Gegründet 1947 Donnerstag, 19. Februar 2026, Nr. 42
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Aktuell

  • 02.01.2026 19:30 Uhr

    LL-Wochenende: Wir sehen uns!

    Aktionsbüro
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    Besuchen Sie die Rosa-Luxemburg-Konferenz! Kommen Sie nach Berlin-Wilhelmsruh! Ein Treffen mit Tausenden Gleichgesinnten gibt Kraft und Mut für die vielfachen Auseinandersetzungen, die uns 2026 – politisch wie gesellschaftlich – bevorstehen.

    Es lohnt sich, gleich das ganze Wochenende zu planen:

    • Am Freitag, 9. ­Januar, findet um 20 Uhr das Theaterstück »Ich bin Rosa« mit Jülide Kural, einer der bekanntesten Schauspielerinnen der Türkei, im Babylon Berlin statt, das wir gerne empfehlen (mit deutschen Untertiteln, 25 Euro, https://babylonberlin.eu/programm/live/live-event/9537-theater-ich-rosa-luxemburg).
    • Sonnabend, der 10. Januar, steht im Zeichen der Rosa-Luxemburg-Konferenz: Karten und alle weiteren Informationen sind erhältlich unter jungewelt.de/rlk. Es wird in Berlin-Wilhelmsruh auch eine Tageskasse geben. Einlass ist ab 10 Uhr, um 11 Uhr beginnt das Programm (bis 20 Uhr).
    • Am Sonntag, dem 11. Januar, findet das traditionelle LL-Gedenken an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde statt. Die Demo startet um 10 Uhr am U-Bhf. Frankfurter Tor. Wir sehen uns!
  • 29.12.2025 19:30 Uhr

    »Wenn’s knallt, knallt’s – im besten Sinne«

    Über musikalische Verständigung, eine Stimme für die Stimmlosen und über Musik, die keine Pässe braucht. Ein Gespräch mit der Band Kontrast
    Hagen Bonn
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    Vom Leben erzählen: Kontrast im Bilde

    Politisch, sozial und kulturell entstammen Ihre meisten Bandmitglieder dem Milieu des Arbeiter- und Kulturvereins DIDF bzw. der DIDF-Jugend. Die ist für ihr antifaschistisches, antimilitaristisches Engagement bekannt. Sieht sich Kontrast als Botschafter dieser Bewegung?

    Das gehört zu unserer Geschichte, da sind wir politisch und kulturell groß geworden. Das hat uns geprägt, keine Frage. Aber wir sind nicht nur »hochpolitische Menschen«. Wir sind Arbeiterkinder, Musiker, ein Freundeskreis, Familienmenschen, Partygänger, Zweifler und Träumer. Wir tragen mehrere Identitäten in uns. Unsere Musik ist nicht nur dafür da, irgendwen zu belehren oder eine Organisation zu vertreten, sie erzählt einfach das Leben, das wir kennen – mit all seinen Widersprüchen.

    Die aktuellen sozialen Kämpfe weltweit, aber auch in Deutschland, nehmen an Schärfe zu. Besonders der Genozid in Gaza hat in Deutschland zu einer vermehrten Repression gegen propalästinensische Aktivisten geführt. Wie haben Sie das erlebt?

    Was gerade weltweit passiert, spüren wir alle. Besonders das, was in Gaza passiert, lässt viele von uns nicht kalt. Gleichzeitig merken wir, dass es immer schwerer wird, offen darüber zu sprechen, ohne direkt in eine Ecke gestellt zu werden. Das erleben wir auch im eigenen Umfeld, bei Konzerten, im Freundeskreis, auf der Straße, auf der Arbeit oder in der Uni. Für uns ist klar: Es geht um Menschenleben, um Würde, um das Recht, nicht wegzuschauen – auch dafür singen wir. Die Stimme der Stimmlosen! Wir sind keine Politiker, aber wir sind auch nicht apolitisch. Musik war für uns schon immer ein Ort, an dem man Gefühle rauslassen kann, wenn Worte allein nicht mehr reichen.

    Sie sind recht viele Musiker, mal zu acht, manchmal zu neunt. Da ist von der E-Gitarre bis zur Saz, der anatolischen Laute, alles dabei. Genauso vielfältig sind Ihre Muttersprachen. Wie verständigt man sich da etwa über einen ABBA-Hit, den man mit einem türkischen Song mixt?

    Am Ende läuft das viel einfacher, als man denkt. Einer fängt an zu spielen, der nächste steigt ein, und irgendwann merkt man: Das passt – schließlich sind wir Musiker, die verschiedenste Musikrichtungen und Stile beherrschen; genau das macht uns aus. So auch sprachlich, ob Deutsch, Türkisch, Kurdisch oder Englisch: Wenn der Groove stimmt, sprechen wir alle dieselbe Sprache. Wenn wir einen ABBA-Song mit einem anatolischen Lied mischen, dann nicht, weil das »clever« ist, sondern weil wir hören, dass es funktioniert. Musik kennt keine Pässe. Wenn’s knallt, knallt’s – im besten Sinne.

    Wie geht es künstlerisch weiter? Sie waren im Studio, was erwartet uns da? Und wann?

    Wir waren im Studio und haben an neuen Sachen gearbeitet. Es wird auf jeden Fall nach Kontrast klingen, diesmal vielleicht ein Stück roher, direkter. Wir lassen uns da nicht stressen. Lieber bringen wir Songs raus, hinter denen wir wirklich stehen, als irgendwas Halbgares. Wann genau – sagen wir bald. Aber live wird man das auf jeden Fall zu spüren bekommen.

  • 23.12.2025 19:30 Uhr

    No future? Nur für das Kapital!

    Wir schmieden unsere Pläne öffentlich – bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar 2026
    Sebastian Carlens
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    Nach vorne schauen: Die Rosa-Luxemburg-Konferenz ist der Jahresauftakt der Linken im deutschsprachigen Raum. (Konferenz in Berlin 2025)

    Gelegentlich muss man sich einfach mal wieder treffen. Videocalls, E-Mails und Sprachnachrichten ersetzen eben nicht die persönliche Zusammenkunft. Im Oktober beispielsweise hat sich eine Fraktion des deutschen Kapitals im luxuriösen Wintersportort Seefeld (Tirol) zum »Moving Mountains«-Gipfel zusammengefunden. Eingeladen hatten die beiden verglühten Politsternchen Sebastian Kurz (früherer österreichischer Kanzler) und Karl-Theodor zu Guttenberg (ehemaliger CSU-Verteidigungsminister). Ihre Kapitalfraktion war einmal das, was boshaft als »Transatlantifa« bezeichnet wurde. Von Springers Medien hochgeschrieben, über die üblichen Skandale gestürzt und nun auch noch mit Liebesentzug vom US-amerikanischen »großen Bruder« gestraft. Aktueller Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Guttenberg und Kurz hatten vorab angekündigt, worum es gehen sollte: In »sechs intensiven intellektuellen Sitzungen« sollten Themen, »die unsere Zeit prägen«, behandelt werden, »vom Potential künstlicher Intelligenz bis hin zum Wandel der geopolitischen Ordnung«. Außerdem werde es um »aktuelle Herausforderungen im Bereich der Sicherheit« sowie um »die Entwicklung von Innovationen und künstlicher Intelligenz bei Dual-Use-Produkten« gehen.

    Man kann sich das vorstellen: Charaktermasken und Geldsäcke dealen bei Lachsschaumschnittchen und Schampus mit der Zukunft von Millionen Menschen – im geheimen. Aufgedeckt wurde das Elitentreffen erst vom österreichischen Magazin Profil. Die aktuelle Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, zufällig auch Lebensgefährtin Guttenbergs, will als »Privatperson« daran teilgenommen haben, außerdem »waren neben Ministern auch arabische Royals und milliardenschwere Investoren unter den rund 80 geladenen Gästen«, berichtet Spiegel online. Vermutlich waren die verschwiegenen Kamingespräche wichtiger als die aktuelle Legislatur des Bundestages. Näheres entnehmen Sie dann bitte Bild.

    Linker Jahresauftakt

    Auch die radikale Linke in der BRD hat ihren Jahreshöhepunkt, und zwar das Luxemburg-Liebknecht-Gedenken am zweiten Januarwochenende mit der Rosa-Luxemburg-Konferenz (10. Januar 2026) in Berlin. Dies ist alles andere als geheim, die komplette Konferenz wird sogar kostenlos im Netz gestreamt werden – auf deutsch, spanisch und englisch. Zu besprechen gibt es genug. Das nun bald vergangene Jahr musste schwere Einschläge in so gut wie allen Bereichen der Wirtschaft und der Politik erfahren. Selbst diejenigen, die – dank ihrer Ausstattung mit marxistischem Handwerkszeug – stets davon ausgegangen sind, dass der Kapitalismus mit dem Kriege schwangergeht, waren über das Tempo und die Unverfrorenheit, mit der die neue »Kriegstüchtigkeit« propagiert wird, überrascht. Es hat keine paar Monate des Trommelfeuers gebraucht, bis selbst die evangelische Kirche ihre Liebe zu deutschen Atombomben entdeckt hat. Im neuen Jahr wird ein Jahrgang junger Menschen gemustert und für den Heldentod als tauglich befunden werden. Dieses Thema wird zwangsläufig – unter anderem bei der Podiumsdiskussion – auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Mittelpunkt stehen.

