten, diese wieder ans Netz zu bringen. Von der Atomkraft abzugehen war damals eine westliche Entscheidung. Auch die USA hatten kein großes Interesse daran, dies intensiv fortzusetzen.

Welche technologischen Pfade wurden in der Folge beschritten?

Es kam zu zwei entscheidenden Entwicklungen am Markt: einerseits die Entwicklung neuer russischer Designs nach der Katastrophe von Tschernobyl. Ich möchte betonen, dass das Design des Reaktors, nämlich des Graphit-Siedewasserreaktors, enorm unsicher ist. Wenn die Radioaktivität steigt, ist dieser Reaktortyp einfach eine Atombombe – das ist es, was in Tschernobyl passiert ist. Dieses Design existiert heute nicht mehr. Auch das Design von Fukushima haben wir heute nicht mehr. All diese Reaktoren wurden durch Leichtwasser- und Schwerwasserreaktoren ersetzt.

Die Russen haben das sehr rasch erkannt und begannen früh mit der Entwicklung von VVER-Reaktoren, darunter der kleine Reaktor VVER-440. Sie haben in einigen osteuropäischen Ländern diese Modelle gebaut, etwa in Ungarn, der Slowakei und Rumänien. Sie arbeiten problemlos, doch sie produzieren nicht sehr viel Energie. Daher begannen die Russen, den VVER-1000 zu entwickeln. Das war ein großer Schritt vorwärts. Aus den Erfahrungen von Fukushima und anderen Unfällen zogen sie die Lehren und begannen 2011 mit der Entwicklung des VVER-1200. Gleichzeitig haben sie die Sicherheit aller Reaktoren entscheidend verbessert. Sie nennen dies nun »Reaktoren der 3. Generation plus«. Das sind nun die modernsten der Welt. Rund 50 Anlagen dieses Typs hat Russland bisher weltweit verkauft: in Belarus, in Russland selbst, vier in der Türkei, zwei in Ägypten und zwei in Bangladesch.

Was war neben der Entwicklung moderner russischer Reaktoren der zweite Meilenstein, der den Markt veränderte?

China. Etwa vor 20 Jahren hat das Land beschlossen, dass Atomkraft zur Hauptenergiequelle werden soll. Um das zu erreichen, haben sie mit allen Unternehmen des Sektors Verträge geschlossen – westlichen, östlichen, einfach mit allen. Sie haben Leichtwasser-, Schwerwasser- und sogar Druckwasserreaktoren gebaut, wodurch sie innerhalb kurzer Zeit zum Land mit den zweitmeisten Reaktoren nach den USA wurden. Ich glaube, am Ende hatte Frankreich 56 Reaktoren, und China hat nun knapp 60. Sie haben Reaktoren aus Russland, Frankreich und den USA gebaut; gleichzeitig wurden ihre nationalen Unternehmen besonders konkurrenzfähig.

Vor zehn Jahren gab es noch keine eigene chinesische Nuklearindustrie. Jedes Jahr findet hier im Gebäude die IAEA-Generalkonferenz statt. In den letzten Jahren stellen chinesische Unternehmen immer wieder neue Forschungsergebnisse und Technologien vor. Darunter sind auch die kleinen Kernreaktoren, sogenannte SMRs. Das ist ein Wettstreit unter verschiedenen nationalen Nuklearunternehmen.

Wer zählt außer der Volksrepublik, der Russischen Föderation und den USA noch zu den großen Playern?

Indien hat ebenfalls ein großes Atomprogramm. Das für Schwerwasserreaktoren wurde in Kooperation mit Kanada aufgebaut. Doch als es mit dem indischen Atomwaffenprogramm in Verbindung geriet, stieg Kanada aus. Aber das indische Atomprogramm ist mittlerweile eigenständig. Sie haben 26 Reaktoren gebaut und eine neue Generation von Thorium-Reaktoren entwickelt. Zu den fünf großen Kernkraftländern gehört auch Südkorea. Das dortige staatliche Unternehmen ­KEPCO ist führend. Sie haben 28 Reaktoren gebaut. Aber sie konnten ihre Technologie nicht verkaufen. Das einzige Land, das südkoreanische Reaktoren gekauft hat, waren die Vereinigten Arabischen Emirate, VAE. Sie haben in Barakah vier Reaktoren gebaut. Jeder einzelne hat eine Kapazität von 1.600 Megawatt – die gehören zu den größten Reaktoren weltweit.

