Gegründet 1947 Dienstag, 24. November 2020, Nr. 275
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Aktuell

  • 20.11.2020 19:30 Uhr

    Das besondere Erlebnis

    Die nächste Rosa-Luxemburg-Konferenz setzt neue Maßstäbe
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    Zusammenstehen: Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz 2019 in Berlin

    Seit über 25 Jahren wird das Erscheinen der Tageszeitung junge Welt über den Verlag 8. Mai realisiert, unterstützt von vielen Abonnenten und Genossenschaftsmitgliedern. Ebenfalls seit über 25 Jahren findet immer am zweiten Sonnabend im Januar unsere Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin statt. Wir verstehen sie als eine Ausgabe der jungen Welt mit besonderen Mitteln: Für die internationalen Aspekte laden wir Gäste aus aller Welt ein (Außenpolitik), über die Lage linker Kräfte im Lande wird in einer Podiumsdiskussion gestritten (Innenpolitik), kulturpolitische Ideen werden von Künstlern und Wissenschaftlern vorgestellt (Feuilleton). Und wie in der Printausgabe der jungen Welt gehören auch für die Konferenz marxistischer Analyseansatz, Internationalismus und die Überzeugung, dass bestehende Verhältnisse präzise zu beschreiben und letztlich zu verändern sind, zum Selbstverständnis. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Konferenzteilnehmenden der Leserschaft der jungen Welt entsprechen: Da treffen sich Junge und Alte, Wissenschaftler und Studenten, Gutsituierte und Obdachlose, Arbeiter und Kleingewerbetreibende aus West und Ost, aus Süd und Nord. Keine Zeitung, keine Konferenz in diesem Land kann so eine inhaltliche und soziologische Melange abbilden. Beide sind unverzichtbar.

    Die Rosa-Luxemburg-Konferenz ist mittlerweile der wichtigste Jahresauftakt der Linken im deutschsprachigen Raum. Viele sind in Vorfreude auf die Veranstaltung und nehmen dafür teils weite Anreisewege auf sich. Wie kann dieses kollektive Erlebnis in Pandemiezeiten umgesetzt werden? Die Konferenz findet, wie geplant, am Samstag, den 9. Januar 2021, in Berlin statt. Und es werden Tausende teilnehmen. Leider in diesem Jahr nicht vor Ort in Berlin – dafür übertragen wir das Geschehen direkt in Ihr Wohnzimmer. Überall, wo es eine Internetverbindung gibt, kann die nächste Rosa-Luxemburg-Konferenz verfolgt werden. Dazu brauchen Sie keinen Code, keine Zulassung, die ganze Veranstaltung ist frei und kostenlos zugänglich.

    Zunächst orientiert sie sich an bisherigen Ausgaben: Sie beginnt um 10.30 Uhr mit der Eröffnung der Kunstausstellung der Gruppe Tendenzen – auf dieser Konferenz wird zudem eine Fotoausstellung von progressiven Kräften der Arbeiterfotografie vorgestellt. Wie immer beginnen die Hauptvorträge ab 11 Uhr. Aus Kanada wird Radhika Desai über die weltökonomische Lage aus marxistischer Sicht berichten, der US-Amerikaner John Bellamy Foster analysiert die ökologische Krise, aus Italien zeigt Stefano Azzará, wie der krisengeschüttelte Kapitalismus Irrationalismen befördert, aus den USA wird Donna Murch über die Stabilisierung kapitalistischer Verhältnisse durch Rassismus berichten, und Enrique Urbieta aus Kuba schildert die Vorteile einer sozialistischen Gesellschaft nicht nur im Umgang mit Pandemien. Neben diesen Hauptreferenten werden Aktivisten aus verschiedenen Ländern, so aus dem Libanon, den USA, aus Indien, Venezuela und Mali, ihre Kämpfe vor Ort beschreiben. Auch das Kulturprogramm ist so exquisit wie international: Inhalte und Musik kommen u. a. aus dem Libanon (Marcel Khalifé), den USA (David Rovics), Burkina Faso (Ezé Wendtoin) und aus Deutschland (Konstantin Wecker). Mit Szenen aus Brechts »Die Tage der Commune« wird zudem an den 150. Jahrestag des revolutionären Ereignisses gedacht. Wie in jedem Jahr kommen auch politische Gefangene zu Wort, die derzeit noch nicht direkt zu uns sprechen können, etwa der US-Journalist Mumia Abu-Jamal, aus der Türkei der Vorsitzende der HDP Selahattin Demirtas – oder Wikileaks-Gründer Julian Assange. Es wird auf der kommenden Konferenz zudem zwei Diskussionsrunden geben: In der Jugendrunde, traditionell moderiert von der SDAJ, wird ein Blick auf die Verlierer der Krise geworfen. Bei der abendlichen Diskussion ab 18 Uhr treffen sich Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern und tauschen sich über ihren Kampf gegen die Ausbeutung beim Krisengewinnler Amazon aus.