    Krise des Kapitals

    Doch die Ursachen reichen tiefer. Es ist das westlich-kapitalistische Akkumulationsmodell selbst, das an Grenzen stößt – an geographische zum Beispiel. So rennt die Wirtschaft der Volksrepublik China den Ländern der G7 in immer mehr Bereichen davon. Das US-Kapital hat seine Lehren aus Jahrzehnten vergeblicher Eindämmung des ostasiatischen »Systemrivalen« gezogen – und greift zu den althergebrachten Methoden einer eigennützigen und brutalen Großmachtpolitik. Dazu gehören die Unterwerfung Lateinamerikas und die Vernichtung des sozialistischen Kuba, denn wer damit nicht fertig wird, muss an China nicht einmal denken. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bis zur Konferenz ein heißer Krieg gegen Venezuela angezettelt werden wird – wir müssen daher einige Flexibilität im Konferenzprogramm wahren, um auch auf aktuelle Geschehnisse reagieren zu können.

    Für die BRD hat all dies tiefgreifende Auswirkungen, nicht nur für die Schnösel und Yuppies, die sich mit Guttenberg und Kurz auf dem verschneiten Gipfel getroffen haben. Der alte Dreisatz – billige Energie aus Russland, unerschöpfliche Absatzmärkte in China und wohlfeile Rückendeckung durch die US-Militärmaschinerie – funktioniert nicht mehr. Gelingt es dem deutschen Kapital nicht, wenigstens die EU an die Kandare zu nehmen, bleibt nur, womit man sich historisch noch am besten auskennt: der aggressive Alleingang. Die Verfasstheit des deutschen Imperialismus, unseres Hauptfeindes, wird Gegenstand der Analyse und Diskussion auf der Konferenz sein.

    Unsere Antworten

    Die Herrschenden haben keine Antwort mehr auf irgendeine Frage der Zukunft – außer Aufrüstung, Krieg und Tod. Dafür, dass sich die Kasernen füllen werden, sorgt schon der Niedergang der Wirtschaft selbst, denn mittlerweile sind »systemrelevante« Industrien in nennenswerter Zahl betroffen; Millionen Arbeitsplätze, beispielsweise in der Automobilproduktion, stehen zur Disposition. In den bürgerlichen Blättern wird krampfhaft versucht, der Jugend dieses Landes das Mordhandwerk schmackhaft zu machen, um über die völlige Perspektiv- und Ideenlosigkeit hinwegzutäuschen. Dazu werden die Jugendlichen beim Jugendpodium der Rosa-Luxemburg-Konferenz selbst diskutieren und Möglichkeiten der Bundeswehrkraftzersetzung erörtern.

    Bei alldem werden natürlich Kunst und Kultur nicht zu kurz kommen, für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Feiern können wir übrigens auch viel besser als die Herrenreiter und Milliardäre. Das Beste an der Sache ist aber: Unsere Debatten zu Strategie und Taktik sind allesamt öffentlich, denn wir verschmähen es, unsere Absichten zu verheimlichen.

    Wir laden diejenigen, die weder der Vergangenheit nachtrauern noch über künftige Raubzüge phantasieren, sondern über die Zukunft – eine lebenswerte Zukunft in Frieden für Milliarden Erdenbewohner – nachdenken möchten, herzlich zum Jahresauftakt der Linken im deutschsprachigen Raum ein. Auch denjenigen, die – quasi investigativ – den Plänen von Internationalisten, Friedensfreunden und Kommunisten auf die Schliche kommen wollen, stehen die Türen offen.

    Ein Wort zum Schluss, denn noch leben wir im Kapitalismus: Das Ausrichten der Rosa-Luxemburg-Konferenz kostet viel Geld, verdammt viel Geld. Wir bewegen uns auf einen mittleren sechsstelligen Betrag pro Jahr (!) zu. Das ist nur mit Spenden zu finanzieren, wenn wir die Ticketpreise nicht zum sozialen Ausschlusskriterium machen wollen, denn aus irgendwelchen Gründen sehen Großkonzerne davon ab, uns zu unterstützen. Aber das kriegen wir schon selber hin – mit Ihrer und eurer Hilfe!

  • 16.12.2025 19:30 Uhr

    Wieder in Ketten gelegt

    Staatliche Repression und politische Gefangene: Über systematischen Rassismus gegen Menschen afrikanischer Abstammung in Pennsylvania und das US-Gefängnissystem
    Robert Saleem Holbrook
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    Der US-Staatsapparat wird seit Jahren immer repressiver. Festnahme einer Demonstrantin bei einem Protest gegen den Tod von Freddie Gray, der an Verletzungen starb, die er in Polizeigewahrsam erlitten hatte (Baltimore, 25.4.2015)

    Als erster Bundesstaat, der die schrittweise Abschaffung der Sklaverei beschloss, wurde Pennsylvania und insbesondere seine größte Stadt Philadelphia zu einem Zufluchtsort für freie Schwarze. Tatsächlich hat sich die schwarze Bevölkerung in Philadelphia allein in dem Zeitraum zwischen 1790 und 1800 mehr als verdoppelt, da Schwarze, die vor der Sklaverei flohen, in Philadelphia einen Unterschlupf suchten. Zugleich war es auch ein wichtiger Ort für die Herausbildung einer Infrastruktur, die später der Aufrechterhaltung der weißen Vorherrschaft diente, ohne dass dazu in den Nordstaaten die Sklaverei noch als formelles Gesetz nötig war. Philadelphia war entscheidend an der Durchsetzung des »Fugitive Slave Act« (Gesetz über flüchtige Sklaven) von 1850 beteiligt, um entlaufene Sklaven wieder in die Südstaaten zu bringen – die entsprechenden Anhörungen fanden in der Independence Hall statt.

    Während Pennsylvania mit dem »Act for the Gradual Abolition of Slavery« von 1780 seine »Negro Courts« (Gerichte für Schwarze) ebenso abschaffte wie Gesetze, die es Schwarzen untersagten, sich in Gruppen von fünf oder mehr Personen zu versammeln, Alkohol zu trinken oder sich nach 21 Uhr ohne Erlaubnis ihres Herrn außerhalb ihres Hauses aufzuhalten, setzte dagegen das frührepublikanische Philadelphia¹ etwa seine seit langem bestehenden Gesetze gegen Landstreicherei unverhältnismäßig stark gegen Schwarze ein. Der erste Gefangene, der dem beispiellosen Regime in der städtischen Strafanstalt Eastern State Penitentiary unterworfen wurde – mit vollständiger Einzelhaft und Zwangsarbeit –, war ein Schwarzer. Im Jahr 1837 verbot eine Verfassungsänderung in Pennsylvania allen Schwarzen die Teilnahme an Wahlen in diesem Bundesstaat.

    1862 bemerkte Frederick Douglass: »Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der die Vorurteile gegenüber Schwarzen so weit verbreitet sind wie in Philadelphia. Daher sind dort alle Ausprägungen eines perfektionierten Kastensystems zu beobachten. Es gibt weiße und schwarze Schulen, weiße und schwarze Kirchen, weißes und schwarzes Christentum, Konzerte für Weiße und Konzerte für Schwarze, literarische Einrichtungen für Weiße und Einrichtungen für Schwarze.«

    Kurz gesagt: Nach der formellen Befreiung der Sklaven etablierte sich ein neues System der Segregation und Inhaftierung. Zudem sorgten Einschränkungen der Möglichkeiten in schwarzen Vierteln, wirtschaftlich oder durch Bildung aufzusteigen, für die Aufrechterhaltung rassistischer Unterdrückung in Philadelphia.

    Systematische Benachteiligung

    Die Diskriminierung aufgrund der »Rasse« wird vielleicht am deutlichsten, wenn wir die Auswirkungen der Masseninhaftierungen in Philadelphia betrachten. Die schwarzen Einwohner Philadelphias machten von 2015 bis 2022 rund 38 Prozent der Bevölkerung der Stadt aus – aber 69 Prozent der Festgenommenen und 72,5 Prozent der Inhaftierten. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass schwarze Einwohner Philadelphias im Vergleich zu anderen Einwohnern auf fast jeder Stufe des Strafrechtssystems überproportional vertreten sind: Sie wurden unverhältnismäßig häufig angehalten und verhaftet, öfter wegen schwerer Straftaten angeklagt, seltener vor dem Prozess freigelassen, und bei einer Verurteilung war die Wahrscheinlichkeit höher als bei anderen Gruppen, inhaftiert zu werden.

    Heute werden dieselben schwarzen Communitys in Philadelphia, die überproportional häufig mit dem Strafrecht in Konflikt geraten, auch in anderen Punkten systematisch benachteiligt, unter anderem durch einen Mangel an Arbeitsplätzen, unterfinanzierte Schulen und das Fehlen von sicherem, bezahlbarem Wohnraum. Unter den zehn größten Städten der USA weist Philadelphia die höchste Rate an extremer Armut auf, wovon die schwarze Bevölkerung Philadelphias überproportional stark betroffen ist: 40 Prozent von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze.

    Schwarze Einwohner Philadelphias waren lange Zeit von einer Beschäftigung in der Justiz, der Anwaltschaft, der Feuerwehr und der Polizei ausgeschlossen. Bis in die 1950er Jahre hinein waren 95 Prozent der Beamten des Philadelphia Police Department (PPD) weiß. Ein Bundesgericht stellte fest, dass das PPD zwischen 1974 und 1983 dreimal gegen Titel VII des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 verstoßen hatte, welches die Diskriminierung aufgrund von »Rasse« und Geschlecht bei der Einstellung verbietet.