Wieso kann Südkorea seine Reaktoren nicht verkaufen?

Sie versuchen es sehr, auch an Ägypten vor ein paar Jahren. Ich war damals an den Gesprächen beteiligt und habe mich auch dagegen ausgesprochen. Der Grund ist, dass viele einzelne Bestandteile für die südkoreanischen Reaktoren in den USA lizenziert sind. Das bedeutet, dass die US-Regierung zustimmen muss. Die VAE haben diese Lizenzen erhalten, da sie den ABC-Vertrag, manchmal auch 1-2-3-Vertrag genannt, mit den USA unterzeichnet haben. Der besagt, dass das Land selbst kein Uran anreichern darf. Größter Verkäufer von Lizenzen für Atomkraftwerke ist derzeit die russische Rosatom, aber die staatlichen chinesischen Nuklearunternehmen sind sehr im Kommen, insbesondere in Afrika.

Bei der Generalkonferenz der IAEA hat die Agentur im September die globale Energieprognose 2050 vorgestellt. Kann der weltweite Energiebedarf nicht ohne Kernkraft gedeckt werden?

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25 Prozent der Energie stammen derzeit aus der Kernenergie. Dieser Wert wird sich wohl bis 2050 auf 30 Prozent oder mehr erhöhen. Ohne Kernkraft werden die Ziele für saubere Energiegewinnung nicht erreicht werden können. Andere saubere und erneuerbare Energien haben Beschränkungen, sie können nicht dieselbe Leistung in so kurzer Zeit bringen. So kann Solarenergie nicht dieselbe Leistung liefern, und die Kosten sind deutlich höher. Solarenergie kann in Europa nicht ständig Energie liefern, und eine Kilowattstunde kostet ein Vielfaches der Kosten der Kernkraft. Doch das wird in den Medien nicht erwähnt. Für mich ist das alles nur Propaganda. Wind- und Solarenergie sind sehr wichtig, aber mit ihnen allein können die Ziele der sauberen Energiegewinnung nicht erreicht werden. Wir sehen es also deutlich, und wir sehen es jetzt: Das Zeitalter der Kernkraft kommt zurück. Dazu gehört auch die verbesserte Sicherheit.

Wie gefährden die aktuellen Kriege die nukleare Sicherheit?

Die Situation in Saporischschja ist sehr gefährlich. Die sechs Reaktoren sind unter russischer Kontrolle. Alle sechs werden derzeit nicht genutzt, obwohl es das größte Kernkraftwerk Europas ist. Es gibt immer wieder Angriffe, und die Ukrainer werfen den Russen vor, das Atomkraftwerk anzugreifen. Das ist verrückt: Wieso sollte Russland sich selbst angreifen, wenn es es ohnehin schon kontrolliert? Permanente IAEA-Inspektoren sind dort und berichten von regelmäßigen Angriffen. Das ist ein großes Risiko.

Ähnliches passiert derzeit in Buschehr. Ich bin immer davon ausgegangen, die USA lassen es nicht zu, dass Israel Buschehr angreift, denn das könnte zu einem riesigen Unglück für die ganze Region führen. Vor allem die Golfstaaten, aber auch der Irak wären betroffen. Buschehr ist seit 2012 am Netz. Die Arbeiten haben gestoppt, aber im Kern gibt es hochradioaktives Material. Auch der Kühlpool der abgebrannten Brennstäbe ist gefüllt. Angriffe könnten zu einer Freisetzung großer Mengen nuklearen Materials führen. Es wäre keine Katastrophe wie Tschernobyl, aber dennoch birgt es eine Gefahr. Ich denke, dass die USA ihren Verbündeten Israel gewarnt haben, Buschehr nicht anzugreifen, doch sie haben es dennoch bereits mehrmals getan. Das bereitet mir große Sorgen.