    Allerdings ist die Konferenz für unseren Verlag eine große finanzielle Herausforderung, auch weil die technische Umsetzung in bester Qualität stattfinden soll. Weil Einnahmen aus Eintrittskarten fehlen, bitten wir alle unsere Leserinnen und Leser, sich mit einer symbolischen Eintrittskarte an den Kosten zu beteiligen! Wir bedanken uns mit kleinen Zugaben: Bei Spenden bis neun Euro erhalten Sie unsere attraktive RLK-Karte. Bei Spenden ab zehn Euro zudem einen Kühlschrankmagneten mit dem aktuellen RLK-Motiv. Wer uns 20 Euro und mehr zukommen lässt, bekommt zusätzlich die Broschüre mit allen Beiträgen der Konferenz (Auslieferung ab Ende März 2021).

    Wir wollen auf diesem Weg ein außergewöhnliches kollektives und internationales Ereignis organisieren – mit Ihnen und Tausenden weiteren Teilnehmenden vor den Bildschirmen in der ganzen Welt. Die Konferenz wird in drei Sprachen gestreamt (Deutsch, Englisch, Spanisch), und befreundete Medien übernehmen den Stream in Europa und anderen Kontinenten. Und wir werden wie jedes Jahr die Konferenz mit dem gemeinsamen Singen der Internationale beenden. Wie wir das praktisch schaffen wollen, verraten wir Ihnen zu einem anderen Zeitpunkt.

    Verlag, Redaktion und Genossenschaft

  • 20.11.2020 19:30 Uhr

    Jeder nach seinen Möglichkeiten

    Für die Rosa-Luxemburg-Konferenz 2021 zählt jeder Beitrag
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    In diesem Jahr online: Vernetzung unter Linken zum Jahresauftakt

    Bei der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz geht es auch 2021 um eine politische Standortbestimmung, um Bündelung linker Kräfte und um eine Stärkung der internationalen Solidarität und Zusammenarbeit. Diesem Anspruch können wir nur mit vereinten Kräften optimal gerecht werden. Jede Leserin, jeder Leser kann dazu auf verschiedene Art und Weise beitragen.

    Der Zugang zu unserem Livestream wird für alle Interessierten gratis sein, gerade deshalb sind wir auf Spenden angewiesen! Denn professionelle Aufnahme- und Streamingtechnik für die Übertragung in drei Konferenzsprachen kostet viel Geld. Mit dem Erwerb von Spendentickets können Sie einen ganz konkreten Beitrag zum Gelingen der Konferenz leisten. Bestellen Sie Ihr Spendenticket unter www.jungewelt.de/solikarten.

    Aber auch ohne Geld lässt sich einiges machen. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen von der Veranstaltung erfahren und sich den 9. Januar 2021 als wichtigen Termin vormerken. Ordern Sie deshalb Plakate, Aufkleber und Flyer, um Werbung für die Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz zu machen! Empfehlen Sie die Veranstaltung auch mündlich in Ihrem persönlichen Umfeld weiter! Eine andere Möglichkeit: Teilen Sie jW-Artikel zur Konferenz über Ihre digitalen Kanäle. Nutzen Sie dazu auch die Webbanner in verschiedenen Formaten.
    Wir wollen, dass die Konferenz (trotz der Beschränkung auf ein digitales Liveformat) zu einem riesigen gemeinsamen Erlebnis wird. Bildet in Familie oder Freundeskreis – unter Einhaltung der Schutzbestimmungen – kleine Gruppen und schaut zusammen! In diesen Zeiten der sozialen Abschottung und der wachsenden Vereinnahmung des öffentlichen Raums von rechts ist es nötiger denn je, linke Kräfte zu bündeln. (jW)

