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Aus: Ausgabe vom 25.03.2026, Seite 10 / Feuilleton

Iwerks, Voß, Novalis

Von Jegor Jublimov
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Ub Iwerks bei der Arbeit

Wer hat die Micky Maus erfunden? Walt Disney? Er war zwar ein leidlich begabter Zeichner und gewiefter Unternehmer, aber von ihm stammt nicht mal sein berühmter eigener Namenszug. Mit dem gleichaltrigen Ub Iwerks befreundete er sich mit 18 und bemerkte bald das Potential des aus Missouri stammenden Zeichners. Als er sein eigenes Studio eröffnete, war »Ubbe Iwwerks« Walts erster Angestellter. Dessen Vater war Ostfriese aus der Gegend um Aurich und 1869 in die USA ausgewandert. Die beiden Freunde Walt und Ub entwickelten in den 1920er Jahren Trickfilmserien um »Alice« und »Oswald, den lustigen Hasen«. Nach dem Verlust der Rechte an Oswald kam Iwerks auf die Idee, einen ähnlichen Nager zu schaffen – diesmal eine Maus. So wurde Micky geboren, bis heute die berühmteste Maus der Welt. Iwerks machte 1930 einen Fehler, verließ Disney, um im eigenen Studio die Serie »Flip der Frosch« herzustellen, der leider kein dauerhafter Erfolg beschieden war. Disney war sauer, aber nach fünf Jahren nahm er seinen Jugendfreund wieder in sein Studio auf. Jetzt begann Iwerks, technische Raffinessen zu entwickeln, darunter die Multiplankamera, die ermöglichte, dass Zuschauer regelrecht ins Bild eintauchen konnten, Unterwassereffekte und vieles mehr. In den 60er Jahren gewann Iwerks einen Oscar. Mit 70 Jahren starb er. Am 24. März jährte sich sein Geburtstag zum 125. Mal.

Zeitgenossen waren die Dichter Johann Heinrich Voß, dessen 200. Todestag am Sonntag begangen wird, und der um etwa zwei Jahrzehnte jüngere Novalis, dessen Todestag am 25. März schon 225 Jahre zurückliegt. Für beide war ihre Herkunft prägend. Voß war Sohn eines früheren Kammerdieners und Enkel eines ehemaligen Leibeigenen. Musisches Talent kam vom anderen Großvater, einem Organisten. Voß konnte eine höhere Schule in Neubrandenburg besuchen, später in Göttingen Theologie studieren. Mit 23 übernahm er dort die Redaktion eines Musenalmanachs. In Eutin wurde er mit 31 Gymnasialdirektor, trat in Austausch mit vielen Größen der Goethe-Zeit und verbrachte den Lebensabend in Jena und Heidelberg. Er trat für Religionsfreiheit ein, galt als geistig unabhängig. Als Übersetzer hat er mit der Ilias und der Odyssee, aber auch mit der ersten deutschen Übertragung aus »Tausendundeiner Nacht« (Quellentext war Antoine Gallands Anfang des 18. Jahrhunderts erschienene französische Übersetzung) Bleibendes geleistet. Auch seine Epigramme behalten ihre Gültigkeit. Klingt nicht »Wer hastig alles glaubt, was ein Verleumder spricht, ist Dummkopf oder Bösewicht« wie ein Kommentar zu heutigen »sozialen« Medien?

Zeitgenosse Novalis schrieb: »Je länger ein Mensch Kind bleibt, desto älter wird er.« Das macht Angst, wenn man an einen kindischen, bösen Politiker in Übersee denkt. Der Frühromantiker Friedrich von Hardenberg aus einem niedersächsischen Adelsgeschlecht, der sich Novalis nannte, starb schon mit 28 Jahren in Weißenfels an einem Blutsturz. Trotzdem hatte Novalis, der u. a. Jura und Bergwerkskunde studierte, mit seinen poetischen wie auch theoretischen Schriften großen Einfluss auf Nachgeborene wie Karoline von Günderrode, Heinrich Heine, Richard Wagner bis hin zur Rockband Novalis oder dem Filmemacher und Poeten Herwig Kipping.

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