In Deutschland sind die Sicherheit und auch die Endlagerung ein großes Thema. Über einen langen Zeitraum hinweg fanden jedes Jahr Proteste gegen die Transporte nach Gorleben statt. In der Öffentlichkeit ist das eine entscheidende Frage. Die Atomkraftwerke sind sicher, sagen Sie. Aber wohin mit dem Atommüll?

Es gab atomare Unfälle. Wir haben bereits über Tschernobyl gesprochen. Das war das schlimmste Unglück, das hätte passieren können. Aber ich glaube nicht, dass es sich wiederholen kann – niemals. Das Problem war damals die Sowjetunion, die nicht alle ihre Reaktoren deklariert hatte. Niemand wusste, wie Tschernobyl gebaut war. Ich war damals bereits Nuklearexperte, und ich habe so eine Technologie, wie sie in Tschernobyl verwendet wurde, zuvor noch nirgendwo gesehen. Es war ein großer technischer Fehler. Aber wir haben diesen Teil der Geschichte hinter uns gelassen. Ich hatte nur große Sorge, als die Ukraine die Grenze zu Russland überschritten hat. In der Region Kursk gibt es nämlich noch Kernkraftwerke desselben Typs wie in Tschernobyl. Der ukrainische Angriff war also sehr riskant.

Aber Sie haben recht: Wenn wir uns den CO2-Ausstoß anschauen, ist die Kernkraft zwar eindeutig eine saubere Energiequelle. Aber deshalb ist sie keine vollständig saubere Energie, denn es bleibt die Frage nach abgebrannten Brennelementen. Wir haben diese Problematik auch im Ukraine-Krieg gesehen. In Tschernobyl werden immer noch Zehntausende Brennstäbe gekühlt. Dafür muss es eine Lösung geben, doch die meisten Lösungen sind nur temporär: Die Brennstäbe werden in trockenen Containern an abgeschiedenen Orten gelagert. Das macht auch Deutschland so. Das funktioniert aber nicht für immer; es ist eine Lösung, die vielleicht 100 Jahre lang funktioniert. Das sind also mittelfristige Lösungen.

Wird an langfristigen Lösungen gearbeitet?

Auch hier war Deutschland zunächst führend und kooperierte mit Finnland und Schweden. In sehr großer Tiefe, etwa in aufgelassenen tiefen Stollen, 2.000 Meter unter der Erde, werden die Brennstäbe komprimiert und anschließend in Kanistern aufbewahrt. Diese sind jedoch nicht traditionelle Container, sondern Kupferkanister, die einem hohen Widerstand standhalten.

Ich habe an den Planungstreffen teilgenommen. Tief unter der Erde sollen Betonräume gebaut werden, in denen diese Container im Trockenen für Tausende von Jahren gelagert werden können. Selbstredend müssen sie da immer beobachtet werden. Eine der zentralen Fragen in den Planungstreffen war, wie die Inspektoren der IAEA die Sicherheit der Container in dieser großen Tiefe kontrollieren können.

Es gab lange Gespräche und Planungen. Daher war ich um so glücklicher, als ich sah, dass Finnland letztes Jahr die erste derartige Lagerung in 1.000 Metern Tiefe begonnen hatte. Deutschland hatte auch bereits fortgeschrittene Pläne, aber die Finnen waren die ersten, die sie umsetzen konnten. Gelingt dieses Experiment, wird das letzte Hindernis, Atomenergie zu einer wirklich sauberen Energie zu machen, hinter uns gelassen. Ich glaube, dazu wird es in naher Zukunft kommen.

Wir haben bereits von den SMRs, den kleinen Kernreaktoren, gesprochen. Sie sind derzeit häufig in den Medien und werden auch von der IAEA sowie von vielen Ländern als die Zukunft der weltweiten Energiegewinnung propagiert. Was sind überhaupt SMRs?

