Rohstoffwettlauf in Down Under
Von Thomas Berger
Der globale Kampf um strategische Rohstoffsicherung, auch im Hinblick auf die laufende Energiewende, spitzt sich zu. Die Europäische Union und die BRD als größte Volkswirtschaft des Staatenverbundes sind daran beteiligt. Neuerdings hat, da die Versorgung aus anderen Quellen mit immer mehr Risiken belastet ist, ein regelrechter Run auf die Bergbaunation Australien eingesetzt. Sowohl die USA als auch die Europäer wollen sich im größten Industrieland der Südhalbkugel verstärkten Zugriff auf dortige Vorkommen sichern. Bereits Ende Oktober unterschrieben US-Präsident Donald Trump und der australische Premier Anthony Albanese in Washington einen Vertrag, der eine Kooperation bei der »Sicherstellung von Reserven« vorsieht. Das Volumen der Vereinbarung bezifferte Albanese dabei auf 8,5 Milliarden US-Dollar.
Nun ziehen die Europäer, die bereits im Mai 2024 einen Grundsatzvertrag geschlossen hatten, nach: Am 17. November haben die European Investment Bank (EIB), vertreten von ihrer Vizepräsidentin Nicola Beer, und die Regierung in Canberra in Person ihres Botschafters bei der EU, Angus Campbell, ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der »kritischen Rohstoffe« unterzeichnet. Die schon bestehende Kooperation solle dabei auf der gesamten Kette von Lagerstättenerkundung (Exploration) über Förderung und Verarbeitung bis zum Recycling gestärkt und ausgeweitet werden, heißt es. Über ihre Tochter EIB Global ist die EIB allein bis 2027 laut eigener Aussage mit 100 Milliarden Euro geplantem Investitionsvolumen für Partnerschaftsprojekte – auch in dieser speziellen Hinsicht – im Rahmen der EU-Initiative Global Gateway ausgestattet.
Auch die »nachhaltige Entwicklung« des Sektors will man damit angeblich unterstützen – was immer sich konkret hinter dieser wohlklingenden Phrase verbergen mag. Denn die Bergbaubranche mit ihren oft noch viele Jahrzehnte nachwirkenden Umweltfolgen ist klassischerweise das Gegenteil von umweltfreundlich.
Was zuvor noch reichlich allgemein klang, haben EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und die australische Rohstoffministerin Madeleine King am 20. November in Melbourne näher besprochen. Šefčovič kündigte an, »sehr bald« eine Liste konkreter gemeinsamer Vorhaben vorzulegen. »Wir haben die erste Auswahl an Projekten getroffen, bei denen wir unser offizielles Interesse erklären«, zitierte Reuters den EU-Vertreter. Offen ist laut seinen Aussagen nur die konkrete Ausgestaltung. Denkbar seien ein direkter Einstieg der europäischen Seite, langfristige Abnahmegarantien oder auch gemeinsame Investitionen.
»Meine Regierung macht unseren Sektor kritischer Mineralien zu einem der größten der Welt«, hatte sich Albanese in den USA gebrüstet. Das Abkommen mit Trump, so die französische Le Monde, kam genau rechtzeitig als Signal für die International Mining and Resources Conference (IMARC), die wenig später in Sydney startete.
Die australische Labor-Regierung hatte 2024 ihre Pläne publik gemacht, eine strategische Reserve von 31 kritischen Mineralien im Umfang von 1,2 Milliarden Australischen Dollar (gut 670 Millionen Euro) aufzubauen. Dazu gehören nicht nur Lithium, bei dessen Förderung Australien mit 33 Prozent Weltmarktführer ist, sondern auch Nickel und Kobalt, die alle vor allem in Batterien zum Einsatz kommen. Ebenso jene Elemente, die unter dem Begriff seltene Erden zusammengefasst sind – bei diesen verfügt bislang die Volksrepublik China eine marktbeherrschende Stellung, hatte ihre Exporte zuletzt aber drastisch eingeschränkt. Auch die Weiterverarbeitung von Lithium findet bislang zu 57 Prozent in China statt. Laut der staatlichen Agentur Geoscience Australia (Datengrundlage von 2023) reichen die gesicherten Lithiumreserven mit Förderung in den derzeit sieben Minen noch rund 42 Jahre. 38 Jahre sind es bei Kobalt, 30 bei Nickel, knapp 50 bei den seltenen Erden – je nach Schätzung auch noch rund 25 bis 30 Jahre länger, wenn bisher nicht genau vermessene Vorkommen einbezogen werden.
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