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Religion & Politik

Fiese Sache: Himmel auf Erden

Foto: IMAGO/imagebroker
»Das jüngste Gericht«, Altarbild von Pere Mates (Malerei auf Holz, 16. Jahrhundert)

Für die dialektisch-historische Materialistin sind die religiösen Überzeugungen geschichtlicher Akteure nicht von Bedeutung, für diese aber schon, und mitunter von der größten. Macht und Rohstoffe sind gut und schön, aber die göttliche Mission will auch verfolgt werden, und sei es am Bildschirm. Es ist ungerecht: Wir sollen und wollen niemandes religiöse Gefühle verletzen, aber unsere Intelligenz darf ungestraft beleidigt werden.

Gerade legen monotheistische Internetseiten mit großem, nein: heiligem Ernst dar, wie in der Bibel und im Koran schon alles, was zur Zeit passiert, vorhergesagt wurde, man muss es nur zu deuten wissen. Und zur Erfüllung vielleicht noch ein bisschen nachhelfen, zum Beispiel einen Tempel wieder aufbauen, wo zwischenzeitlich dummerweise einer von der Konkurrenz errichtet wurde, oder machen, dass an den heiligen Orten nur die richtigen Menschen wohnen. »In meinem zweieinhalbtausend Jahre alten Buch steht, dass ich und meine Leute hier Wohnrecht haben, also packen Sie Ihre Sachen und verschwinden Sie, sonst mache ich Ihnen Beine.« Das ist ernst gemeint. »Amis raus aus USA, Winnetou ist wieder da« nicht.

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Heiligbitterernst ist immer mehr Männern und sehr wenigen Frauen an den Hebeln und roten Knöpfen auch, dass am Ende der Messias oder der zwölfte Imam kommt und die große Abrechnung stattfindet. Wie genau alles bis dahin abläuft, wer wie oft verlieren muss, um endlich zu siegen, ist Gegenstand laufender Kontroversen (bei Karat ist es siebenmal). Ganz am Ende bleiben jedenfalls erstaunlich schlanke 144.000 über, steht ja so in der Offenbarung (sieben und 14). Stellen Sie sich vor, das ist nicht symbolisch, sondern wörtlich gemeint, Sie sind, warum auch immer, einer der Glücklichen und fahren also am Tag JG (Jüngstes Gericht) schnurstracks ins himmlische Obergeschoss. Was ist da oben los? Demographisch kaum mehr als in Bergisch Gladbach, etwas weniger als in Leverkusen. Ja, aber ohne Bayer-Kreuz und Heidi Klum, es sei denn, die ist auch auserwählt. Na dann, Halleluja.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.04.2026, Seite 11, Feuilleton

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