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25.03.2026
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Bedeutung tragen: Kleidung
Früher trugen Frauen Kleider und Männer Anzüge, da war vieles leichter. Denn wenn es eine Wahl der Kleidungsstücke gibt, dann hat sie auch Bedeutung. Das Relikt der Brusttasche am Hemd ist so verbreitet und »normal«, dass es weniger Geschmack- als Gedankenlosigkeit kundtut: Kellner ist ein ehrenwerter Beruf, aber warum soll jeder Hemdträger aussehen, als serviere er hauptberuflich Bier und Haxen? Wozu also der pektorale Aufnäher? Zum Entleeren des Kugelschreibers? Zum Befüllen des Fusselsiebs der Waschmaschine mit Papierresten?
Derlei funktionslos gewordene Überbleibsel gibt es in der Kleidung viele, aber meist laden sie sich symbolisch auf. Der Trenchcoat oder Grabenmantel zum Beispiel hat noch Atavismen aus der Armee, für die er entwickelt wurde, insbesondere die Schulterklappen für die Rangabzeichen. Wir denken aber nicht mehr an das Militär bei ihm, wie unweigerlich beim Tarnmuster auf neuerer Kleidung, sondern je nach Laune und Träger an Exhibitionismus, Casablanca, Derrick, Frühstück bei Tiffany’s oder – genau! – den Schlemihl aus der »Sesamstraße«.
Die Nietenhose in Bleu de Nîmes weckt keine Cowboyromantik und keine Rebellionsgefühle mehr, der Trainingsanzug wird überall, nur nicht beim Training, getragen, und doch sprechen sie, wenn nicht Bände, so doch kleinere Broschüren über ihre Träger. In gewissen Kreisen setzt man auch in geschlossenen Räumen Schirmmützen auf. Das Käppi oder die Kappe ist nicht nur mit dem Cape verwandt, wie uns die Tarnkappe zeigt, die ja auch weniger hut- als mantelartig ist, sondern auch die Kapelle, also kleine Kirche und Musikverein, hat über Sankt Martin mit dem hässlichen Ding zu tun, das längst weltpräsidentielle Weihen erhalten hat.
In Deutschland ist wie immer alles noch ein wenig komplizierter. Der Freitag zeigte neulich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit Kufija, vormals Pal(est)i(nenser)tuch oder bei BAPs »Müslimän« von 1982 »ne Schal vum Al-Fatah«. Was da alles mitschwingt, recherchieren Sie aber bitte alleine.
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