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Preisregulierung

Öl ins Lager

Spanische Ölmühlen müssen einen Teil ihres Öls wegen erwarteter Rekordernte einlagern. Regierung will so Preisverfall verhindern

Foto: Jon Nazca/Reuters
Nein, professionell eingelagertes Olivenöl ist nicht nach einem Jahr schlecht

Der spanische Staat greift in den Olivenölmarkt ein: Die Ölmühlen müssen zwölf Prozent ihrer Produktion vorübergehend einlagern. Die Regierung will so einen Preisverfall aufgrund der zu erwartenden Rekordernte, die zwischen Oktober und April stattfindet, verhindern. Rund 188.000 Tonnen dürfen demnach vom 6. November bis zum 30. September nächsten Jahres nicht auf den Markt gebracht werden. Dieser Mechanismus wurde bereits 2021 eingeführt und wird nun erstmals tatsächlich verpflichtend angewendet.

»Die Maßnahme soll die Rentabilität der Landwirte sicherstellen und zugleich die Interessen der Olivenölkäufer schützen«, lautet die offizielle Erklärung. Ziel sei es, »für mehr Stabilität auf dem Markt zu sorgen, wovon sowohl die Erzeuger als auch die Verbraucher profitieren sollen«. Der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas verteidigte die Maßnahme entsprechend am Sonnabend im Interview mit dem Radiosender Cadena SER mit dem Argument, dass sie vor allem die kleinen Olivenbauern mit höheren Produktionskosten schützen und gleichzeitig für stabile Verbraucherpreise sorgen solle. Einen Anstieg der Supermarktpreise erwartet er nach eigenen Angaben nicht.

Kritiker befürchten jedoch, dass diese künstliche Verknappung vor allem größere Produzenten begünstigt und die Preise für Verbraucher unnötig hoch hält. Auch die spanische Wettbewerbsbehörde CNMC hat vor möglichen Preissteigerungen und einer geringeren Produktvielfalt gewarnt. Es gäbe »Risiken für den Wettbewerb«: »Wenn weniger Öl zum Verkauf steht, könnten die Preise steigen«. Die Auswahl an verfügbaren Olivenölen würde sich verringern und die Qualität des Angebots leiden. »Besonders betroffen sein könnten Menschen mit geringerem Einkommen sowie Händler und Exporteure«, schreibt das Amt in einer Mitteilung. Die Regierung habe nicht ausreichend nachgewiesen, dass tatsächlich eine außergewöhnliche Überproduktion vorliegt, die einen solchen Eingriff rechtfertige.

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Der Inhaber vom Gourmetolivenölshop Molino y Cata und Olivenölexperte Jerónimo Palacios erklärte die Maßnahme in einem Video bei X. Man müsse die Oliven »gesund und zum richtigen Reifezeitpunkt ernten und so schnell wie möglich in einer sauberen Ölmühle verarbeiten«. Geschehe das nicht so, wird es kein Olivenöl »extra«. Wenn das Ergebnis der Mühle noch schlechter wird, entsteht sogenanntes Lampantöl, also die niedrigste Güteklasse beim Olivenöl. In der größten Anbauregion Spaniens, in Almería, wird rund die Hälfte der Produktion dieses schlechteren Qualitätsöls erzeugt. Somit entstehe ein niedriger Durchschnittspreis, der kleine Bauern, die eine hohe Qualität erzeugen, aber auch höhere Preise verlangen, nicht berücksichtigt. Die Maßnahme komme also den großen Erzeugern und Großgrundbesitzern zugute.

Zudem fragt man sich in Spanien, warum die Preise für die Konsumenten nicht reguliert wurden, als diese während der Pandemie in der Höhe schossen. Jetzt haben die Verbraucher abermals das Nachsehen, weil die Preise aufgrund der künstlichen Verknappung künstlich teurer gehalten werden.

Während Spanien einen Teil seiner eigenen Olivenölproduktion vorübergehend vom Markt nimmt, nehmen gleichzeitig die Importe aus Marokko deutlich zu. Die Importe von marokkanischem Olivenöl nach Spanien zwischen Januar und April 2025 und 2026 sind um fast 10.000 Prozent gestiegen (von 103 auf rund 10.385 Tonnen). Der Grund dafür? Eine besonders gute Ernte in Marokko, niedrigere Preise und eine etwas schwächere spanische Produktion 2025/26. Auch wenn der Anteil marokkanischen Öls am spanischen Markt relativ gering bleibt, der Irrsinn wird deutlich: Während spanische Erzeuger ihre Ware teilweise einlagern müssen, kann günstigeres ausländisches Öl weiterhin auf den spanischen Markt gelangen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.11.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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