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Comic

Betroffenheit befiel die Phaiaken

Kinder, aufgepasst: Nicolás Schuffs und Mariana Ruíz Johnsons handliche Comicadaption der »Odyssee« im Insel-Verlag

Foto: Insel Verlag/Suhrkamp
Oh, wie schön ist Ithaka!

Es wäre ein reizvolles Thema für eine Doktorarbeit, die Comicadaptationen der »Odyssee« miteinander zu vergleichen. Aber Vorsicht: Es gibt Regalmeter davon, angefangen mit den Micky-, Goofy- und Donald-Versionen aus dem Disney-Multiversum über Andreas Kieners »Odysseus« bei Edition Moderne, wo es mehr um den Autor geht, dann den zehnten Teil der 27bändigen Reihe »Mythen der Antike« bei Splitter, geleitet vom Hans Dampf (oder besser Jean Vapeur) in allen Gassen und Medien Frankreichs, Luc Ferry, oder das an dieser Stelle schon besprochene erotisch-fantastische Popstück mit gleichem Namen von Georges Pichard und Jacques Lob (junge Welt, 7.3.2025).

Weil die Struktur des so wirkmächtigen Werks für das heutige Publikum etwas sperrig ist, haben sich in jüngerer Zeit gewisse Adaptionsgepflogenheiten entwickelt. Die Handlung der 24 Gesänge wird in chronologische Reihenfolge gebracht und konzentriert sich auf neun bis zwölf, das heißt, das Göttergedöns und die ganze zweite Hälfte in Ithaka werden aufs Allernötigste eingedampft. Vor allem versucht niemand mehr wie noch Johann Heinrich Voß, Homers Hexameter nachzudichten.

Nun hat der nicht gerade auf Comics spezialisierte Insel-Verlag eine neue Interpretation aus Argentinien herausgebracht. Das Büchlein richtet sich an Kinder ab zwölf, aber die Zeichnungen könnten, wenn sie etwas verschnörkelter wären, auch von Axel Scheffler stammen. Grausamkeiten wie das Gemetzel von Odysseus und Telemachos an den Freiern ihrer Frau bzw. Mutter sind FSK 6. Die Herzen »hüpfen vor Freude« oder »schlagen wie verrückt«, meist ist die Sprache aber angemessen erhaben-antikisierend: »­Betroffenheit befiel die Phaiaken.« »Das Schiff schnitt durch die Wellen. Der Zorn des Poseidon war verraucht.« Mal was anderes als Ostwind und Harald Töpfer, auch weil am Ende so viele Fragen offenbleiben: Woher all diese komischen Namen? Wie hängen die ganzen Götter miteinander zusammen? Was hat das alles zu bedeuten?

→ Nicolás Schuff (Text)/Mariana Ruíz Johnson (Zeichnungen): Die Odyssee. Aus dem argentinischen Spanisch von Kim Laura Franzke. Insel-Verlag, Berlin 2026, 191 Seiten, 18 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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