  • 13.11.2020 19:30 Uhr

    Planungen im Endspurt

    Abenteuer Onlineveranstaltung: Programm der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz 2021 nimmt weiter Gestalt an
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    Diese Woche steckte unser RLK-Technikteam mit der externen Aufnahmefirma die Köpfe zusammen. Wie erhalten Zuschauerinnen und Zuschauer in Spanien und Lateinamerika den spanischsprachigen Livestream? Wie die im englischen Sprachraum? Wie viele Bühnen können wir bespielen? Wo können wir die Simultanübersetzer unterbringen? Wo die jW-Redaktion? Wir haben für alles gute Lösungen gefunden und können ein wenig beruhigter das Abenteuer Onlineveranstaltung angehen.

    In dieser Woche erreichte uns auch ein Signal aus Havanna. Enrique Ubieta Gómez, Direktor der Theoriezeitschrift Cuba Socialista, wird aufzeigen, warum der Sozialismus die einzige Alternative zur krisen- und coronageschüttelten westlichen Welt(un)ordnung ist. Sein Vortrag ist der fünfte Hauptbeitrag der RLK; die vier vorhergehenden werden die Ökonomie, Ökologie, die faschistische und rassistische Politik und den um sich greifenden Irrationalismus im niedergehenden Imperialismus analysieren. Insofern ist Ubietas Beitrag die vernünftige Konsequenz aus dem zuvor Vorgetragenen.

    Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) wird am 9. Januar 2021 kein Parallelprogramm zur RLK durchführen, sondern – viel besser – ihre Podiumsdiskussion wird in das Programm aufgenommen. Denn Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit kann es interessieren, wie junge Menschen den Abwehrkampf gegen vielseitige Krisenerscheinungen führen.

    Kostengünstiger wird die Konferenz nicht. Wir sparen die Raummiete, müssen aber einen ähnlich hohen Betrag für Technik ausgeben. Daher freuen wir uns sehr über die bisher schon eingegangenen Bestellungen von »Unterstützerkarten«. Jeder kann die Konferenz ohne Beschränkung sehen; jeder kann aber auch einen Solidaritätsobulus beitragen. Ab einem Betrag von fünf Euro erhalten Sie eine besonders gestaltete gedruckte »Unterstützerkarte«, ab zehn Euro zusätzlich einen Kühlschrankmagneten – in limitierter Auflage –, und ab einem Betrag von 20 Euro können Sie sich als drittes Präsent auch über die RLK-Broschüre freuen, die Mitte/Ende März 2021 erscheinen wird.

    Kommunikation/Aktion

  • 09.11.2020 11:26 Uhr

    Mit links ins neue Jahr

    Jetzt Unterstützertickets für die Rosa-Luxemburg-Konferenz bestellen!
    Kommunikation/Aktion
    Unterstützertickets und Kühlschrankmagnet: Mit ihrer Hilfe könne
    Unterstützertickets und Kühlschrankmagnet: Mit ihrer Hilfe können wir die Rosa-Luxemburg-Konferenz 2020 finanzieren

    Wie bereits an dieser Stelle bekanntgegeben wurde, kann angesichts der Coronapandemie die 26. Ausgabe der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 9. Januar nicht wie gewohnt in einem großen Saal mit Publikum über die Bühne gehen. Statt dessen werden wir sie als reine Onlineveranstaltung stattfinden lassen. Sie wird auf www.jungewelt.de live gestreamt, ohne Zugangsbeschränkungen. Zwar sparen wir damit die Miete für den Veranstaltungsort, jedoch stehen dem hohe Kosten für Technik und Werbung gegenüber. Derzeit rechnen wir mit einer Summe von bis zu 50.000 Euro.

