Aufräumen im Finanzsektor
Nach der Wahl in Serbien schließen Behörden die Alta-Bank und verhaften deren Besitzer
Es geht ans Aufräumen. Nach dem Erfolg der Studierendenliste bei den Parlamentswahlen in Serbien wird nun damit begonnen, das abgewählte System abzuwickeln. Neben Medien und Verwaltung betrifft das auch den Finanzsektor. Im Mittelpunkt stehen dabei aktuell die Alta-Bank und die dazugehörigen Unternehmen. In der Nacht zum vergangenen Sonnabend hat die Serbische Nationalbank (NBS) dem privaten Kreditinstitut die Betriebsgenehmigung entzogen und dessen Insolvenz eingeleitet.
An diesem Montag folgte der nächste Schritt. Davor Macura wurde verhaftet. Dem Chef der Alta-Gruppe, zu der auch das gleichnamige Kreditinstitut gehört, wird vorgeworfen, gemeinsam mit zwei weiteren Personen 45 Milliarden Serbische Dinar aus dem Tresor entwendet zu haben. Der Betrag entspricht umgerechnet rund 380 Millionen Euro. Macura war in den vergangenen zwei Jahrzehnten vom Betreiber einer Wechselstube in Zemun zu einem der reichsten Männer des Landes aufgestiegen; lokale Medien bringen ihn immer wieder in Verbindung mit der am 25. Oktober abgewählten Serbischen Fortschrittspartei (SNS) des ehemaligen Präsidenten Aleksandar Vučić.
Dem Lizenzentzug und der Liquidierung war eine Anfrage der Sonderstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität vorausgegangen. Die Ermittler wollten wissen, welche Auslandsüberweisungen das Kreditinstitut seit Ende September 2026 getätigt hat. Berichten zufolge soll es auf den Konten in den Tagen nach der Wahl hektisch zugegangen sein. Serbische Regierungsvertreter räumten gegenüber der Financial Times ein, Alta-Kunden hätten große Summen abgehoben und beträchtliche Beträge ins Ausland transferiert. Die Sonderstaatsanwaltschaft hat nun Anzeige gegen Vertreter des privaten Kreditinstituts, aber auch gegen Mitarbeiter der für deren Aufsicht zuständigen Nationalbank erstattet.
Die Nationalbank bemüht sich unterdessen darum, den finanzpolitischen Schaden zu begrenzen. In einer Stellungnahme hieß es, der Entzug der Lizenz erfolgte, da »festgestellt wurde, dass sich die Finanzlage der Bank in der vergangenen Zeit erheblich verschlechtert hat und die Möglichkeit einer weiteren Verschlechterung besteht«. Dadurch seien »die Interessen der Einleger der Bank gefährdet«. Die von ihr getroffenen Maßnahmen dienten dazu, »das Vermögen der Kunden zu schützen und die allgemeine Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten«. Die Einlagen der Alta-Kunden, das sind hauptsächlich Privatpersonen und kleine Unternehmen, sind mit 50.000 Euro abgesichert.
Zwar hatte die Alta-Bank nur rund drei Prozent Marktanteil in Serbien, doch eine weit größere Bedeutung. So wurden seit 2025 die Rechnungen des staatlichen Stromanbieters EPS über das Kreditinstitut abgewickelt. EPS ist mit Abstand das größte Unternehmen im Land mit einem Umsatz von weit über 400 Milliarden Dinar jährlich. Durch den Deal, der laut der Zeitung Nova ohne wirkliche Ausschreibung erfolgte, wurden Alta Millionen Euro Gebühren in die Kassen gespült, zudem gelangte die Bank darüber an liquide Mittel. Außerdem steht das aus der ehemaligen Jugoslawischen Bank für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit (Jubmes) hervorgegangene Geldinstitut im Verdacht der Geldwäsche, wie die Financial Times berichtete. Es gehe dabei vor allem um Geschäfte mit russischen Kunden in Folge des Kriegs in der Ukraine.
Zugleich war Alta auch international tätig. Die Gruppe besitzt Firmen und hält Unternehmensanteile in Südosteuropa, unter anderem in der Versicherungs-, Immobilien-, Bau- und Hotelbranche sowie im Einzelhandel. Für Aufsehen sorgte die wegen der Insolvenz von Alta abgesagte Übernahme der in Wien ansässigen Addiko-Bank durch die österreichische Raiffeisen-Bank International. Diese wollte mittels der Alta-Anteile die Addiko-Bank übernehmen. Deren Geschäfte in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro hätte sich durch den Deal das serbische Bankhaus gesichert.
Unklar bleibt die Lage für die Alta-Kunden. Zu diesen zählen überdurchschnittlich viele russische Staatsbürger, die in Serbien leben. Die größte Migrantengruppe im Land wird offiziell mit 55.000 Russen beziffert. Sie konnten bei der Alta-Bank meist unkompliziert ein Konto eröffnen. Zum anderen sind auch serbische Kommunen betroffen. So berichtete das Portal Mašina, die Staatsverwaltung der nordserbischen Stadt Novi Sad habe rund sechs Milliarden Dinar (rund 51 Millionen Euro) aus dem Haushalt bei dem Kreditinstitut liegen. Wieso die Entscheidung gerade auf diese Bank fiel, muss im Zuge des Entfilzens der durch die SNS gekaperten Strukturen geklärt werden. Die SNS regierte Novi Sad seit 2012 – so wie das ganze Land.
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