Diskursprofis des Tages: Gysi, Bartsch, Ramelow
Von Nico Popp
Unternehmen »Silberlocke«, zweiter Teil: Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow schlagen wieder zu, und zwar diesmal via Tagesspiegel »gegen Israel-Gegner in der eigenen Partei«. »Wir wehren uns entschieden gegen Aktivistinnen und Aktivisten in unserer Partei und deren Umfeld, die sich antizionistisch nennen und eigentlich meinen, Israel solle von der Landkarte verschwinden«, erklären die drei bekannten Autoritäten für das, was »eigentlich« gemeint ist, wenn die niedersächsischen Genossen den »heute real existierenden Zionismus« kritisieren, in einem Gastbeitrag.
Das gemeinsame Auftreten der drei Haudegen, deren im Herbst 2024 unter Fanfarenklängen angekündigte Direktkandidaturen in drei Wahlkreisen um ein Haar das letzten Hurra der dann wie Lazarus doch noch einmal aus dem Grab gestiegenen Linkspartei gewesen wären, verrät, dass es beim aktuellen Spektakel um »Antisemitismus in der Linkspartei« um Dinge geht, die über zufälligen Krawall hinausgehen.
Die Bedeutung von Gysis 2008 gehaltener Rede über Israel und die »Staatsräson« für die langfristige staatstragende Zurichtung der Linkspartei wird bis heute unterschätzt. Damals war die wesentliche und wortreich vermittelte Botschaft die, »dass der einstige Antiimperialismus in linken Diskursen, falls er es je konnte, nicht mehr sinnvoll plaziert werden kann«. Aber um Israel ging es bei näherem Hinsehen damals (und heute) gar nicht. »Der Begriff des Imperialismus trifft aber auf Israel auf jeden Fall nicht zu«, wusste Gysi 2008 schon.
Die wesentliche Idee war immer, der hiesigen Staatsgewalt und dem »Westen« die imperialistische Qualität abzusprechen, um der Parteinahme für diese Staatsgewalt das Aroma des Erklärungsbedürftigen zu nehmen. Merkwürdigerweise muss diese Einsicht alle paar Jahre »sinnvoll plaziert« werden.
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