    Wir werden die Refinanzierung der Konferenz auch nicht wie in den letzten Jahren über Eintrittskarten, Standgebühren und Beiträge von Unterstützerorganisationen realisieren können. Deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Obwohl der Livestream am Tag der Konferenz frei zugänglich sein wird, bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um den Kauf von freiwilligen Unterstützertickets. So helfen Sie uns bei der Finanzierung der Konferenz. Sie können selbst entscheiden, wie hoch Ihr Unterstützungsbeitrag ist. In Abhängigkeit von der Höhe Ihres Beitrags erhalten Sie ein Dankeschön von uns: Ab einem Betrag von fünf Euro gibt es die extra gestaltete Karte, ab zehn Euro zusätzlich den limitierten Kühlschrankmagneten und ab einem Betrag von 20 Euro können Sie sich als drittes Präsent auch über die RLK-Broschüre, die Mitte/Ende März 2021 erscheinen wird, freuen. Alle, die uns besonders effektiv unterstützen möchten, können sich in der dritten Kategorie auch mit einem deutlich höheren Solibetrag beteiligen. Die Unterstützertickets eignen sich übrigens auch hervorragend als Weihnachtsgeschenk.

    Die Konferenz wird nur am 9. Januar live im Netz verfolgbar sein. Wir planen, die Videomitschnitte der Reden und Diskussionen auf einer DVD zu veröffentlichen, die der Broschüre zur Rosa-Luxemburg-Konferenz beiliegen wird. Es gibt also gute Gründe, sich den 9. Januar im Kalender zu notieren und digital an der Konferenz teilzunehmen.

    Jetzt Unterstützungsticket sichern: www.jungewelt.de/rlk

  • 09.11.2020 11:30 Uhr

    Kollektive Vorbereitung, kollektives Erlebnis

    RLK-Vorbereitungskollektiv
    Rosa-Luxemburg-Konferenz 2020: Kurzer Talk unter Freunden. 2021
    Rosa-Luxemburg-Konferenz 2020: Kurzer Talk unter Freunden. 2021 ist das nur in den eigenen vier Wänden möglich. Die RLK geht online

    Derzeit arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in Verlag und Redaktion mit Hochdruck an der Programmplanung für die Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz (RLK). In der kommenden Woche gehen die ersten Plakate und Aufkleber in den Druck, weitere Werbemittel wie Flyer folgen.

    Wir möchten Sie bitten, uns bei der Bewerbung und beim Bekanntmachen der Konferenz und des Programms zu unterstützen. Bereits jetzt können Sie Aktionspakete bestellen, die jeweils zwei Plakate im A1- und A2-Format, 20 Aufkleber und 20 A5-Flyer enthalten. Gern stellen wir auch größere Mengen zur Verfügung. Die Kolleginnen und Kollegen des jW-Aktionsbüros stehen für Nachfragen und Bestellungen zur Verfügung.

    Nutzen Sie auch Ihre sozialen Netzwerke, egal ob analog oder digital, um die Konferenz bekanntzumachen. Alle Informationen finden Sie auf der neuen RLK-Website www.jungewelt.de/rlk, die regelmäßig aktualisiert wird.

    Auch als Livestream kann die Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz ein kollektives Erlebnis sein. Einerseits können sich die einzelnen Zuschauer sicher sein, dass sie nicht allein der Konferenz folgen. Auf der anderen Seite gibt es bereits jetzt erste Initiativen, die sich zum gemeinsamen Verfolgen des Streams treffen wollen, unter Berücksichtigung der Abstandsgebote. Egal, ob im privaten Wohnzimmer, Partykeller, sozialen Zentrum, Kneipen oder Parteibüros. Wenn Sie, allein oder mit Freunden und Genossen, ein solches gemeinsames Event organisieren, teilen Sie uns das mit. Über die verschiedenen Orte werden wir hier auf der Seite 16 und auf der RLK-Internetseite informieren.