    Schwarze Stadtteile werden übermäßig von der Polizei ins Visier genommen: Von 2015 bis 2022 konzentrierten sich die Polizeikontrollen und Hausdurchsuchungen in Philadelphia vor allem auf Stadtteile mit überwiegend schwarzer und lateinamerikanischer Bevölkerung, wo sowohl Kontrollen als auch Festnahmen drei- bis fünfmal häufiger vorkamen als im städtischen Durchschnitt. Von den von der Polizei angehaltenen Personen werden Schwarze 1,5mal häufiger durchsucht als Weiße, obwohl die Polizei bei Weißen am häufigsten verbotene Sachen finden und bei der Durchsuchung von Schwarzen am seltensten. Darüber hinaus fällt, wenn man die Wohnadressen der in staatlichen Gefängnissen inhaftierten Einwohner Philadelphias prüft, auf, dass diese zumeist aus schwarzen und lateinamerikanischen Stadtteilen stammen.

    88 Prozent der Menschen, die zwischen 1950 und 1960 von Beamten des PPD erschossen wurden, waren Schwarze, obwohl damals nur 22 Prozent der Bevölkerung Philadelphias schwarz waren. In den Vereinigten Staaten ist Polizeigewalt – durch Schläge, Würgen, Elektroschocker oder Schusswaffen – die sechsthäufigste Todesursache unter jungen nichtweißen Männern. Die weiße Vorherrschaft und der Rassismus innerhalb der Polizei von Philadelphia wird auch durch eine Umfrage aus dem Jahr 1957 demonstriert, die ergab, dass die meisten weißen Polizeibeamten in Philadelphia glaubten, Schwarze seien von Natur aus kriminell.

    Im Jahr 1968 erklärte der stellvertretende Polizeipräsident und spätere Bürgermeister Frank Rizzo den schwarzen Aktivistenorganisationen den Krieg. Unter seiner Aufsicht führte die Polizei 1970 eine Razzia in den Büros der Black Panther Party durch und durchsuchte Mitglieder vor den Augen von Pressefotografen.

    Obwohl die Verhängung von lebenslangen Freiheitsstrafen anscheinend weltweit zunimmt, sind die Vereinigten Staaten weltweit führend bei der Verhängung solcher Urteile. Eine Studie kam zu dem Schluss, dass in den Vereinigten Staaten mehr Menschen eine lebenslange Haftstrafe (Death by Incarceration, DBI) verbüßen als in allen anderen 113 untersuchten Ländern zusammen und dass Personen, die in den Vereinigten Staaten eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung (Life Without Parole, LWOP) verbüßen, mehr als 80 Prozent der weltweit zu dieser Strafe Verurteilten ausmachen. Fast 200.000 Menschen, also 16 Prozent der gesamten Gefängnispopulation in den USA, wurden in den Vereinigten Staaten zu einer Form der DBI-Strafe verurteilt. Im Jahr 2024 saßen mehr Menschen als je zuvor eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung ab, der Anstieg seit 2003 betrug 68 Prozent. Rund 45 Prozent der zu DBI verurteilten Personen sind Schwarze, obwohl die Gesamtbevölkerung der USA nur zu 14,4 Prozent aus Schwarzen besteht.

    35 Prozent derjenigen, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, sind 55 Jahre und älter. Fast die Hälfte derjenigen, die in den Vereinigten Staaten eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung verbüßen, sind ältere Menschen über 50 Jahre; ein Viertel ist über 60. Wie in den meisten Statistiken des Strafrechtssystems sind auch bei den Haftstrafen Angehörige ethnischer Minderheiten unverhältnismäßig stark vertreten. Schwarze Einwohner Pennsylvanias verbüßen mehr als 18mal häufiger Haftstrafen als weiße Einwohner. Lateinamerikanische Einwohner Pennsylvanias bekommen fünfmal häufiger Freiheitsstrafen als weiße Einwohner. In Philadelphia verbüßt jeder 294. schwarze Einwohner eine Freiheitsstrafe (in der Gesamtbevölkerung sind es 340 pro 100.000 Einwohner). Philadelphia verurteilt Schwarze häufiger zu Freiheitsstrafen als 90 Prozent der Länder weltweit.

    Lebenslange Haft

    Mumia Abu-Jamal ist einer der am längsten inhaftierten politischen Gefangenen weltweit.² Seit er im Alter von 15 Jahren Gründungsmitglied der Black Panther Party in Philadelphia geworden war, ist Mumia Opfer staatlicher Überwachung und Repression. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre erlangte er als preisgekrönter Journalist Bekanntheit, indem er kritisch über die Missbräuche der PPD berichtete. Nachdem er eine Schussverletzung durch einen Polizeibeamten überlebt hatte, wurde Mumia 1982 in einem Prozess, der laut Amnesty International »nicht den internationalen Mindeststandards für faire Gerichtsverfahren entsprach«, für den Mord an einem Polizeibeamten verantwortlich gemacht.

    Mumia wurde eines »First-degree murder« (vorsätzliche Tötung in mutwilliger Absicht, jW) schuldig gesprochen. Das Urteil basierte auf einem Meineid: Die Aussagen von Augenzeugen, die eine Schießerei schilderten, stimmten nicht mit den materiellen Beweismitteln überein. Zudem wurde ein Geständnis Mumias erfunden. Zu guter Letzt trug auch ein voreingenommener Richter, der Mumia das Recht auf Selbstverteidigung verweigerte und das Gericht über weite Strecken des Prozesses in Abwesenheit Mumias zusammentreten ließ, zum Ausgang des Verfahrens bei. Mumia wurde zum Tode verurteilt und verbrachte fast 30 Jahre in Einzelhaft im Todestrakt. Seit über 40 Jahren weigern sich die bundes- und zentralstaatlichen Gerichte, Mumias Fall noch mal aufzurollen. Die Regierungen von Pennsylvania und der Vereinigten Staaten erkennen Mumia damit die Achtung seiner verfassungsmäßigen Rechte faktisch ab. 2011 wurde sein Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung umgewandelt, also eine Death-by-Incarceration-Strafe.

    Im Jahr 2015 wurde Mumia nach eklatanten Versäumnissen des medizinischen Personals der Haftanstalt bei der Bereitstellung angemessener medizinischer Versorgung in einem lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Gefängnisbeamten weigerten sich außerdem, seine bereits 2012 festgestellte Hepatitis-C-Erkrankung zu behandeln. Nachdem der UN-Sonderberichterstatter für Folter eine Beschwerde über die mangelhafte medizinische Versorgung erhalten hatte, kam er zu dem Schluss, dass die Vereinigten Staaten »das Recht von Herrn Abu-Jamal auf Freiheit von Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung verletzt« hätten, indem sie »seine körperliche und psychische Unversehrtheit nicht geschützt« hätten. Es dauerte Jahre, bis 2017 im Fall »Abu-Jamal vs. Kerestes« ein Gerichtsbeschluss erging, der die Behörden zwang, Mumia die längst überfällige Behandlung zukommen zu lassen, um seine Hepatitis C zu heilen. Die Verzögerung führte jedoch dazu, dass er eine Leberzirrhose entwickelte und einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Komplikationen ausgesetzt war, mit denen er für den Rest seines Lebens zu kämpfen haben wird.

    Prekärer Zustand

    Mumia Abu-Jamal läuft die Zeit davon. Im März 2021 unterzog er sich einer doppelten Bypassoperation. UN-Experten stellten fest, dass er im Krankenhaus tagelang ans Bett gefesselt worden war, und bezeichneten seine Behandlung während dieser Zeit als »erbärmlich«. Ihm werden angemessene Nahrung und die für die Herzrehabilitation notwendige Bewegung verweigert. Im Januar 2025 trat bei Mumia eine häufige und leicht behandelbare Komplikation nach einer Kataraktoperation auf. Die Trübung seines Sehvermögens verschlimmerte sich so stark, dass er im Juni 2025 von einem unabhängigen, von seinen Anwälten beauftragten Augenarzt als blind diagnostiziert wurde. Er erhielt erst im September 2025 eine Behandlung für diese Erkrankung und wartet noch immer auf die Behandlung eines Auges (vgl. junge Welt vom 13.9.2025). Er leidet weiterhin unter mehreren komplizierten Augenerkrankungen, darunter proliferative diabetische Retinopathie und ein Glaukom, die ein erhebliches Risiko dauerhafter Erblindung bergen.

    Mumias Gesundheitszustand ist allgemein prekär. Im Dezember 2022 verlor er außerdem seine Frau Wadiya Jamal, mit der er 41 Jahre lang verheiratet war. Er ist mittlerweile 71 Jahre alt und hat 43 Jahre einer lebenslangen Haftstrafe verbüßt. 29 dieser 43 Jahre verbrachte er in der Todeszelle in verlängerter Einzelhaft, eine Praxis, die von UN-Sonderberichterstattern wiederholt als psychologische Folter und grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung bzw. Strafe verurteilt wurde. Eine längere Einzelhaft von mehr als fünfzehn Tagen ist nach den sogenannten Mandela-Regeln (die Mindestgrundsätze der UNO für die Behandlung von Gefangenen, jW) verboten.

    Das EU-Parlament und die Nobelpreisträger Nelson Mandela, Toni Morrison und Desmond Tutu haben die ausbleibende Fairness in Mumias Prozess kritisiert. Er wurde zum Ehrenbürger von Paris ernannt. Mumia Abu-Jamal erwarb 1996 seinen Bachelor of Arts am Goddard College, 1999 seinen Masterabschluss an der California State University, Dominguez Hills, und 1996 einen Ehrendoktortitel in Rechtswissenschaften am New College of California. Derzeit promoviert er an der University of California, Santa Cruz. Mumia Abu-Jamals Arbeiten sind an der Brown University archiviert (vgl. junge Welt vom 12.9.2022).

    Anmerkungen

    1 Als Frühe Republik (Early Republic) wird die Phase von der Gründung der USA bis etwa 1830 bezeichnet, in der sich die grundlegenden politischen Strukturen der Bundesregierung erst herausbildeten.