SMRs sind Reaktoren, die bis zu 300 Megawatt Leistung liefern. Sie wurden ursprünglich sehr früh von einer privaten US-Firma entwickelt, gerieten jedoch in Vergessenheit. Fast 40 Jahre hat niemand was von ihnen gehört. Doch dann stießen Länder wie Jordanien wieder auf die Idee. Das lag an mehreren Gründen. Einerseits wollte Jordanien zwei Reaktoren mit 1.000 Megawatt bauen. Aber ein kleines Land wie Jordanien braucht nicht 2.000 Megawatt. Dann gab es auch von vielen Seiten politischen Druck auf Jordanien, diese großen Reaktoren nicht von Russland bauen zu lassen. Statt dessen wurde ihnen schmackhaft gemacht, kleinere Reaktoren zu bauen.

Dann kam auch Saudi-Arabien dazu. Sie hatten ein ambitioniertes Atomprogramm angekündigt. Bis 2030 wollte der Kronprinz eine große Anzahl von Reaktoren am Netz haben. Aber bisher ist kein einziger fertiggestellt, der Strom liefern kann. Das liegt auch daran, dass sich Saudi-Arabien geweigert hat, das ABC-Abkommen mit den USA zu unterzeichnen, das ich bereits im Zusammenhang mit Südkorea erwähnt hatte.

In Ägypten war ich der Designer von SMRs. Das Stromnetz dort ist groß, deckt aufgrund der Wüste jedoch nicht das ganze Land ab. Das Netz zu erweitern, kostet sehr viel Geld. Die Idee war daher, dass anstelle der Erweiterung SMRs errichtet werden. Welche mit 50 Megawatt können Strom für 200.000 Menschen liefern.

Die Frage der Sicherheit stellt sich auch bei SMRs, weil es zwar kleinere, aber dennoch Kernkraftwerke sind, und die Brennstäbe bestehen ebenso aus leicht angereichertem Uran. Schlussendlich ist es eine politische Frage gewesen: Warum soll ich einen Reaktor mit 50 Megawatt bauen, wenn in Ägypten, aber auch in der Türkei und Saudi-Arabien Reaktoren mit 1.200 Megawatt gebaut werden können und der Bedarf dafür in diesen Ländern ebenfalls besteht? Ich bin kein Gegner der SMRs, aber aus wirtschaftlicher Sicht bin ich von ihnen nicht überzeugt.

Yousri Abushady ist Professor emeritus für Nukleartechnologie an der Universität Alexandria und war bis 2009 fast 25 Jahre lang Leiter der Sicherheitsabteilung der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) mit Sitz in Wien. In dieser Position war er für die IAEA-Inspektoren zuständig, die weltweit die Sicherheit nuklearer Einrichtungen überwachen. Heute ist er weiterhin als Berater bei der IAEA tätig und Mitglied des Foreign Affairs Council in Ägypten. Dieses Gespräch fand in der IAEA-Zentrale am Sitz der Vereinten Nationen in Wien statt.

