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Spiegelbild des Tages: Quantentechnik

Foto: Chris Emil Janßen/IMAGO
Kann ohne Hilfe nicht mal den Button drücken: Dorothee Bär

Der Feind rollt nicht mehr in Panzern vor, zumindest, wenn man in der NATO- und Frontex-gesicherten Festung Europa sitzt. Er kommt durch die Glasfaserkabel, bisweilen auch durch die Luft. Sinistre Hackerbatallione, asymptotische Kriegführung oder so. Dass man Putin vorwirft, was man selbst längst tut, ändert nichts daran, dass die Paranoia befugt ist. Im digitalen Zeitalter herrscht wieder Waffengleichheit. Zwischen Berlin und Moskau, Washington und Teheran, Papst und Zuckerberg.

Am Mittwoch fanden in der Hauptstadt Vertreter des Bunds und einiger Länder zusammen, den Start der QuNet-Initiative zu feiern, sie soll die Sicherheit der Kommunikation zwischen Behörden, Unternehmen und Stellen kritischer Infrastruktur (Energie, Wasser, Transport, Gesundheit, Finanzwesen etc.) verbessern. Mittels Quantentechnik. Das System könne durch gewiefte Verschlüsselung Abhörversuche erkennen, hieß es. Anwesend waren Forschungsmutter Bär (CSU), Landesvater Söder (CSU) und Landesvater Voigt (CDU). Ob einer von ihnen versteht, worum genau es da geht, kann bezweifelt werden. Und nicht nur im streng theoretischen Sinn, den Harald Lesch einmal formulierte: Wer glaubt, die Quantenmechanik verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden.

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Die Technologie zieht allerdings bloß nach, die Welt der Politik funktioniert längst quantianisch. Je genauer man einen Volksvertreter politisch verorten kann, desto weniger lässt sich über seine Gründe sagen. Im Wahlkampf scheint er an mehreren Orten zugleich zu sein und an keinem dabei richtig, instantan wechselt er von Meinung A zu Meinung B, ohne den Weg dazwischen zurückzulegen, er ist abgegrenzt wie ein Teilchen und dennoch mit jedem auf einer Wellenlänge, stets verschränkt dabei mit dem Gegner von der anderen Partei: Sobald der was sagt, behauptet er das Gegenteil.

Die Quantentechnik scheint in geeigneten Händen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.10.2026, Seite 3, Ansichten

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