    2 Vgl. Mumias regelmäßige Kolumne in der jungen Welt: www.jungewelt.de/kolumne/1.kolumne-von-mumia-abu-jamal.html

    Übersetzung: Marc Püschel

    Robert Saleem Holbrook ist Executive Director am Abolitionist Law Center. Am 10. Januar 2026 wird er auf der 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin sprechen.

  • 15.12.2025 19:30 Uhr

    »Wir haben genug Treibstoff im Tank!«

    Über gesellschaftlichen Schwachsinn und die nötigen Ventile. Ein Gespräch mit der Band G.P.S.
    Hagen Bonn
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    Gleich kommt die Band!

    Seit 2023 seid ihr als Garage-Rockband unterwegs. Eure Demos auf der Plattform Soundcloud sind einfach, roh und energiegeladen. Als wichtige Einflüsse nennt ihr neben den Grungerockern Mudhoney auch Ikonen wie Ray Charles oder Johnny Cash. Wie passen die in die Garage?

    Wenn man unsere Mucke hört, merkt man schnell, dass unsere Songs von vielen unterschiedlichen Genres inspiriert wurden. Neben Grunge, Stonerrock, Ska und Blues liegt unser Fokus mehr beim Punkrock. Ray Charles und Johnny Cash haben halt einfach geile Mucke mit kritischen Texten gemacht und passen deshalb in jede Garage.

    Standesgemäß probt ihr neben einer Autowerkstatt auf einem Industriegelände in Berlin-­Pankow. Ihr studiert, arbeitet oder seid in Ausbildung. Was sind die größten Herausforderungen für euch als junge Band?

    Neben dem Zeitmangel, der nach dem Job fehlenden Energie und dem Transport des Bühnenequipments ist das größte Problem auf jeden Fall die elend lange Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Berlin. Und das jede Woche. Und auch noch hin und zurück …

    Ihr bezeichnet euch nicht als politische Band, aber als gesellschaftskritisch. Wie ist das zu verstehen?

    Der gesellschaftliche Schwachsinn, mit dem wir täglich konfrontiert werden, ist mit linken oder rechten Auffassungen gar nicht mehr zu fassen. Wir nutzen deshalb unsere Instrumente und Melodien als Ventil, um in diesem Berlin nicht den Verstand zu verlieren.

    Eure Musik trägt mit Punkrockattacken wie »Wake Up« oder »Criticize Yourself« oder dem fast hymnisch anmutenden Grungegewitter »Vampire« eine spürbare Retro­note. Der Punk sei nicht tot, wird gerne behauptet, aber mopsfidel wirkt er – wie der Grunge – schon länger nicht. Sind das »nur« musikalische Reverenzen, oder geht in diesen Formaten noch etwas?

    Was irgend jemand irgendwann mal gesagt haben soll, interessiert uns eher weniger. Wir können zwar nicht für andere sprechen, aber bei uns ist, musikalisch gesehen, die Rakete gerade erst gestartet, wir haben also genug Treibstoff im Tank, um so richtig loszulegen und vielleicht neue Höhen zu erreichen!

  • 12.12.2025 19:30 Uhr

    Aus dem Maschinenraum

    Einblicke in den Organisationsstand; zwischen Verzweiflung und Zuversicht
    RLK-Vorbereitungskollektiv
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    Hinter den Kulissen der Rosa-Luxemburg-Konferenz wird an Bild und Text gearbeitet (Berlin, 11.1.2025)

    Es ist noch immer gutgegangen, und das wird es auch wieder. Trotz aller Zweifel im Vorfeld. Wenn am späten Abend des 10. Januar 2026, nach einer erfolgreichen 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz, nach spannenden Vorträgen und Podien, nach einer Manifestation für den Frieden, nach dem gemeinsamen Singen der Internationale, nach vielleicht noch einigen solidarischen Kaltgetränken an den Tischen der Kuba-Solidarität sich die Tore der Wilhelm-Studios in Berlin schließen, liegt einiges an organisatorischem Aufwand hinter dem Vorbereitungskollektiv.

    Es wird aufgeatmet werden. Und dann abgebaut. Und dann umgepackt. Um dann am nächsten Morgen die Tageszeitung junge Welt bei der Gedenkstätte der Sozialisten zu vertreten, beim Gedenken an Rosa und Karl. Das zweite Wochenende im Januar, der politische Jahresauftakt der radikalen Linken im deutschsprachigen Raum, war, ist und bleibt eine große, auch logistische Aufgabe für Mitarbeiter, Freunde, Helfer und Unterstützer der jW.

    Abgeschlossen ist jetzt bereits die Registrierung der Unterstützerorganisationen. Wir freuen uns über Zusagen zu finanziellen Beiträgen und Helferstunden und darüber, dass dieses Jahr erneut mehrere Organisationen die Konferenz unterstützen. Und damit auch auf der nächsten Auflage der Plakate auftauchen. Überhaupt, die Werbung für die Konferenz läuft – auf allen Kanälen, gedruckt und online. Nicht nur der Verkauf der circa 4.000 Tickets zur Teilnahme in persona und vor Ort, auch die Bewerbung des Livestreams ist Thema. Über 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erreichte die Übertragung der Konferenz vergangenes Jahr, mehr Aufmerksamkeit ist uns dieses Jahr sicher, denn nicht nur auf deutsch lässt sich das komplette Programm verfolgen, sondern simultan übersetzt auch auf englisch und spanisch. Grund genug, ein englisches Plakat an internationale Kontakte zu versenden: Kooperationspartner wie die Clarté, die Zeitung der KP Quebecs, der britische Morning Star und Arbejderen aus Dänemark. Neues deutschsprachiges Material ist im Druck, neue Aktionspakete zur Bewerbung vor Ort können im Aktionsbüro der jW geordert werden. So die Möglichkeit besteht, online für die Konferenz zu werben: Wir stellen gerne Material bereit und danken für die Unterstützung.

    Auch die Stände auf dem Markt der Möglichkeiten erfreuen sich dieses Jahr großer Beliebtheit. Eine spannende Vielfalt aus Verlagen, Zeitungen, Initiativen, Antiquariaten und politischen Organisationen erwartet die Besucher. Zum Informieren, Vernetzen, aber auch, um alte Bekannte wiederzusehen. Ebenfalls mit mehr Platz als bei der vergangenen Konferenz. Und es gibt auch ein paar Herausforderungen: Obwohl die Anmeldefrist bereits verstrichen ist, melden sich weiterhin Aussteller nachträglich an – was unsere Planung anspruchsvoller macht. (Wir sind geduldig, weiterhin. Sollten Sie sich noch spontan für einen Stand entscheiden, finden wir noch irgendeine Lösung. Und freuen uns auf Nachricht an aktionsbuero@jungewelt.de!)

    Über Nachricht würden wir uns auch freuen, wenn Sie, wenn ihr auf der Konferenz mithelfen könntet. Die Absicherung durch Ordnertätigkeiten, Kopfhörerausgabe und Garderobe: All dies funktioniert jedes Jahr nur durch etliche Freiwillige, die mit anpacken. Viele, vor allem Wiederholungstäter, haben sich bereits gemeldet, wir brauchen jedoch noch einige mehr. Weniger für den Einlass: Von der Umstellung auf ein digitales Ticketsystem erhoffen wir uns dort deutliche Erleichterungen.

    Viele Klarheiten, eigentlich kaum Grund für Verzweiflung und einiges an Zuversicht: So ließe sich der aktuelle Zustand des RLK-Vorbereitungskollektivs umschreiben. Nichts anderes wünschen wir uns – und Ihnen, euch – von der 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz.

  • 04.12.2025 19:30 Uhr

    »Dann ist sie da, die Barbarei!«

    Über die Ausweitung der Kampfzone und einen listenreichen Kapitalismus. Ein Gespräch mit Andreas Rebers
    Hagen Bonn
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    »Ich finde, Politiker, die Fans und Mitläufer haben, sollten Kabarett oder Comedy machen.« – Andreas Rebers

    Hören Sie mal, Herr Rebers, da schreibt jemand in der Kommentarspalte einer Videoplattform folgendes zu einem Ihrer Auftritte: »Lieber Andreas Rebers, ich hoffe, Ihnen bleiben Hausdurchsuchung, ausgebrannter Pkw, Drohbriefe und Auftrittsverbot im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erspart …« Wissen Sie, was er damit meint?

    Die Kommentare, die auf Plattformen wie Youtube oder Instagram geschrieben werden, interessieren mich zum Glück nicht. Ich würde die Frage gern mit einer Gegenfrage beantworten. Könnte es sein, dass der Kapitalismus mit dem Digitalismus die ultimative Waffe kreiert hat, die den Endsieg des Materialismus über den Humanismus besiegeln könnte? Was bleibt von der Diskussion und dem Diskurs, wenn man sich auf die Plattformen des Klassenfeindes begibt? Posen, Follower, ehedem Mitläufer und Fans. Ich finde, Politiker, die Fans und Mitläufer haben, sollten Kabarett oder Comedy machen.

    Sie sprachen einmal von der »Barbarei der Zivilisation«. Nun, die hohe Politik gibt sich alle Mühe, die Ausweitung der Kampfzone zu forcieren. Wie friedenstüchtig ist Deutschland noch?