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  • Leserbrief von B. Krumm (16. April 2026 um 11:01 Uhr)
    Einigermassen befremdlich finde ich dieses Interview mit einem Lobbyisten der Atomindustrie ausgerechnet in einer linken Zeitung, in der Solidarität angeblich einen eher hohen Stellenwert hat.vielleicht Vielleicht kann Opa Yousri Abushady ja ein fettes AKW für Kuba organisieren? Da lässt sich doch bestimmt was drehen;)
    und das bisschen Müll, was anfällt, lässt sich doch easy im Kaimangraben entsorgen. In 7–8 km Tiefe ist das Zeug doch prima aufgehoben. Das bringt bestimmt auch noch lustigere Tiefseebewohner hervor! Und die kosten erst-null!!! Herr Abushady ist doch so ein Starökonom;)
  • Leserbrief von Kurt Kutz aus Neuried (14. April 2026 um 10:39 Uhr)
    Liebe Redakteur/innen, der obige Artikel in einer linken Zeitung hat mich sehr aufgeregt. Auch weil mit Lügen nur so um sich geworfen wurde und der Journalist vollständig auf kritische Fragen verzichtet hat.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Grit R. aus Rostock (11. April 2026 um 13:32 Uhr)
    Gottseidank werden in der jW verschiedene Meinungen repräsentiert und nicht nur die eigene. Auch noch ohne Gott, merci :)
  • Leserbrief von Dr. Wolfgang Doster aus Erding (10. April 2026 um 11:17 Uhr)
    Schon die Überschrift ist falsch, wir befinden uns eindeutig im Zeitalter der erneuerbaren Energien. Dieses Zeitalter wird von China angeführt. China setzt primär auf Solarenergie, davon lenken auch einige Powerpointreaktoren nicht ab. Es ist besser von einem toten Pferd zu steigen, bevor es anfängt zu stinken. Die Junge Welt hat sich vor den falschen Karren spannen lassen. Die Kernenergie ist weder sicher, keine Versicherung der Welt versichert ihre Risiken, noch ist sie wirtschaftlich, besonders im Hinblick auf die Altlasten: Die Reaktorhülle in Tschernobyl wurde mit ca. 4 Milliarden Euro, von der EU finanziert, also von uns. 1986 konnte man auch in Deutschland die Milch von Weidekühen nicht trinken. Alles vergessen? Deutschland will »kriegstüchtig« werden, dabei lagern ca. 1000 Castorbehälter mit abgebrannten Brennstäben ungeschützt an alten KKW-Standorten. Wenige bombenbestückte Drohnen würden genügen, um Deutschland für viele Jahre unbewohnbar zu machen. Wer heute noch auf Atomenergie setzt, will eine Atombombe. Das war schon seit Franz Josef Strauß und dem Garchinger Atomei ein deutscher Traum, der jetzt wieder neu aufgelegt wird. Zu diesem Thema Volker Quaschning, Professor für erneuerbare Energien: Momentan vergeht kaum ein Tag, an dem CDU, CSU, FDP und AfD nicht über die Zukunft der Kernenergie philosophieren. Dabei ist Kernenergie für die Energiepolitik in Deutschland inzwischen völlig sinnlos. Die Energiekonzerne winken ab. Warum reden Merz, Söder und Weidel dann immer noch darüber? Ist es mangelnder technisch-ökonomischer Sachverstand, reiner Populismus oder gibt es vielleicht sogar einen ganz anderen Grund? Geht es ihnen möglicherweise bei der Diskussion gar nicht um deutsche Kernkraftwerke, sondern um die Option einer Atombombe für Deutschland? Die Fakten sprechen dafür, wie dieses Video zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=0vR88n6LT_Q Dr. Wolfgang Doster Erding
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (9. April 2026 um 10:31 Uhr)
