-
08.05.2026, 18:42:12
- → Kapital & Arbeit
Chinesische Konkurrenz, Wachstum, Arbeitskräftepotential: Bundesbankchef benennt Herausforderungen für das deutsche Kapital
Berlin. Bundesbankpräsident Joachim Nagel macht die wachsende chinesische Konkurrenz für den Verlust von Weltmarktanteilen der deutschen Exporteure mitverantwortlich. »Die deutlichsten Fortschritte bei der Wettbewerbsfähigkeit Chinas sind in der Elektroindustrie, im Automobilsektor und im Maschinenbau zu erkennen«, sagte Nagel am Freitag abend laut Redemanuskript auf einer Veranstaltung in Darmstadt. »Also Branchen, in denen Deutschland traditionell besonders stark ist«, so Nagel weiter.
Die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen spiele eine Rolle für den deutlichen Rückgang der Exporte nach China. »Ebenso relevant dürfte allerdings auch das in den vergangenen Jahren schwache Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft gewesen sein«, betonte Nagel. Zwischen 2021 und 2025 seien die deutschen Ausfuhren dorthin um ein Fünftel gesunken. Besonders stark betroffen sind demnach die Fahrzeugexporte, die sich seit 2021 praktisch halbiert hätten. Dies mache mehr als 60 Prozent des Exportrückgangs nach China aus.
Die schwache Exportentwicklung sei aber nur ein Symptom grundlegenderer Probleme. »Die deutsche Wirtschaft wächst allgemein nicht mehr so wie früher«, betonte der Bundesbankchef. Für die kommenden Jahre gehen die Fachleute der deutschen Notenbank nur noch von einer jährlichen Potenzialwachstumsrate von rund 0,4 Prozent aus. »Diese Zahl ist ein Warnsignal«, sagte Nagel.
Ein Problem sei die Entwicklung der Erwerbstätigen. Deren Zahl habe Ende 2025 wohl ihren Höhepunkt erreicht, während die der Geburten im vergangenen Jahr auf ein Nachkriegstief fiel. Deutschland altere stärker als andere Länder. Das Erwerbspersonenpotenzial werde künftig voraussichtlich schrumpfen, was wiederum das Produktionspotenzial drücke. »Deutschland sollte alles daransetzen, das Arbeitsangebot zu erhöhen«, forderte Nagel deshalb.
Eine Möglichkeit bestehe darin, Teilzeitbeschäftigte, die oft mehr arbeiten möchten, dabei zu unterstützen, die Arbeitszeit zu erhöhen. Dies gelte insbesondere für Frauen. Die Jahresarbeitsstunden je Erwerbstätigen seien in Deutschland niedriger als anderswo. »Ein Grund hierfür sind finanzielle Fehlanreize bei Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Transferleistungen, die zusätzliche Arbeit oft weniger attraktiv machen«, kritisierte Nagel. Ein weiteres großes Hindernis sei das unzureichende Betreuungsangebot für Kinder und pflegebedürftige ältere Menschen.
Nagel verlangte außerdem »mehr arbeitsmarktorientierte Zuwanderung«. Hier biete das reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz Chancen. Darüber hinaus müsse das Potenzial ausgeschöpft werden, das ältere Arbeitskräfte böten. »Es erscheint sinnvoll, den frühestmöglichen Renteneintritt – und anschließend nach 2031 das gesetzliche Rentenalter – an die Lebenserwartung zu koppeln«, sagte Nagel. Wenn zudem die Möglichkeit des abschlagsfreien vorzeitigen Ruhestands nach 45 Beitragsjahren entfiele, hätten deutlich weniger Menschen einen »Anreiz«, verfrüht aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Diese Schritte würden zusammengenommen den Arbeitskräftemangel verringern und das Potenzialwachstum stützen sowie die Finanzierung des Rentensystems stärken. (Reuters/jW)
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!