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Netto-Linke
Streit um Diätendeckel
Der kühne Plan des Linke-Vorstandes, beim Parteitag im Juni einen Antrag beschließen zu lassen, der die Bundestagsabgeordneten der Partei verpflichten würde, ihre Diäten auf dem Niveau des Durchschnittslohns von 2.850 Euro netto zu deckeln, hat die Bundestagsfraktion auf die Beine gebracht – und zwar nicht, weil stehend gejubelt wird. Inzwischen ist klar, dass die Mehrheit der Abgeordneten gegen das Vorhaben ist. Hinter verschlossenen Türen wird geschimpft, und ein paar Entschlossene fahren auf offener Bühne schwere Geschütze auf. Eine peinliche Situation, denn die Partei brachte sich gerade in Stellung, um die anstehende, von ihr abgelehnte Erhöhung der Abgeordnetendiäten – im Sommer sollen sie auf dann über 12.000 Euro steigen – zu skandalisieren.
Der Antrag ist unter dem Gesichtspunkt der politischen Begriffsbildung rundheraus zu begrüßen. Alle Beteiligten lernen dazu. Parlamentarier, von denen auch aufmerksame Beobachter des politischen Betriebs noch keine Gelegenheit hatten, Notiz zu nehmen, stellen sich nun vor. Michael Moses Arndt zum Beispiel, Arzt, »Herausgeber des Hardcore-Punk-Fanzines Zap« (Wikipedia), seit 2025 MdB und schon kometengleich auf dem Weg zum Bannerträger des Hardcore-Flügels in der Diätenfrage: »Wir wollen die Politik im Land sozial machen. Aber wir sind eine politische Partei und nicht die Awo oder die Volkssolidarität.« Das hat Arndt dem Spiegel gesagt.
Auch Bodo Ramelow zeigt, wie er loslegen kann, wenn ihn ein Thema wirklich gepackt hat. Erst lederte er in einem Brief gegen die Parteispitze (»politische Täuschung«), dann schaltete er das Schiedsgericht ein, um den Antrag zu stoppen (»verfassungswidrig«) – ein bemerkenswerter Schachzug, denn bisher blieb es immer der Parteitagsregie überlassen, unerwünschte Anträge zu versenken. Aber in diesem Fall will Ramelow offensichtlich nichts anbrennen lassen: 12.000 Euro oder 2.850, das ist schon ein Unterschied. Es ist doch »schräg«, befand er im März auf seiner Webseite, dass »unsere Partei uns aufgibt«, ein »niedrigeres Nettoeinkommen zu haben als das, was wir unseren Mitarbeitenden zur Verfügung stellen«. Auch die Worte »Neid« und »Missgunst« finden sich in diesem Text. Dabei ist Ramelow doch einer, der Opfer bringt: Als er 1999 seine »Bereitschaft erklärte«, für die PDS zu kandidieren, tat er das, obwohl »das Bruttoeinkommen als Landesvorsitzender der Gewerkschaft HBV damals deutlich höher lag als die Diät im Thüringer Landtag«.
Nicht nur dieses Lamento zeigt: In der Parteispitze besteht ganz offenkundig eine erstaunliche Unklarheit darüber, was die eigene Partei ist (eben nicht die Arbeiterwohlfahrt). Was in der Öffentlichkeit als »Die Linke« stattfindet, ist zu 95 Prozent das Bewegungsgeräusch derjenigen, die von der Partei leben – und zwar nicht schlecht. Wer hier »deckelt«, legt sich mit einer Sozialschicht an, die ihre Interessen so rigoros vertritt wie die Zahnärztelobby – und der es vollkommen egal ist, wie das ganze Schauspiel bei Wählern ankommt, für die 2.850 Euro netto im Monat ein durchaus üppiges Einkommen sind.
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Regi Hansen aus Kollund 12. Mai 2026 um 21:46 UhrDer Satz im Artikel mit den »95% Bewegungsgeräusch« gefällt mir und bringt mich darauf, dass es sich bei »Die Linke« wohl eher um ein vermarktbares Label handelt als tatsächlich um eine linke Partei.
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Sehr geehrter Herr Ramelow (ich erwähne Sie hier zuerst, des Alters wegen), sehr geehrter Herr Arndt (Sie stehen natürlich Herrn Ramelow in nichts nach, besonders in der politischen Auffassung). Es freut mich sehr, dass sie große Summen spenden und sich sehr engagiert für die Bezüge der Abgeordneten einsetzen. Denn wie ich finde, sind 11.833€ zu wenig, wenn einer ein solcher Großspender ist wie sie beide. Dass diese dummen Wähler, diese ganzen blöden Arbeiter*innen, Lohnabhängigen und Arbeitslosen mit ihren Gehältern und Bezügen kaum über die Runden kommen, können sie beide doch nichts dafür. Wo kämen wir dahin? Sie sind doch in einer politischen Partei und nicht bei der Volkssolidarität (gibt es diese wirklich?). Der Arbeitersamariterbund, was hat »Die Linke« mit Arbeiter*innen zu tun? Diese fürchterlichen, nach Schweiß stinkenden Dummköpfe, die kaum zu glauben für unter 2850€ arbeiten gehen. Hinfort mit euch, wir haben in der Partei das Sagen. Ach, sie beide haben mich glücklich gemacht. Ich muss der Partei »Die Linke« nichts mehr spenden, das haben Sie schon übernommen. Ach, Verzeihung, nein, Sie können das ja nicht, sind ohnehin schon knapp bei Kasse. Nun, was soll’s? Ich brauche nichts mehr spenden, bald muss ich nicht mal mehr Mitgliedschaft bezahlen, weil es die Partei nicht mehr lange geben wird. Sie können wie echte Deutsche stolz auf sich sein. Haben Sie vielen lieben Dank. »Sie müssen ›Die Linke‹ wirklich abgrundtief hassen.« Und ich kann meiner Lieblingszeitung mehr zukommen lassen. Liebe Grüße, Fromm.
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Hans Buchhalter 10. Mai 2026 um 11:19 UhrParteimaximum: Das haben wir seinerzeit in der PDS lokal auch schon versucht. Und sind gescheitert. Die Linke ist eben eine SPD 2.0, wo kleine Leute mit gutem Gewissen Karriere machen können, und die soll sich doch schließlich lohnen. Ohne eine Basis (imperatives Mandat), die sich auch mal traut, die Dümmsten und Faulsten rauszuschmeißen, wird das leider nichts. Mal sehen, wie lange das die Basis mitmacht, man sieht ja bei der SPD, wohin das geht. Freilich, der letzte macht das Licht aus, nachdem er sich vorher noch ordentlich bedient hat, siehe wieder SPD.
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