    Das Interview ist eine angenehme Ausnahme im ansonsten energiepolitischen Einheitsbrei in den hiesigen linken Medien. Der Aufschrei bei den Lesern ist groß: »Was hat wohl die Redaktion geritten«; »Atomkraft-Lobbyisten«; »warum gibt die jW ihm Raum dafür?«; »Mich trifft der Schlag«; »Selten so einen Unsinn gelesen«; »Dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht der Atomkraftgegner. (…) Ich würde mich freuen, wenn zeitnah ein ebenso aufwendiger Artikel von einer/m aus der Antiatomkraftbewegung erscheint, um diese hier vertretene Position wieder geradezurücken.« Kommt einmal im Jahr ein Experte zu Wort, der eine andere Meinung vertritt, muss das sofort geradegerückt werden. Wenn Pomrehn, Wurzbacher und andere in der jW gefühlt hundert Mal im Jahr für die »erneuerbaren« Energien (kann man Energie erneuern?) trommeln, hat das natürlich nichts mit Lobbyismus zu tun. Die empörten Reaktionen waren zu erwarten, schließlich befinden wir uns in Deutschland, dem Land mit der erfolgreichsten Antiatomkraftbewegung der Welt.
  • Leserbrief von Frank Graf aus Marburg (8. April 2026 um 18:21 Uhr)
    Das Gespräch mit Professor Abushady sollte innerhalb der politischen Linken zum Anlass genommen werden, die ökonomisch wie politisch fatale Unterstützung der sog. »Energiewende« deutscher Provenienz zu beenden und auf den energiepolitischen Kurs der erfolgreichsten linken Partei unserer Epoche, der chinesischen KPCh, einzuschwenken. Die deutsche »Energiewende« in ihrem bornierten Ansinnen, ausschließlich auf die Energieträger Wind und Sonne zu setzen, hat hierzulande eine fatale Deindustrialisierungsdynamik ausgelöst, die Energiekosten für Bürger und Unternehmen stark in die Höhe getrieben und sehr viele gutbezahlte Arbeitsplätze gekostet. Die Volksrepublik China hingegen entwickelt alle vorhandenen Energieträger und setzt diese in einem ökonomisch sinnvollen Maß und Rahmen zur Energieversorgung des Landes ein: Der starke Ausbau regenerativer Energien steht dort nicht im Gegensatz zu den weiter stark genutzten fossilen Energieträgern und – worauf Abushady aufmerksam macht – dem Aufbau einer avancierten eigenen Nuklearindustrie. Der wirtschaftliche Erfolg bestätigt die chinesische Politik: China ist die führende Industrienation der Welt, immer mehr deutsche Unternehmen, die auf ausreichend günstige Energie in der Fertigung angewiesen sind, verlagern ihre Produktion nach Fernost. Soll Deutschland nicht mittelfristig als deindustrialisiertes Armenhaus enden, braucht es eine Energiewenden-Wende. Die durch den Krieg gegen den Iran ausgelöste Angebotskrise auf den Energiemärkten sollte erst recht Anreiz sein, sich um verstärkte wirtschaftliche und politische Kooperation mit den BRICS-Staaten zu bemühen: Mit russischem Gas und Öl sowie avancierter chinesischer (Nuklear-)Technik gibt es eine gute Chance, die ramponierte deutsche Industrie wieder flott zu bekommen. Schließlich gilt insbesondere in ökonomischen Fragen der Satz des legendären Deng Xiaoping: »Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz oder weiß ist, wenn sie eine Maus fängt, ist sie eine gute Katze.«
  • Leserbrief von Thomas Bohlender (8. April 2026 um 12:31 Uhr)
    Selten so einen Unsinn gelesen. Da darf Professor Yousri Abushady unwidersprochen falsche Angaben zur Energieversorgung in Deutschland machen und den Lesern die alten Märchen der Atomlobby auftischen: 45 AKWs hätten um die Jahrtausendwende in Deutschland Strom produziert und die Atomenergie könne durch erneuerbare Energien wie Solar und Wind nicht ersetzt werden. Überdies sei Solarstrom um ein »Vielfaches« teurer als Atomstrom. Die Realität sieht eindeutig anders aus. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland genau 19 AKWs, die 34 Prozent des Stroms produzierten. Wind und Solar haben die AKWs längst mehr als ersetzt. Im Jahr 2025 erzeugten sie 55 Prozent des Stroms, also weit mehr, als die AKWs jemals in der Lage waren. Auch die Gestehungskosten bei Wind- und Solarstrom von 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde liegen weit unter denen des Atomstroms mit 20 bis 50 Cent pro Kilowattstunde. Bei der globalen Energieerzeugung irrt Abushady ebenfalls gewaltig. Er geht aktuell von einem Anteil von 25 Prozent Atomstrom aus. In Wirklichkeit sind es nur 2 Prozent der gesamten Energiegewinnung und nur 9 Prozent der globalen Stromerzeugung. Solche Experten, die versuchen, mit Falschbehauptungen die teuerste und gefährlichste Stromerzeugungsform wieder salonfähig zu machen, braucht die Welt nun wirklich nicht.