    Jetzt Aktionspaket bestellen: ­telefonisch unter 0 30/53 63 55 10 oder per Mail unter aktionsbuero@jungewelt.de

    Spendenkonto:
    Verlag 8. Mai GmbH
    Verwendungszweck: RLK
    IBAN: DE 50 1001 0010 0695 6821 00
    BIC: PBNKDEFF

  • 06.11.2020 19:30 Uhr

    Auf zum Sieg der Vernunft

    XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz 2021: Pandemiebedingt online – aber mit vielen Möglichkeiten zur besseren Vernetzung
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    Mehr als 3.000 Teilnehmer bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar dieses Jahres. 2021 müssen wir auf die persönliche Begegnung verzichten – aber machen das Beste daraus

    Die Leser der jungen Welt werden in den vergangenen Wochen in ihrer Zeitung bereits den ein oder anderen Hinweis darauf gesehen haben: Am 9. Januar 2021 findet die nunmehr XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz statt. Weil das Coronavirus der Veranstaltung seinen Stempel aufgedrückt hat, diesmal online. An der traditionellen Struktur wird allerdings festgehalten: Wie in den vergangenen Jahren wird es nicht nur eine Vielzahl von Referentinnen und Referenten aus der ganzen Welt geben, sondern auch ein anspruchsvolles Kulturprogramm.

    Dabei werden wir auch thematisch nicht drumherum kommen, uns mit der Pandemie und insbesondere ihren Auswirkungen auf die geopolitische Situation wie auch auf die sozialen Verhältnisse zu beschäftigen. Denn dreißig Jahre nachdem die sozialistischen Länder Europas beseitigt wurden, droht die Welt in Krise und Krieg zu versinken. Die Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Vieles spricht dafür, dass der akuten Krise wie vor 90 Jahren eine lang anhaltende wirtschaftliche und soziale Depression folgen wird.

    Wie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts streben in den führenden kapitalistischen Ländern aggressive, chauvinistische Kräfte zur Herrschaft. Sie demontieren den Parlamentarismus, gehen zu autoritären, repressiven Herrschaftsformen über, die sich gegen alle fortschrittlichen Kräfte richten. Sie stützen sich auf soziale Demagogie und Irrationalismus, um von den Gebrechen des Kapitalismus abzulenken, um das Nachdenken über eine gesellschaftliche Alternative zu verteufeln, vor allem aber, um ganze Völker kriegsreif zu machen. Als Bertolt Brecht im November 1938 sein »Leben des Galilei« vollendete, ließ er ihn sagen: »Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

    Wir freuen uns, auch 2021 wieder internationale Gäste begrüßen zu dürfen. Radhika Desai, Professorin für Politikwissenschaften an der Universität von Manitoba in Kanada, wird über die Auswirkungen der Pandemie auf die geopolitische Ökonomie reden. Der US-Soziologe John Bellamy Foster wird uns erklären, warum die Zerstörung der Natur der kapitalistischen Produktionsweise in die DNA geschrieben ist. Der Philosoph Stefano Azzarà wird einen Vortrag darüber halten, warum das berechtigte Misstrauen gegenüber den Regierungen kapitalistischer Staaten angesichts ihres Versagens in der Coronakrise nicht eine breite emanzipatorische Bewegung hervorbringt – sondern, ganz in Gegenteil, Verschwörungsmythen, Irrationalismus und Wissenschaftsfeindlichkeit verstärkt. Darüber, dass es auch anders geht, warum und wie der Sozialismus einen Ausweg darstellt, wird ein Referent aus Kuba berichten. Denn die Pandemie hat erneut gezeigt: Dem Kapitalismus sind die Menschen gleichgültig. Donna Murch, Professorin an der Rutgers-Universtät in New Jersey, wird über die Situation in den USA nach den Präsidentschaftswahlen berichten. Dabei wird sie vor allem über den strukturellen Rassismus im Land sprechen – und den Widerstand dagegen.

    Dazu passt, dass auch 2021 selbstverständlich wieder Mumia Abu-Jamal zu uns sprechen wird – aus dem US-Knast, per Videobotschaft. Eingeladen sind zudem auch der im Gefängnis in der Türkei sitzende HDP-Politiker Selahattin Demirtas und der ebenfalls inhaftierte Journalist Julian Assange. Gegen letzteren führt Washington eine gnadenlose Kampagne, weil er unter anderem US-Kriegsverbrechen im Irak öffentlich gemacht hat. Ergänzt werden die Vorträge durch eine Reihe von Berichten aus Ländern, in denen sich in diesem Jahr die Lage auf dramatische Weise zugespitzt hat. So werden wir aus Mali, Indien, Venezuela und auch den USA Aktuelles hören.

