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Konsum

Vierecke blasen: Kaugummi

Foto: imagebroker/imago
Runde Blasen kann jeder

Die Geschichte des Kaugummis ist eine Geschichte von Irrtümern und Missverständnissen. Oder war das diese alte Werbung für Hygieneartikel? Jedenfalls ist sie lang und erstaunlich, denn schon die Griechen und Römer hatten Kaugummis. In Schweden kauten Steinzeitkinder bereits auf Gummiartigem, als es weder Ackerbau und Viehzucht noch Schultische zum Drunterkleben gab. Die Süßware bestand seinerzeit aus Birkenpech, und die Forscher meinen aus den Zahnabdrücken der Fundstücke herauslesen zu können, dass die Kinder schon damals versuchten, Kaubirkenpechblasen zu machen. Das erinnert die Comicnärrin unweigerlich an Donald Ducks Neffen, die in Carl Barks’ zauberhaftem »Land der viereckigen Eier« den Frevel begehen, runde Blasen zu machen, und nur deshalb der dafür üblichen lebenslangen Zwangsarbeit entgehen, weil sie kurz zuvor das Rätsel der Herkunft besagter Eier gelöst hatten – sie stammen von viereckigen Hühnern. Bedingung für den Straferlass ist allerdings, dass sie viereckige Blasen produzieren, was ihnen mit Hilfe des quadratischen Gefieders tatsächlich gelingt.

»Leo Trotzki schrieb (dem Kaugummimagnaten William) Wrigley ein wahrhaft historisches Wirken zu. Er und die anderen Kaugummiproduzenten hätten den amerikanischen Arbeitern das Kaugummikauen beigebracht und damit die proletarische Revolution in den Vereinigten Staaten vereitelt, da das Kaugummikauen die Arbeiter daran hindere, über die Stellung ihrer Klasse nachzudenken«, weiß die Wikipädie. Kann man so sehen. Nach der mesolithischen und antiken Vorgeschichte boomte der Zahnlückenfüller erst wieder nach dem Ersten Weltkrieg. Seither hoffen wir in Europa vergeblich auf eine weitere revolutionäre Morgenröte und ärgern uns über die Myriaden festgetretener Kaugummis auf den Bürgersteigen. Da aber gibt es Hoffnung. Der Londoner Ben Wilson betreibt Sachentschädigung, indem er die hässlichen Gummiflatschen insbesondere auf der Milleniumbrücke mit Lackstiften zu Mikrokunstwerken macht, die bei manch einem zu Irrtümern und Missverständnissen führen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.04.2026, Seite 10, Feuilleton

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  • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 16. Apr. 2026 um 09:11 Uhr
    Das Interessante dabei: Das geblasene Viereck ist dreieckig, wohin man auch schaut. Die Frage ist nur, ob das entsprechende Huhn auf der Spitze steht oder die stabilere Dreiecksbasis vorzieht, wenn es seine Eier legt. Und ob sich diese in die Erde bohren oder zur Seite fallen. So viele Fragen und trotzdem kein richtiges Viereck.
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