  • Leserbrief von Franz Wagner aus Heilbronn (8. April 2026 um 12:28 Uhr)
    Mich trifft der Schlag: Zwei Seiten pure Atom-PR in der Osterausgabe der jungen Welt. Ein Akteur aus dem Zentrum der weltweiten Atommafia, der IAEA/IAEO, darf seine faulen Märchen zu angeblicher Sicherheit, Sauberkeit und Klimafreundlichkeit und zum Atommüll erzählen. Sehr geschickt, wie er jedes unleugbare Problem umdreht und eine vorgeblich sichere Atomzukunft herbeibetet. Doch: Atomkraft ist nicht sauber, Tschernobyl und Fukushima waren keine Ausreißer, der Atommüll ist nicht beherrschbar, Atomanlagen im Krieg und bei Kriegsgefahr sind fürchterliche Zeitbomben. Antrieb für Atomkraft war und ist immer und überall der Drang zur Atombombe, weil beide technisch und politisch engstens verknüpft sind. Das »Zeitalter der Atomenergie« ist ein Zeitalter von brutalstem Kapitalismus und Imperialismus. Nein danke!
  • Leserbrief von Thomas Bernard aus Karlsruhe (8. April 2026 um 12:08 Uhr)
    Herr Abushady vermittelt den Eindruck, dass die Atomenergie auf gutem Wege ist, doch noch zu einer »sauberen« und billigen Energie zu werden. Er behauptet, dass die Produktionskosten billiger als bei regenerativen Energien sind. Das mag vielleicht für die »nackten« Produktionskosten stimmen. Aber die Kosten von Unfällen und die jahrtausende(!)lange Sicherheitsverwahrung sind hier nicht einkalkuliert. Das hat mich entsetzt, dass Herr Reinisch diese Aussage so stehen ließ. Weiterhin suggeriert Herr Abushady, dass das Problem der Endlagerung bald gelöst sei – nur weil Finnland nun erste Versuche mit einem 1000 Meter tiefen Lager macht. Das ist für mich Propaganda! Dass Herr Abushady als langjähriger Vertreter der IAEA diese Positionen vertritt, ist verständlich. Aber das darf doch nicht so unkommentiert stehen bleiben!
    Meine Analyse ist, dass das Problem an der Wurzel gepackt werden muss. Der künftige Energiebedarf muss »gesenkt« werden, so dass die Welt in 25 Jahren überwiegend regenerativ versorgt werden kann. Herr Abushady suggeriert, dass die
    Energiebedarfsprognose bis 2050 unabänderlich in Stein gemeißelt ist. Man müsste z. B. intensiv diskutieren, wie viele Rechenzentren für KI-Anwendungen mit den Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. (7. April 2026 um 16:49 Uhr)
    1. Zitat: »[…] dass die Alternative zur Atomkraft nichts anderes als Öl und Kohle ist.« Wieder ein Fachmann, der nur innerhalb der kapitalistischen Großmannssucht denkt – mehr Konsum, mehr Verbrauch, mehr Müll, mehr Strom. Alle diesbezüglichen Heilsversprechen erwiesen sich als unwahr – und dass setzt sich fort. Es gibt kein umweltfreundliches Dauerwachstum – weder mit Atomkraft, noch mit Elektromobilität usw. Die Reichen quälen die Armen und die Natur für ihren kapitalistischen Wachstumswahnsinn. 2. Zitat: »Aber ich glaube nicht, dass es sich wiederholen kann – niemals.« Ein Ingenieur bzw. Professor – in höchstverantwortlicher Position! – der etwas glaubt – das dann aber absolut. Wahrhaft unglaublich …
  • Leserbrief von Joachim Seider aus Berlin (5. April 2026 um 14:33 Uhr)
