Rüstungsfabrik in Tschechien brennt
Von Dieter Reinisch
Der tschechische Regierungschef Andrej Babiš hätte am Wochenende beim Treffen der Rechtskonservativen in der ungarischen Hauptstadt Budapest sprechen sollen. Doch als sein Flieger dahin bereits in der Luft war, drehte er um. Der vorgebrachte Grund: Am frühen Freitag morgen war ein Brand in der Fabrik des Rüstungskonzerns LPP Holding in der tschechischen Stadt Pardubice ausgebrochen.
Eine bisher unbekannte Gruppe, die sich »Erdbebenfraktion« (Earthquake Fraction) genannt haben will, bekannte sich auf Telegram: »Der Standort ist zentral für die europäischen Aktivitäten von Israels größtem Waffenhersteller Elbit. Jetzt steht er in Flammen«, hieß es. Die Technologie, die Waffen und das Kapital, die »zur Aufrechterhaltung der imperialen und zionistischen Gewalt benötigt werden, sind alle in unserer Reichweite«, wird von der angeblichen Gruppe weiter postuliert. Der Telegram-Kanal ist seither verschwunden, eine Homepage existiert noch. Dort finden sich auch Videoaufnahmen und ein weiteres »Communique #1«: »Am 20. März 2026 schlugen wir im Epizentrum der israelischen Waffenindustrie in Europa zu. In Pardubice wurde das ›Kompetenzzentrum‹ von Elbit Systems in Zusammenarbeit mit LPP neu errichtet, um die globale Expansion von Israels größtem Waffenhersteller zu unterstützen. Während das Entwicklungs-, Produktions- und Ausbildungszentrum leerstand, griff ›Earthquake Fraction‹ ein, zerstörte die Anlagen und setzte die Fabrik in Brand«, ist darin zu lesen.
Eine LPP-Sprecherin bestätigte, dass es in einem ihrer Betriebe zu einem Brand gekommen sei. Das Unternehmen stellt nach Angaben auf seiner Internetseite unter anderem Drohnenmotoren und Zielfernrohre für Gewehre her. Wie die Agentur CTK berichtete, kooperiert die Firma mit dem israelischen Rüstungskonzern Elbit bei der Entwicklung und Herstellung von Drohnen.
Die Feuerwehr teilte mit, dass eine Halle vollständig zerstört und ein Verwaltungsgebäude beschädigt worden sei. Insgesamt seien mehr als 50 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Der Brand sei gegen 4 Uhr morgens ausgebrochen und bis zum Nachmittag gelöscht worden.
Innenminister Lubomír Metnar berief eine Sitzung des Krisenstabes der Regierung am Freitag abend ein, an der auch Babiš teilnahm. Danach schrieb dieser auf X: »Ich halte die neuen Informationen über den Brand in Pardubice, der möglicherweise im Zusammenhang mit dem Konflikt in Gaza absichtlich gelegt wurde, für sehr besorgniserregend.« Mittlerweile spricht das Innenministerium von einem »Terroranschlag«.
Im Juni 2025 fand ein Besuch mehrerer tschechischer Wirtschaftsbosse in der Elbit-Zentrale in Israel statt. Das Unternehmen kündigte daraufhin an, »mit dem hochmodernen tschechischen Hersteller Fermat« zu kooperieren. Die tschechische Ingenieurskunst sei für Elbit von großer Bedeutung, schrieb die tschechische Botschaft in Tel Aviv auf ihrer Homepage. Elbit bezieht zudem einen erheblichen Teil seiner Rohstoffe aus Tschechien. Durch den Besuch sollten die »regionalen Lieferketten« gestärkt werden.
»Dieser Besuch markierte einen bedeutenden Fortschritt in der tschechisch-israelischen industriellen Zusammenarbeit, insbesondere in den strategischen Bereichen Verteidigungstechnologie und fortgeschrittene Fertigung«, hieß es von seiten der Botschaft. Eine Sprecherin von LPP behauptete am Freitag auf Medienanfrage, die Kooperation mit Elbit habe noch nicht begonnen.
Aus Ungarn sandte Viktor Orbán eine Videobotschaft nach Prag: »Der Terroranschlag in Tschechien ist eine Warnung. Wir werden Ungarn und die Sicherheit des ungarischen Volkes schützen und uns mit Premierminister Andrej Babiš und dem tschechischen Volk solidarisieren.« Ungarn und Tschechien gehören zu jenen Ländern, die am repressivsten gegen die Gazasolidaritätsbewegung vorgehen. Nahezu alle Proteste wurden in beiden Ländern seit 2023 verboten. Seit Freitag berichten mehrere Aktivisten aus Tschechien, dass sie vom Geheimdienst zu Hause besucht und eingeschüchtert wurden. Der Brand in Pardubice erinnert an die Aktionen von »Palestine Action« (PA) gegen Elbit in Großbritannien. Einer der PA-Gefangenen, die im Herbst 2025 in den Hungerstreik traten, ist der Tscheche Jonáš Cink, der im Gefängnis Bronzefield inhaftiert ist.
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