    Wie immer steht dem Programm aus Vorträgen über Wissenschaft und Politik ebenbürtig ein Kulturprogramm zur Seite. Auf alle Fälle grüßt Konstantin Wecker mit einigen Liedern die Konferenz. Der US-Musiker David Rovics spielt seine Protestsongs. Wir werden Marcel Khalifé aus dem Libanon, häufig auch Bob Dylan des Nahen Ostens genannt, im Stream mit einigen Liedern zur Oud sehen und hören. Das Simon-Dach-Theater zeigt eine Sequenz aus seiner Inszenierung von Brechts »Die Tage der Commune«. So erinnern wir an den ersten sozialistischen Versuch vor 150 Jahren. Wir führen auch durch die virtuelle Kunstausstellung – dieses Mal mit Schwerpunkt Fotografie. Und selbstverständlich kann es noch zu Überraschungen kommen.

    Wie auch im vergangenen Jahr wird es eine Aktivistenrunde geben. Das Thema der die Konferenz traditionell beschließenden Podiumsdiskussion steht allerdings noch nicht fest. In den kommenden Wochen werden wir unsere Leser mit weiteren Beiträgen über die oder von den Referenten und auch das Kulturprogramm informieren.

    Eins ist derzeit offensichtlich: Die kapitalistischen Staaten haben im Umgang mit der Coronapandemie vollkommen versagt. Sie sind nicht in der Lage, die Menschen vor dem Virus und einer Erkrankung an Covid-19 zu schützen, sie vermögen es nicht, in diesen Krisenzeiten die existentiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Gesundheitssysteme wurden in den vergangenen Jahren kaputtgespart. Im Privaten sollen die Bürger Entbehrungen tragen, während Konzerne großzügig subventioniert werden. Wie es anders geht, auch darüber werden wir auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz 2021 reden.

  • 29.10.2020 10:10 Uhr

    »Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein«

    Vorläufiges Programm der XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz
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    Sonnabend, 09. Januar 2021 11 bis 20 Uhr im Livestream unter www.jungewelt.de

    Die XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am Sonnabend, den 9. Januar 2021, als Liveveranstaltung im Internet statt. Nur an diesem Tag ist die Konferenz komplett mit allen Referaten, Gesprächsrunden, der Podiumsdiskussion und den Kulturbeiträgen zu sehen. Der Zugang zum Livestream ist kostenfrei! Die internationale Konferenz wird in deutscher, englischer und spanischer Sprache übertragen.

    Über den Kauf einer Unterstützerkarte würden wir uns sehr freuen! [Link zum Formular] Denn auch wenn keine Raummiete anfällt, so ist der Technikaufwand sehr groß und mit hohen Kosten verbunden. Hinzu kommen weitere Kosten für die Dolmetscher, Gagen für die Künstler und teilweise auch für Reise und Unterkunft.

    Nach der Konferenz werden wir ein zusammengeschnittenes Video mit einem Auszug aus dem Programm veröffentlichen. Wer die komplette Konferenz nachschauen möchte, kann sich auf die Broschüre zur XXVI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz inklusive DVD freuen. Diese erscheint Ende März 2021.

    Zur XXVI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz erwarten wir Beiträge u.a. von folgende Gästen:

    Radhika Desai, Professorin im »Department of Political Studies« und Direktorin der »Geopolitical Economy Research Group« der University of Manitoba, Winnipeg, Canada

    John Bellamy Foster, Professor für Soziologie an der University of Oregon, Eugene. Er ist Herausgeber der marxistischen Zeitschrift »Monthly Review« und tonangebend auf dem Gebiet der marxistischen Ökologie.

    Donna Murch, Professorin an der »Rutgers School of Arts and Sciences« in New Jersey, USA. Sie ist spezialisiert auf Black Power und Bürgerrechtsbewegung.

    Stefano G. Azzarà, außerordentlicher Professor für Geschichte der Philosophie an der »Università degli Studi Di Urbino Carlo Bo«. Er forscht unter anderem zur »konservativen Revolution«.

    Mumia Abu-Jamal ist seit 1982 politischer Gefangener, jahrelang in der Todeszelle, Kolumnist der Tageszeitung junge Welt.