    Es ist ein wenig seltsam, in der jW zu lesen, dass es sich bei der Atomkraft um eine saubere Art der Energiegewinnung handele. Genau so argumentieren die großen Energiekonzerne, die sich dann aus dem Staub machen, wenn der Atommüll zu entsorgen ist. Die Gesellschaft möge dafür sorgen, dass die entstehenden Risiken beherrscht werden können. Wie und mit welchem Aufwand das erfolgen soll, interessiert dabei nicht. Es wird nicht reichen, wenn uns Yousri Abushady versichert, der Betrieb dieser Kraftwerke sei inzwischen ohne Risiko. Das verniedlicht die Tatsache, dass die Nuklearenergie eine Hochrisikotechnologie ist und bleibt. Für die gilt das in der Mathematik unbestrittene Theorem, dass auch Ereignisse mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit mit absoluter Sicherheit eintreten werden. Die Techniker wollten das vor Harrisburg nicht wahrhaben, jetzt sollen sogar schon Tschernobyl und Fukushima abgehakt sein. Und das, obwohl bei Saporischja und Buschehr zur Zeit nur noch Beten zu helfen scheint. Hier zeigt sich, dass die gesellschaftlichen Risiken bereits mehrfach größer sind als die technischen. Warum gibt Abushady Entwarnung? Und warum gibt die jW ihm Raum dafür?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Peter B. aus Hamburg (5. April 2026 um 07:18 Uhr)
    Dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht der Atomkraftgegner. Wir haben in Brokdorf usw. demonstriert – letztlich mit Erfolg und auch wegen des Problems der Endlagerung (das hier angesprochen wird und weiterhin ungelöst bleibt – u. a. wegen möglicher Erdbeben). Ich würde mich freuen, wenn zeitnah ein ebenso aufwendiger Artikel von einer/m aus der Antiatomkraftbewegung erscheint, um diese hier vertretene Position wieder geradezurücken.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Monika B. aus Karben (4. April 2026 um 23:51 Uhr)
    Yousri Abushady ist ein wohl in Ehren ergrauter Experte für die Sicherheit von Atomkraftwerken. Er hält sie für die zuverlässigste saubere Energiequelle. Moderne Reaktoren könnten bis zu 100 Jahre unfallfrei betrieben werden. Atomstrom sei billiger als Solar- oder Windstrom. Und wenn es gelinge, abgebrannte Brennelemente 2.000 Meter tief in Betonkammern trocken über Tausende Jahre zu lagern, dann sei auch das letzte Hindernis dafür, Atomenergie zu einer wirklich sauberen Energie zu machen, überwunden. Die realen Schäden und Gefahren vom Uranabbau bis zum fertigen Brennelement? Die immensen staatlichen Subventionen für die Entwicklung? Die ständigen Rückschläge bei der Suche nach geeigneten Endlagerstätten? Die Kosten für Rückbau, Zwischen- und Endlagerung? Reden wir nicht drüber. Dann ist die Welt wieder in Ordnung und wir müssen uns nur fragen: Warum haben wir Trottel die Atomkraftwerke abgeschaltet?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Lothar Z. aus Hamburg (4. April 2026 um 21:58 Uhr)
    Was hat wohl die Redaktion geritten, mit einem so reißerischen Titel einem Atomkraft-Lobbyisten wie Herrn Abushady Gelegenheit zu geben, nicht nur die Vorteile der Atomenergie – nach Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima, Saporischja – anzupreisen, sondern darüber hinaus die Leistungsfähigkeit vor allem von Wind- und Solarenergie in Frage zu stellen? Die Gefahren für die Sicherheit von AKWs, die von Kriegen – auch dem gegenwärtigen Irankrieg – ausgehen, muss er zwar einräumen, ohne sich aber veranlasst zu sehen, Abstriche an seiner beschönigenden Beurteilung vorzunehmen. Die Frage nach der Sicherheit von atomaren Endlagern kann er nur mit seinen Hoffnungen begründen: Nachdem er zuvor ständig von der Atomenergie als einer »sauberen« Energie gesprochen hat, lässt er die Katze aus dem Sack, indem er das finnische Atomlager als »Experiment« bezeichnet, das erst nach dessen Gelingen die Atomenergie »zu einer wirklich sauberen Energie machen kann«. Verantwortung für die Lebensbedingungen späterer Generationen sieht anders aus. Ich kann das Motiv der jungen Welt, dieses Interview zu veröffentlichen, nur in einer versteckten Aufforderung an die Leserinnen und Leser vermuten, ideologiekritisch an die Auslassungen eines Lobbyisten heranzugehen. Glauben kann und will ich das aber nicht. Mein Befremden bleibt bestehen. Was war also das Motiv?

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