    Ich selber fordere seit Jahren die Ausweitung der Kampfzone, da auch der Totalitarismus bunt und divers geworden ist. Ich betrachte den breitbeinigen »Islamismus« als eine weitere Gefahr für den Humanismus, aber da hat man ja in »Der Linken« durchaus undurchdachte Wunschvorstellungen. Man sollte sich einmal damit beschäftigen, dass es im Koran keine Kompromisse gibt. Das ist der Unterschied zur Demokratie. Ihre Frage zielt aber wohl eher in die Richtung der »Kriegstauglichkeit«, die nunmehr in aller Munde ist. Kriegstauglich? Mit wem? Krieg erfordert ja einen gewissen Patriotismus, also dass bei der Nationalhymne mitgesungen und nicht gekotzt wird. Da sehe ich bei den Grünen, vor allem bei den Grünen-Frauen, eine missverstandene Dialektik, die sich nunmehr in einer unterhaltsamen operativen Hektik widerspiegelt. Es war Claudia Roth, die am 15. Oktober 2022 um 15.07 Uhr dem Nachrichtensender N-TV sagte: »Die Grünen waren nie eine pazifistische Partei!« Na also. Wenn es nur an Merz und Pistolero Pistorius läge, hätten wir leichtes Spiel. Aber so geht es ab in den journalistischen Durchlauferhitzer, und der Rest ist Werbung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Verlagerung wichtiger politischer Debatten in Social Media unwillkürlich zu einer Delegitimierung der Debatte führt, weil irgendwann die Menschen sagen: »Diesen Scheiß tu› ich mir nicht mehr an.« Und dann ist sie da, die Barbarei!

    »Ich kenne hundert Möglichkeiten, den russischen Bären aus seiner Höhle zu ziehen, aber keine, um ihn zurückzuziehen«, meinte einst Kanzler Bismarck. Kanzler Merz kennt das Zitat nicht, also: Wo werden wir den nach dem Krieg um 18 Uhr treffen?

    Wen meinen Sie? Merz oder den Bären Meister Petz Iwan Iwanowitsch? Letzterer hat übrigens keine Uhr. In einem alten russischen Märchenbuch heißt es: »Iwan Iwanowitsch ritt auf einem grauen Wolf. War‹s kurz? War›s lang? Wir wissen es nicht. Schnell ist eine Geschichte erzählt, weniger schnell eine Tat vollbracht!« Der Kapitalismus ist listenreich und kalkulierend. Das Unternehmen Ottobock ist an die Börse gegangen, um Kapital zu generieren, damit die Produktionskapazitäten ausgeweitet werden können. Ottobock stellt Prothesen her, und wenn bei Rheinmetall die Korken knallen, dann wissen die Kulturfolger, was auf sie zukommt. Abgesehen davon finden unsere hochqualifizierten Arbeitskräfte, die man in der zivilen Autobauerei entlässt, neue Perspektiven in der Rüstungsindustrie.

    Die Neue Zürcher Zeitung fragte 2003: »Wie wird sich dieser Mann in Zukunft noch steigern können?« 2003, das war das Jahr, als Hartz IV und der Dosenpfand kamen. Was steigert sich eigentlich, der Künstler oder der politische Irrsinn? Etwa beides?

    Das walte Gott. Um im Kabarett zu bleiben, möchte ich meinen Freund und Kollegen Alfred Dorfer zitieren: »Es sollte doch immer darum gehen, dass das Erreichte zählt. In der Politik ist es allerdings umgekehrt, das Erzählte reicht!« Mein Publikum versichert mir immer wieder, dass ich ein guter Erzähler bin, und damit habe ich das erreicht, was für mich zählt. Bei unterschiedlicher Meinung bester Laune zu sein, denn damit sind wir unserer Zeit immer ein wenig voraus. Drei Dinge machen die Welt zu einem besseren Ort: denken, lachen und pudern. Alle drei haben etwas mit Kontrollverlust zu tun. Das freie Denken ermöglicht die Offenbarung einer Idee, und eine Idee ist ein Geschenk, und der Beschenkte kann eben nichts dafür, dass er dieses Geschenk bekommt. Das Lachen unterliegt ebenfalls dem Kontrollverlust, da das Lachen nicht planbar ist. Es passiert einfach. Und bei der Puderei ist es eben der Orgasmus, der einfach über uns kommt. Kontrollverlust. Woher ich das weiß? Von Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Brigitte Bardot.

  • 26.11.2025 19:30 Uhr

    »Die Regierung verachtet die Armen«

    Über erfolgreiche Blockaden von Waffenlieferungen in italienischen Häfen und über den politischen Zustand in Italien. Ein Gespräch mit Cinzia Della Porta
    Daniel Bratanovic
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    Kundgebung im Hafen von Neapel anlässlich eines Streiks nach Israels Angriff auf die Gazaflotte (5.10.2025)

    Italienische Hafenarbeiter, vor allem am Hafen von Genua, haben in der jüngeren Vergangenheit die Verladung und den Transport von Waffen verhindert. Wie läuft so etwas ab?

    Solche Blockaden haben eine gewisse Tradition. Aber in der jüngeren Zeit wurde nicht nur der Schiffsverkehr behindert, um Waffenlieferungen zur Unterstützung des Genozids in Palästina zu unterbinden, sondern bereits vorher, nämlich mit Beginn des Ukraine-Kriegs, als Italien ein wichtiger Waffenlieferant war. Die Blockaden fanden zunächst nicht an den Häfen statt. Einen Monat nach Kriegsbeginn wurde zuerst am Flughafen Pisa die Verladung von Waffen verhindert. Als aber die Hafenarbeiter erkannten, dass Schiffe mit Containern voller Waffen kamen, haben auch sie sich geweigert, diese Ladung zu löschen beziehungsweise das jeweilige Schiff im Hafen überhaupt erst anlegen zu lassen.

    Waren diese Aktionen spontan oder hat Ihre Gewerkschaft dazu aufgerufen?

    Ja, wir haben die Aktionen organisiert. Diese Arbeiter sind Mitglieder unserer Gewerkschaft, der Unione sindacale di base. Sie organisiert diese Arbeiter, die am Hafen von Genua, aber auch am Flughafen von Pisa den Transport von Kriegsgerät verhindert haben. Und nicht nur dort: Als Beschäftigte am Frachtflughafen Brescia erfahren hatten, dass Waffen verschickt werden sollten, haben wir unverzüglich zum Streik aufgerufen, um die dortigen Arbeiter zu unterstützen, die sich spontan weigerten, die Waffen zu verladen. Auch an anderen Orten haben wir diese Kampfform etabliert, zum Beispiel am Hafen von Livorno, wo es im September und Oktober einen intensiven Kampf gab, der verhinderte, dass israelische Schiffe anlegen konnten. Es gab Blockaden in Civitavecchia, es gab Blockaden in Triest.

    Wenn ein mit Waffen beladenes oder zu beladendes Schiff einen Hafen nicht anlaufen kann, dann sucht es sich einfach einen anderen Hafen, oder nicht?

    Wir haben inzwischen ein internationales Netzwerk aufgebaut. Im Frühjahr konnte ein mit Waffen beladenes Schiff nicht in Marseille anlegen. Die dortigen Hafenarbeiter informierten daraufhin unsere Arbeiter. Diese Art der Kommunikation ist natürlich sehr wichtig. Wir als USB stehen heute mit den Beschäftigten vieler Häfen im Mittelmeerraum in Kontakt. So auch mit den Hafenarbeitern von Piräus, die sich ebenfalls schon mehrfach geweigert haben, entsprechende Schiffe anlegen oder beladen zu lassen. Beschäftigte dort haben sich die Route angesehen, die dem Schiff vorgegeben wurde, und jene, die es im Zweifel alternativ nehmen sollte, und uns dann benachrichtigt. Wir haben ein Kommunikationsnetzwerk, das uns ermöglicht, diese Schiffe zu verfolgen: Was machen sie, wohin fahren sie? Und so setzen sich die Arbeiter von Gewerkschaften wie der unseren untereinander in Verbindung, so dass auch an anderen Orten blockiert beziehungsweise aus Solidarität gestreikt werden kann: Wird an einem Hafen gestreikt oder blockiert, blockieren Arbeiter anderer Häfen ebenfalls. Zum Zwecke einer besseren Vernetzung haben wir Ende September in Genua ein internationales Treffen organisiert, zu dem wir Hafenarbeiter aus verschiedenen Häfen, vor allem des Mittelmeerraums, eingeladen haben. Geplant ist ein internationaler Aktionstag, der in allen Häfen gleichzeitig stattfinden soll. Das kann ein Streik sein, aber auch eine andere Art von Aktion, denn in Deutschland etwa ist der politische Streik bekanntermaßen verboten.

    Die USB ist eine antimilitaristische Gewerkschaft. Wie verhält es sich mit den anderen großen Gewerkschaften Italiens, zum Beispiel mit der CGIL?

    Die USB ist eine internationalistische, konföderale Klassengewerkschaft, die gegen den Krieg kämpft. Die CGIL nimmt seit 20, 30 Jahren eine andere Rolle ein. Deren Mitglieder mögen mehrheitlich für den Frieden sein, aber die Gewerkschaft selbst begleitet und betreut die Prozesse, die in Italien stattfinden, und das heißt, sie wirkt als Bindeglied in einer Situation, in der Krieg als Mittel erachtet wird, der chronischen Wirtschaftskrise des Westens zu entkommen. In dieser Frage hat die USB eine klare Position, die CGIL aber eben nicht, was daran abzulesen ist, wie sie sich in den vergangenen zwei Jahren positioniert hat. Sie hat sich politisch auf die Seite der Mitte-links-Allianz, des Campo largo, eines Zweckbündnisses aus Partito democratico und Cinque Stelle, geschlagen, das keine klare und eindeutige Haltung zur Frage von Krieg und Frieden vertritt. Denn heute gegen den Krieg zu sein, bedeutet natürlich, nein zu sagen zum Genozid in Palästina, nein zu sagen zur Lieferung von Waffen in die Ukraine, nein zu sagen zur Aufrüstung der Europäischen Union, nein zu sagen zur NATO. Diese Klarheit besteht aber weder beim Campo largo noch bei der CGIL.