    Hanna Gharib, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Libanon

    Ana Marín ist aus Kolumbien und arbeitet in der Basisorganisation »Alexis Vive«

    David Rovics, Singer/Songwriter aus den USA

    Vijay Prashad, Geschäftsführer des »Tricontinental – Institute for Social Research« und der gleichnamigen Vierteljahresschrift »Tricontinental«. Er ist Chefredakteur des Verlags »Left Word Books«.

    SiDaT! Simon Dach-Theater aus Berlin mit einem Auszug aus ihrer Inszenierung von Bertolt Brechts »Die Tage der Commune«

    Konstantin Wecker, Liedermacher und Schriftsteller aus München mit Liedern und Statements

    Außerdem freuen wir uns wieder auf einen Beitrag aus Kuba und eine spannende Podiumsdiskussion. An dieser Stelle werden wir das Programm regelmäßig aktualisieren.

  • 29.10.2020 10:03 Uhr

    Die XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet statt

    Am 09. Januar 2021 als Livestream auf www.jungewelt.de
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    Nach Gesprächen mit den Vermietern der Konferenzräume für die Rosa-Luxemburg-Konferenz wurde deutlich: Die Tageszeitung junge Welt, das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus und die unterstützenden Organisationen müssen für das kommende Jahr umdenken. Denn die Raum- und Besucherkonzepte, die uns wegen der Coronaauflagen vorgeschlagen werden, lassen höchstens ein Fünftel der ansonsten üblichen 3.000 Besucher zu – bei bleibenden oder sogar höheren Mietkosten.

    Die Konferenz wird trotzdem stattfinden. Allerdings haben wir uns entschlossen, sie live zu streamen. Jeder kann also von zu Hause aus an der Konferenz teilnehmen und das Geschehen am Bildschirm mitverfolgen. Die Struktur der Veranstaltung aber soll bleiben: Mit einer Vernissage wird die Kunstausstellung »Sozialismus oder Barbarei« eröffnet, es wird ein digitaler Rundgang durch die Exposition angeboten. Es werden mindestens fünf internationale Referenten begrüßt, Mumia Abu-Jamal wird aus der Gefängniszelle zu uns sprechen. Auch der 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sowie der 150. Jahrestag der Kämpfe der Pariser Commune werden angemessen berücksichtigt. Zudem sind eine Runde mit Aktivisten, die abschließende Podiumsdiskussion und ein vielfältiges Kulturprogramm geplant. Das bedeutet aber auch, dass der technische Aufwand für die Konferenz deutlich höher sein wird als bisher. Zumal wir versuchen, neben dem deutschen auch einen englischen und spanischen Sprachkanal zur Verfügung zu stellen. Fest steht: Wir werden jede Menge neuer Erfahrungen und Ideen sammeln müssen, um auch unter den geänderten Bedingungen eine optimale Veranstaltung zu realisieren. Das betrifft genauso die Finanzierung der nächsten Konferenz, die diesmal nur über Spenden funktionieren kann.

    Die Rosa-Luxemburg-Konferenz bleibt die wichtigste regelmäßig stattfindende Konferenz der deutschsprachigen Linken. Neue Erkenntnisse und das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches Kraft für die kommenden Monate spendet und alle Teilnehmenden für die nächsten politischen Kämpfe stärkt, soll auch unter erschwerten Bedingungen vermittelt werden. Zwar ist uns klar, dass ein tatsächliches Zusammentreffen von vielen tausend Menschen, die die bestehenden Verhältnisse nicht nur kritisieren, sondern auch überwinden wollen, über den digitalen Weg kaum ersetzt werden kann. Aber vielleicht gelingt es ja in Berlin, einen größeren Saal für jene anzumieten, die von weit her in die Hauptstadt kommen, um am Sonntag an der traditionellen Ehrung von Rosa und Karl teilzunehmen. Denn die findet nach Angaben der Veranstalter auf jeden Fall am 10. Januar 2021 statt. Aber auch anderswo könnte so etwas organisiert werden: Kommt in euren Städten zusammen und verfolgt gemeinsam im angemieteten Saal die Konferenz. Das geht als Kleingruppe auch im Wohnzimmer. Deshalb: Bildet Banden!