    Wie äußert sich das praktisch?

    Die USB hatte für den 22. September zum Generalstreik ausgerufen. Das stieß auf eine erhebliche Resonanz. Die CGIL entschied daraufhin, ebenfalls zum Generalstreik aufzurufen, allerdings drei Tage früher. Das Ziel war, unseren Streik zu schwächen. Das sorgte für erheblichen Ärger auch unter Arbeitern der CGIL. Der Streik am 19. September verlief also nicht gut für sie. Dann kam unser Streik am 22. September, der eine riesige Sache war und bei dem Millionen von Menschen in ganz Italien auf die Straße gingen. Daraufhin hat sich die CGIL bei uns gemeldet, um mit uns gemeinsam in Solidarität mit der Gaza-Flottille zu streiken. Das ist dann auch geschehen am 3. Oktober. Die Sache bleibt aber ziemlich komplex und widersprüchlich. Denn nach diesem Streik hat die CGIL ihre alte Arbeit wieder aufgenommen, nämlich ziemlich beschissene Verträge für die Arbeiter auszuhandeln, die lächerliche Lohnerhöhungen vorsehen. Ich sage das, weil wir auch an dieser Front in den westlichen Ländern einen Krieg erleben, nämlich gegen die Arbeiter, gegen unsere Klasse. Kurzum: Die CGIL nimmt keine klare und eindeutige Position gegen diese Kriege ein.

    Apropos, die amtierende Rechtsregierung unter Giorgia Meloni wirkt ziemlich stabil. Woher kommt das? Welche Politik verfolgt sie gegenüber den Lohnabhängigen?

    Ja, stimmt, sie zeigt sich ziemlich stabil. Stabilität bedeutet auch, dass die Regierung Meloni an den politischen Zielen der Europäischen Union festhält und also den Kurs der Aufrüstung und der Zurichtung der Ökonomie auf Kriegsvorbereitung einschlägt. Und sie setzt fort, was die vorangegangenen Mitte-links-Regierungen verfolgt haben und was ich als »auch das ist Krieg« bezeichnet habe: den Angriff auf die Klasse der Lohnabhängigen in Italien. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde von seiten der Politik dafür gesorgt, dass die Löhne in Italien zu den niedrigsten in Europa gehören und trotz Inflation und hoher Lebenshaltungskosten nach der Pandemie und nach Beginn des Krieges in der Ukraine niedriger sind als vor 20 Jahren. Die Politik der niedrigen Löhne, der Kürzungen im Sozialstaat, im Gesundheits- und Bildungswesen wird schlichtweg fortgesetzt. Nicht zu vergessen ist das enorme Ausmaß der Privatisierungen der vergangenen 30 Jahre. Darin war Italien einfach meisterhaft. Privatisierung bedeutete nicht zuletzt eine Verschlechterung der Arbeitsverträge und damit der Arbeitsbedingungen. Nicht nur die Löhne sanken, sondern auch die Arbeitssicherheit. In Italien gibt es inzwischen pro Tag drei Arbeitsunfälle mit tödlichem Ausgang. Die Regierung Meloni hat diese Politik absolut vorbildlich weiterverfolgt. Die Vorgängerregierung hatte immerhin eine Art Grundsicherung eingeführt, die, wie unzulänglich auch immer, von der neuen Regierungsmannschaft sogleich abgeräumt wurde. Man kann sagen, die amtierende Regierung verachtet die Armen.

    Wie stellt sich angesichts dieser Politik die italienische Linke auf?

    Letztlich bleibt die italienische Linke dem bestehenden System verhaftet. Sie kritisiert die Aufrüstung und die Kriegsertüchtigung der Europäischen Union, sie stellt aber die Logik dieses Systems nicht in Frage. Sie kritisiert nicht, dass weiterhin Waffen an die Ukraine geliefert werden, sagt kaum etwas gegen die Kürzungen im Gesundheitssystem und hat keine Antworten auf die Umwandlung großer Teile der Wirtschaft von der Herstellung ziviler Güter auf militärische. Eine ernsthafte Linke muss sich aber jenseits der Logik eines Systems der Ausbeutung und des Krieges positionieren. Ob es um den Krieg in Gaza geht oder um die Lage der arbeitenden Klassen: In der Phase, in der wir uns befinden, gibt es keinen Spielraum mehr, keine Alternative zur radikalen Verweigerung.

  • 21.11.2025 19:30 Uhr

    Hilfe, bitte!

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    Liebe Leserinnen und Leser,

    wir wenden uns heute mit zwei Bitten an Sie, an Euch. Die 31. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz, die am 10. Januar 2026 erneut in Berlin-Wilhelmsruh stattfinden wird, benötigt Hilfe.

    Einerseits vor Ort: Garderobe und Kopfhörerausgabe sind jedes Jahr nur durch die Mitarbeit vieler Freiwilliger ausreichend zu besetzen, auch die Ordnerschichten werden so organisiert.

    Und andererseits ist die Bewerbung der Konferenz eine kollektive Anstrengung. Flugblätter mit dem Programm, Plakate, Aufkleber und Postkarten sind gedruckt und harren ihrer Verteilung auf Veranstaltungen, Demonstrationen, Aktionen. Sollten Sie, solltet Ihr die Möglichkeit sehen, für den Jahresauftakt linker Kräfte im deutschsprachigen Raum zu werben oder gar vor Ort tatkräftig mitzuhelfen, freut sich das Aktionsbüro der Tageszeitung junge Welt auf Nachricht.

    Vielen Dank!

  • 14.11.2025 19:30 Uhr

    Gegenöffentlichkeit herstellen

    Sichern Sie sich jetzt Ihre Karte! Und bestellen Sie Werbematerial
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    Mehr als 3.000 Menschen vor Ort und rund 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauer via Livestream konnten das Programm mitverfolgen: 30. Rosa Luxemburg-Konferenz der jungen Welt im Januar 2025

    Am 10. Januar 2026 lädt die junge Welt zur 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz nach Berlin ein – dem politischen Jahresauftakt der Linken im deutschsprachigen Raum. In Zeiten von Krieg, Aufrüstung, Sozialabbau und wachsender Repression braucht es Orte, an denen Analyse und Aktion zusammenfinden, an denen Gegenwehr organisiert und Solidarität gelebt wird. Das Forum für alle, die sich der imperialistischen Kriegspolitik und der Profitlogik des Kapitals entgegenstellen – dieses Jahr unter dem Thema »Kopfüber in den Krieg. Gegen Rüstungswahnsinn und mediale Mobilmachung«.

    Wer für Frieden, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität eintritt, sollte dabei sein! Aktivisten, Gewerkschafter und Vertreter fortschrittlicher Bewegungen aus aller Welt diskutieren Strategien des Widerstands – gegen Krieg, Ausbeutung und Umweltzerstörung. Die Konferenz steht für gelebten Internationalismus: kämpferisch, solidarisch, mutig.

    Jetzt gilt: Karten sichern! Das Interesse an der Konferenz wächst Jahr für Jahr, die Plätze sind begrenzt. Technik, Übersetzung, Saalmiete, der »Markt der Möglichkeiten«, auf dem linke Medien, Verlage und Initiativen ihre Arbeit vorstellen können, kosten viel Geld, und jede Eintrittskarte stärkt eine unabhängige, klassenbewusste Gegenöffentlichkeit.

    Gerade jetzt, da Kriegspropaganda und soziale Spaltung zunehmen, ist gemeinsames Handeln nötig. Die Rosa-Luxemburg-Konferenz bietet Raum für Vernetzung, Diskussion und Aufbruch. Sie zeigt: Widerstand ist möglich, wenn wir ihn gemeinsam tragen. Karten gibt es unter jungewelt.de/rlk und im Laden der jW in der Torstraße 6, Berlin-Mitte.Ein Paket mit Werbematerialien können Sie im jW-Aktionsbüro bestellen: aktionsbuero@jungewelt.de oder telefonisch (030/536355-10).

  • 11.11.2025 19:30 Uhr

    Was will die Bundeswehr von den Krankenhäusern?

    Gegen die Einmischung des Militärs an den Kliniken braucht es noch mehr Widerstand, erklärt Nadja Rakowitz
    Gitta Düperthal
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    Am vergangenen Wochenende wurde beim gesundheitspolitischen Forum des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte in Dresden über die schleichende Militarisierung des Gesundheitswesens diskutiert. Wie weit sind diese Bemühungen bereits fortgeschritten?

    Der Versuch, das Gesundheitswesen »kriegstüchtig« zu machen, ist noch nicht überall in der BRD unternommen worden. Als erstes Bundesland erstellte Berlin einen Rahmenplan für »zivile Verteidigung« von Berliner Krankenhäusern. Dieses 28seitige Arbeitspapier, von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, der Berliner Krankenhausgesellschaft und zwölf Berliner Kliniken aufgesetzt, wurde zunächst geheimgehalten, dann aber auf der Seite »Frag den Staat« geleakt. Darin geht es um die Frage: Was muss gemacht werden, um Patientinnen und Patienten im Kriegsfall zu versorgen?

    Was ist daran aus Ihrer Sicht problematisch?

    Insbesondere finden wir besorgniserregend, dass eine »umgekehrte Triage« erwogen wird: Militärpersonal soll vor zivilen Erkrankten Vorrang bekommen, damit es schnell wieder an der Front einsetzbar ist. Überlegt wird, wie man die Bevölkerung darauf vorbereiten kann, dass sie hintanstehen muss, weil das Militär zuerst versorgt werden muss. Davon war bereits im »Grünbuch Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) 4.0« die Rede. Im Berliner Rahmenplan wird in dem Zusammenhang das Sterbenlassen »hoffnungsloser« Patientinnen und Patienten angesprochen. Das Auftauchen akut erkrankter Menschen aus Pflegeeinrichtungen in Notfallambulanzen ist als Störfaktor benannt. Erwogen wird, längerfristig medizinisch notwendige elektive Eingriffe wie etwa Hüftoperationen einzustellen oder zu verschieben. Verschleiernd heißt es: Individualmedizin müsse auf Katastrophenmedizin umgestellt werden. Ziel ist aber, die medizinische Versorgung militärischen Kriterien zu unterwerfen.

    Wie genau ist die Militarisierung geplant?

    Boris Augurzky, der die Bundesregierung zur Krankenhausreform beraten hat und immer vorne dran ist, den Krankenhausbetrieb zu ökonomisieren, springt auf den Kriegszug auf. Das System ist pervertiert: Oberirdisch betreibt man Bettenabbau, will Hunderte Krankenhäuser schließen, unterirdisch aber mit Milliarden OP-Säle und Bettenkapazitäten aufbauen. So will man an den unbegrenzten Finanztopf für Verteidigung und Aufrüstung ran.

    Nimmt die Bundeswehr Kontakt zu Krankenhäusern auf?

    Statt sich darum zu kümmern, dass die Krankenhausversorgung bedarfsgerecht und beschäftigtenfreundlich wird, macht die Deutsche Krankenhausgesellschaft systematisch Pläne, wie etwa Chirurgen in Kriegschirurgie auszubilden. »Terror and Disaster Surgical Care« nennt sich das. Aktuell ist noch unklar, wie solche Weiterbildungen flächendeckend finanziert werden sollen. An ersten Krankenhäusern in Berlin ist die Bundeswehr mit Veranstaltungen präsent. Studierende verließen diese aus Protest: »Dabei machen wir nicht mit«.

    Wie wurde auf die Verweigerung reagiert?

    Soweit ich weiß, nimmt man es hin. Offenbar ist die Devise: Am besten nicht thematisieren, damit über den Widerstand nicht öffentlich debattiert wird. Genau deshalb reden wir darüber. Niemand sollte an so einer Fortbildung teilnehmen.

    Hat die Organisierung des Gesundheitspersonals gegen die Militarisierung also begonnen?

    Mit Michael Quetting, ehemals Verdi-Sekretär in Saarbrücken, Karen Spannenkrebs und Annebirth Steinmann, beide vom VDÄÄ* Hamburg, diskutierten wir zur Antikriegspolitik: Wie können wir an Krankenhäusern Antikriegsgruppen installieren und organisieren, dass Menschen in Gesundheitsberufen zum Beispiel die Unterschriftenliste der IPPNW-Kampagne für ziviles Gesundheitswesen unterzeichnen? Vermeintliche Vorbereitung auf Verteidigung heißt, den Krieg vorzubereiten. Dies gilt es aber unbedingt zu verhindern. Der Ärzteschaft würde es gut anstehen, es zu skandalisieren, wenn aktuell die Genfer Konvention dauernd verletzt und in Kriegen Krankenhäuser angegriffen werden. Ihr Einsatz muss dem Schutz der Zivilbevölkerung gelten. Wir sollten den Frieden gewinnen, nicht den Krieg.

  • 07.11.2025 19:30 Uhr

    Hängt sie!

    Plakate als Mittel der Agitation: Wettbewerb des Künstlerkollektivs Rotes Atelier und der Tageszeitung junge Welt anlässlich der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2026
    RLK-Vorbereiungskollektiv
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    Nicht nur bei der Vernissage sorgte die Ausstellung »Wir sehen rot« in der Maigalerie für Interesse (Berlin, 15.8.2025)

    Erfolgreich war sie, die Ausstellung »Wir sehen rot« des Künstlerkollektivs Rotes Atelier in den Räumen der Maigalerie in Berlin im Spätsommer dieses Jahres. Unterschiedliche künstlerische Positionen kamen zum Ausdruck, unterschiedliche aktuelle Themen wurden kommentiert, verschiedenste Materialien, Formate und Medien verwendet. Kunst produzieren – als Form der Erkenntnis und als ihr Ausdruck, als Werkzeug der Veränderung, als Mittel, die Notwendigkeit des Sozialismus aufzuzeigen. Das ist das Selbstverständnis des Roten Ateliers, eines Kollektivs vorwiegend junger Künstlerinnen und Künstler aus deutschsprachigen Ländern. Das Plakat nahm in der Geschichte politischer Kunst immer einen zentralen Platz ein, so auch in der Ausstellung. Plakate schaffen Sichtbarkeit, sind Ausdrucksmittel linker Bewegungen, Mittel der Agitation im Plechanowschen Sinn und ein nach wie vor hochaktuelles Medium.

    Die Ausstellung »Wir sehen rot« war der Auftakt einer längerfristigen Zusammenarbeit der jW mit dem Roten Atelier. Anlässlich der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz, die am 10. Januar 2026 erneut in Berlin-Wilhelmsruh stattfinden wird, haben jW und Rotes Atelier einen Plakatwettbewerb ausgelobt. »Plakate gegen Krieg« ist das bewusst breit gefasste Thema, leider tagesaktuell.

    Bis Sonnabend, den 6. Dezember, können bis zu drei Plakate pro Person an plakatwettbewerbrlk@systemli.org eingereicht werden. Es wird um eine druckfertige PDF-Datei gebeten, DIN A2 mit drei Millimetern Beschnittzugabe, im Farbraum CMYK mit mindestens 300 dpi (besser 400 dpi) – natürlich mit Titel, Name oder Künstlername und gegebenenfalls einer Kontaktadresse. Analog erstellte Arbeiten müssen entsprechend hochauflösend eingescannt werden. Von der Einsendung mittels künstlicher Intelligenz erstellter Arbeiten bitten wir abzusehen. Ausgewählte Plakate werden auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz ausgestellt und in einer Kleinauflage zugunsten eines solidarischen Zwecks verkauft.

    Die von einer Jury prämierten Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs erwarten Preise, gestiftet von der jW. Plakate gegen Krieg sind Agitation für den Frieden. Mit einem aktuellen Medium, zu einem aktuellen Thema. Wir freuen uns auf Eure Einsendungen.

  • 31.10.2025 19:30 Uhr

    Warum sollte man hier einen Stand anmelden?

    Die Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz lebt von und für die Solidarität linker Gruppen und Verlage, betont Dean Salle
    Marc Bebenroth
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    Ständegesellschaft: Auf der vergangenen Rosa-Luxemburg-Konferenz wurden viele Stände angemeldet (Berlin, 11.1.2025)

    Auf der nächsten Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin am 10. Januar 2026 wird mehr Platz als zuvor zur Verfügung stehen. Anders als in diesem Jahr kann junge Welt dann nämlich mehr Flächen in Wilhelmsruh nutzen. Was heißt das für Parteien, Gruppen und Verlage, die sich dort den Besucherinnen und Besuchern vorstellen wollen?

    Zunächst einmal stellt das für alle Beteiligten im Vergleich zur 30. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz vom 11. Januar dieses Jahres eine große Erleichterung und Entzerrung dar: für die Standanmelder und für unsere Unterstützer. Es ist deshalb ein guter Schritt, dass wir wieder die Wilhelm-Studios nutzen und dabei den verschiedenen Organisationen, aber auch den Besucherinnen und Besuchern einen erhöhten Komfort gewährleisten können. Dies wird sich vor allem darin zeigen, dass jeder Standbetreiber mehr Platz für sich und das eigene Informations- oder Verkaufsmaterial nutzen können wird. Vor allem können sich so die Besucherinnen und Besucher hoffentlich auch mehr Zeit für jeden einzelnen Stand nehmen. Denn: Dort, wo kein Gedränge herrscht, da wird auch der Druck minimiert.

    Nun hat der November begonnen, und bis zur Konferenz sind es nur noch gut zwei Monate. Kann man sich noch um einen Platz in den Wilhelmshallen bewerben?

    Es haben sich bereits viele Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Standbetreiberinnen und -betreiber angemeldet. Die verbesserte Platzsituation im kommenden Januar sorgt aber dafür, dass wir wiederum einer höheren Anzahl an Interessierten die Möglichkeit bieten können, sich noch anzumelden. Für Unterstützer läuft allerdings die Frist aus. Standanmelder wiederum haben noch bis Ende November Zeit, sich bei uns zu melden.

    Wie am besten?

    Das geht im Grunde ganz einfach. Man kann dazu auf der Website jungewelt.de im Bereich zur RL-Konferenz unter »Standanmeldung« das entsprechende Anmeldeformular finden. Einmal ausgefüllt schickt man es dann entweder übers Internet oder per Post an uns. Selbstverständlich freuen wir uns aber auch über jeden Anruf bei uns im Aktionsbüro. Die Nummer steht in jeder Tagesausgabe der jungen Welt im Impressum auf Seite 14.

    Worauf achtet das Organisationsteam der Konferenz bei der Auswahl von Standbetreibern?

    Wir treffen keine Vorauswahl. Die Standbetreiber melden sich bei uns an. Sollten wir feststellen, dass eine Organisation dabei ist, die nicht die Grundprinzipien der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz teilt, dann erteilen wir eine Absage. Das kommt aber so gut wie nie vor.

    Was spricht dafür, den Weg nach Berlin anzutreten, um einige Bücher, Zeitschriften oder Projekte auf der Standfläche vorzustellen?

    Die Konferenz lebt nicht nur von, sondern auch für die Solidarität. Für viele stellt das Wochenende, zusammen mit dem Luxemburg-Liebknecht-Gedenken am Sonntag nach unserer Veranstaltung, den politischen Jahresauftakt dar. Die Organisationen, Gruppen und Verlage können sich vorstellen sowie mit den Besucherinnen und Besuchern in einen Austausch gehen. Auf der Konferenz werden schließlich Fragen der Arbeiter- und Friedensbewegung nicht nur auf der Bühne, sondern auch am Stand diskutiert. Die übergroße Mehrheit freut sich, wenn sie sich über Infomaterial oder Bücher weiterbilden kann. Hinzu kommt, dass viele Projekte selbstverständlich von Spenden und weiteren Geldeinnahmen ihre politische Arbeit finanzieren. Dies ist für linke Organisationen in der BRD angesichts zunehmender Repressionen eine seltene Gelegenheit.

    Falls es so etwas wie ein Gastland geben würde, welches sollte unbedingt mal auf der Konferenz vertreten sein?

    Ich glaube, die Besucherinnen und Besucher würden nicht schlecht staunen, wenn die Sowjetunion bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz vertreten wäre (lacht). Ansonsten bin ich froh, dass die kubanischen Genossinnen und Genossen Jahr für Jahr in Berlin sind.

  • 24.10.2025 19:30 Uhr

    »Krieg dem Krieg!«

    Rosa-Luxemburg-Konferenz: Einladung zum Plakatwettbewerb von jW und Rotem Atelier
    Niki Uhlmann
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    Werbung verhunzt das Stadtbild. Allenthalben werden einem Produkte, die kein Mensch braucht, zu Preisen, die kein Mensch bezahlen sollte, mit Mitteln, die Menschen auf ihre niedersten Instinkte reduzieren, aufgeschwatzt. »Silence, brand«, höhnt man zuweilen im Internet, wenn ein Konzern sich wieder verkrampft darum bemüht, nahbar und lustig zu sein. Noch besser wäre, es würde für Gescheites geworben, zumal es so viele gute Dinge gibt: den Organspendeausweis, Hilfsorganisationen und Konzerte.

    Das Schlimmste ist indes, dass selbst die, die Gutes in die Welt setzen wollen, drohen, in der Flut belangloser Anzeigen unterzugehen, wenn sie nicht die psychologischen Taschenspielertricks der Werbeindustrie beherrschen. Über den Zusammenhang von Design und Kaufentscheidungen wurden epische Abhandlungen geschrieben, an denen scheinbar kein Weg vorbeiführt. Diesen Trugschluss zu erledigen, ist das Künstlerkollektiv »Rotes Atelier« angetreten, das der sozialistischen Bewegung der Gegenwart eine eigene Bildsprache geben will. Mehr noch: Es will die Bewegung befähigen, Kunst als Mittel des Widerstands zu verwenden.

    Dass die jungen Künstlerinnen und Künstler des Roten Ateliers ihr Handwerk verstehen, konnte man bereits im Sommer sehen, als eine Ausstellung des Kollektivs in den Räumen der junge Welt-Maigalerie viele hundert Besucher angezogen hat. Eine politische Bildsprache, die nicht altbacken oder verbraucht wirkt, ist eine Kunst für sich. Und wir wollen Kunst von allen und für alle.

    Deshalb wird jW in Kooperation mit dem Roten Atelier auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar 2026 einen Plakatwettbewerb veranstalten. »Krieg dem Krieg« lautet die Losung, zu der bis zum Sonnabend, 6. Dezember, pro Kopf bis zu drei Plakate an die Adresse plakatwettbewerbrlk@systemli.org eingereicht werden können. Die Anforderungen: DIN A2 mit drei Millimeter Beschnittzugabe, als PDF im Farbraum CMYK mit mindestens 300 dpi (besser 400 dpi) – natürlich mit Titel, Name oder Künstlername und bei Bedarf einer Kontaktadresse. Analog erstellte Arbeiten müssen entsprechend hochauflösend eingescannt werden. Rotes Atelier und jW treffen eine Vorauswahl, filtern dabei KI-Slop (KI-generierte Entwürfe werden nicht zugelassen!) und werden die ausgewählten Plakate auf der Konferenz aushängen – jedes ausgestellte Plakat wird prämiert; die Preise stiftet jW. Holen wir uns das Stadtbild zurück!

  • 24.09.2025 13:32 Uhr

    Tickets für 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar 2026 in Berlin

    junge Welt

    »Kopfüber in den Krieg – Gegen Rüstungswahn und mediale Mobilmachung«
    so lautet der Titel der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz, die am 10. Januar 2026 in den Wilhelm Studios in Berlin stattfindet.

    Wir freuen uns bereits über die Zusagen von Francesca Albanese, Irene Zugasti, Pablo Iglesias (Videobeitrag), Noelle Hanrahan, Mumia Abu-Jamal, Robert Saleem Holbrook, Cinzia Della Porta und Jörg Goldberg, als Redner an der Konferenz teilzunehmen.

    Ab sofort können Sie sich hier ein Ticket sichern. Bzw. über das Formular direkt unterhalb dieses Beitrags, wenn Sie sich auf der Startseite befinden.

    Weitere Informationen zum Programm finden Sie in den kommenden Wochen und Monaten hier sowie in der Tageszeitung junge Welt.

    Haben Sie Fragen zum neuen Ticket System oder zur Konferenz? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail:

    Tel. 030/536355-37
    verkauf@jungewelt.de

    Wir möchten gerne auch auf folgende Veranstaltung am Freitag (9. Januar) vor der Konferenz hinweisen: Um 20 Uhr findet das Theaterstück »Ich bin Rosa« mit Jülide Kural, einer der bekanntesten Schauspielerinnen der Türkei, im Babylon Berlin statt (mit deutschen Untertiteln, 25 Euro, https://babylonberlin.eu/programm/live/live-event/9537-theater-ich-rosa-luxemburg).

  • 22.08.2025 19:30 Uhr

    Zur rechten Zeit

    Die 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am 10. Januar 2026 statt. Jetzt Tickets sichern!
    RLK-Vorbereitungskollektiv
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    Rosa-Luxemburg-Konferenz 2025 in den Wilhelm-Studios in Berlin

    Kriegsvorbereitung findet auf vielen Ebenen statt. Wer – wie die deutsche Bundeswehr – für einen Waffengang gegen Russland binnen vier Jahren gerüstet sein will, muss Soldaten ausheben und Waffen beschaffen. Daneben ist die Zurichtung der Köpfe mindestens genauso entscheidend. Denn es sind ja Menschen, die andere totschießen sollen – und sich totschießen lassen müssen. Hier kommen die Medien ins Spiel. Dabei geht es längst nicht nur um die großen bürgerlichen Blätter; Bild und Konsorten stehen sowieso Gewehr bei Fuß. Doch auch das ND – früher Neues Deutschland – macht eine »Pro und Kontra«-Ecke auf: Bundeswehr in die Ukrai­ne: »Warum nicht?« – »Ja, bitte!« verlangte dort Autor Sebastian Weiermann am 21. August.

    Deutsche an die Ostfront? Kann man so sehen oder so, meint das ND. Wir finden: Niemals wieder! Vor über 80 Jahren wütete dort die Wehrmacht. Doch so läuft die schleichende Normalisierung erneuter militaristischer Großmachtgelüste. Auch ein Teil der Linken muss gewonnen werden, wie schon 1914. Denn der nächste Krieg wird ein großer werden – der dritte Weltkrieg.

    Die nächste, 31. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar 2026 wird sich genau diesem Thema widmen: »Kopfüber in den Krieg – gegen Rüstungswahn und mediale Mobilmachung« lautet das Tagungsmotto. Erneut wird die Konferenz, wie schon 2025, in den Wilhelm-Studios in Berlin-Wilhelmsruh stattfinden, diesmal aber deutlich größer. Wir haben eine zweite Halle gebucht, der Konferenzort wird also Platz für mindestens 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bieten. Wir arbeiten am Konferenzprogramm und werden laufend zu Neuigkeiten berichten, sind uns aber schon jetzt sicher: Die Konferenz und ihre Themen kommen genau zur rechten Zeit.

    Tickets für die 31. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz sind ab sofort erhältlich. Zum einen können Sie auf der Informationsseite jungewelt.de/rlk online Tickets bestellen und direkt bezahlen. Erstmalig und auf vielfachen Wunsch stellen wir mit den digitalen Tickets unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die wir bislang nicht anbieten konnten. Auch die Situation am Einlass, wo sich traditionell und bei oft winterlichem Wetter lange Schlangen gebildet haben, hoffen wir so zu beschleunigen. Natürlich verkaufen wir auch weiterhin die klassischen Tickets in den drei Preiskategorien »Normal« (49 Euro), »Ermäßigt« (29 Euro) und »Soli« (69 Euro). Diese lassen sich – ab Mittwoch, dem 3. September, zu den regulären Öffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr – auch vor Ort im jW-Laden in der Torstraße 6, 10119 Berlin, erstehen. Wenn Sie Probleme bei Bestellung oder Bezahlung haben, wenden Sie sich bitte an info@­jungewelt- shop.de.

    Wir mussten die Ticketpreise moderat erhöhen, subventionieren diese jedoch weiterhin in allen Kategorien. Wir bitten Sie und dich, eine realistische Selbsteinschätzung vorzunehmen und, wenn möglich, Normal- oder Solitickets zu erwerben. Dies ermöglicht ärmeren Menschen, ebenfalls die Konferenz zu besuchen. Wir freuen uns auf euch, auf Zeit für Austausch, das Kennenlernen unterschiedlicher Initiativen auf dem Markt der Möglichkeiten und ein vielfältiges Musik- und Kulturprogramm. Die Konferenz, traditionell der politische Jahresauftakt für die Linke im deutschsprachigen Raum, ist ein Ort der Selbstvergewisserung unserer Stärke. Notwendig angesichts der kriegerischen Mobilmachung!

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